Wie man einen Hof übergibt

Königsdorf - Vielen Landwirten fällt es schwer, sich zurückzuziehen und den Hof an einen Jüngeren zu übergeben. Wie eine Übergabe gut gelingen kann, erklärte Andreas Klein im Gasthaus Hofherr.

„Das regelt der Tod“ habe ihm jüngst ein rund 70-jähriger Landwirt auf die Frage geantwortet, wann er beabsichtige, den Hof seinem Sohn zu übergeben. Diese Geschichte erzählte Andreas Klein von der Bäuerlichen Familienberatung in seinem Vortrag „Fit für den Generationswechsel“ und betonte: „So sollte man es nicht machen.“ Vielmehr sei es enorm wichtig, möglichst frühzeitig darüber nachzudenken, wie die Nachfolge geregelt werden sollte. Deswegen riet Klein dazu, als einen ersten Schritt alle Kinder an einem Tisch zu versammeln und sie nach ihren Wünschen und Erwartungen in Bezug auf die Zukunft des Hofes zu fragen. „Das sind noch keine endgültigen Entscheidungen, aber man kann mit den Anregungen arbeiten und planen“, sagte Klein. Und mitunter klärt sich bereits, welches der Kinder den Hof gerne weiter führen möchte.

Dabei sollte immer darauf geachtet werden, dass man offen miteinander spricht, betonte der Familienberater. So sollte der potenzielle Nachfolger beispielsweise genau über die Höhe der Schulden informiert werden. Denn wenn der Hof nur noch von seiner Substanz lebe und kaum mehr als 1000 Euro im Monat abwerfe, werde es für die Jungen enorm schwer, den Betrieb erfolgreich in die Zukunft zu führen.

Schriftlich geregelt werden sollten Klein zufolge wichtige Punkte wie die Höhe des Austrags oder was passieren soll, wenn man später ein Pflegefall wird. „Dieses Thema schieben viele zur Seite, obwohl es unbedingt geklärt werden muss.“ In diesem Zusammenhang wies Klein darauf hin, dass auf den Nießbrauch verzichtet werden sollte. Weil die Einnahmen daraus nämlich zur Kostendeckung eines Heimplatzes herbei gezogen werden. „Und das geht dann letztlich nur zu Lasten des Hofes.“ Deswegen sollte man sich auch nur einen begrenzten Wohnraum zuschreiben lassen und nicht das ganze Bauernhaus. Denn auch das würde auf die Pflegekosten angerechnet werden. Auf den Austrag sollte allerdings kein Übergeber verzichten. „Das ist Ihre Absicherung, lassen Sie sich das Geld auf jeden Fall auszahlen - unabhängig davon, ob Sie es wirklich brauchen“, so der Familienberater. An die Kinder oder Enkel verschenken könnte man es schließlich immer noch.

Das beste Alter zur Übernahme eines Hofes sei laut Klein zwischen 25 und 30 Jahren. Falsch sei allerdings, als Übergeber darauf zu bestehen, dass der Junior bereits verheiratet ist, wenn er die Nachfolge antritt. „Wenn die Zeit da ist, findet er eine Frau - üben Sie keinen Druck auf ihn aus, sonst sucht er sich irgendeine und das geht dann später wieder auseinander.“

Sobald die Übergabe schließlich auf dem Papier vollzogen sei, sollte diesem Schritt auch das Herz folgen. „Genießen Sie Ihren Austrag, lösen Sie sich, Sie sind endlich nicht mehr gebunden“, so Klein.

Und wenn der Junior klug sei, werde er ohnehin nicht auf das Wissen und die Erfahrung der Eltern verzichten wollen und sie immer wieder um ihren Rat fragen. (njd)

Auch interessant

Kommentare