Manege frei heißt es am Wochenende im Gelting. Doch das Gastspiel des Zirkus Luna wird begleitet von Protesten der Tierschutzorganisation Peta. Der Zirkus, so Peta, missachte Leitlinien zur Tierhaltung. Foto: Sabine Hermsdorf

Elefant eine Gefahr für Zirkus-Besucher?

Gelting - Der Zirkus Luna hat in Gelting sein Zelt aufgeschlagen. Begleitet vom Protest der Tierschutzorganisation Peta. Denn Elefantenkuh Benjamin sei infolge „qualvoller Haltung“ verhaltensgestört. Dies habe im Herbst 2012 zu einem schweren Unfall geführt.

Benjamin ist die Berühmtheit des vor 75 Jahren gegründeten Familienunternehmens. Allerdings sorgte die afrikanische Elefantendame auch außerhalb der Manege für Schlagzeilen. Vor drei Jahren flüchtete die Dickhäuterin aus dem Winterquartier im schwäbischen Thalfingen. Benjamin (Namenspatron ist die Trickfilmfigur Benjamin Blümchen) hatte einen mit Efeu bewachsenen Baum entdeckt und sich auf eigene Faust zur Futterquelle aufgemacht. Nach 50 Metern fing ihr Dompteur sie wieder ein.

Gar nicht humorig war dagegen ein Vorfall, der sich im Herbst vergangenen Jahres in Burladingen in Baden-Württemberg ereignete: Laut der Tierschutzorganisation Peta verletzte Benjamin einen zwölfjährigen Buben durch einen Schlag mit ihrem Rüssel schwer. Für Peta die logische Folge der „qualvollen“ Einzelhaltung des Tieres, die zu einer gravierenden Verhaltensstörung geführt habe. Das Gewerbeaufsichtsamt der Stadt Burladingen stellte bei der Unfalluntersuchung fest, dass der Elefant hinter einem Elektrozaun untergebracht war. Die Polizei schloss nicht aus, dass der Schüler - wie Zirkusmitarbeiter aussagten - in den Sicherheitsbereich geklettert und zufällig von dem pendelnden Rüssel der Elefantenkuh getroffen worden war. Der Bub habe eingeräumt, in der Vorstellungspause „durch den Elektrozaun gegriffen zu haben, um den Elefanten zu streicheln“, berichtet Peter Mehler, Pressesprecher der Polizeidirektion Balingen, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die Staatsanwaltschaft Hechingen stellte das Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung Ende September 2012 ein. „Es konnten keine Anhaltspunkte dafür gewonnen werden, dass die Zirkusbetreiber gegen Rechtsnormen verstoßen hätten“, zitiert Rechtsanwältin Stefanie Meier von der Kanzlei Prof. Fricke und Kollegen aus dem Sachverhaltsprotokoll der Polizei. Die Landshuter Kanzlei vertritt den Zirkus Luna. Widersprüchlich seien auch die Angaben zur Verletzung des Buben gewesen, stellt Meier fest. Die Tierschutzorganisation Peta kolportiert einen Kieferbruch und unterstellt dem Elefanten, eine „lebensbedrohliche Gefahr für Zirkusbesucher“ zu sein. Die Polizei fasste dagegen für die Staatsanwaltschaft zusammen: Körperlinksseitige Verletzungen, ausgeprägte Kieferprellung „mit anfänglichem, im Nachhinein aber nicht bestätigten Frakturverdacht“, Schleudertrauma und Schulterprellung. Luna-Anwältin Meier sagt, dass der Bub bereits zwei Tage nach dem Vorfall „vergnügt“ wieder im Zirkus gesehen worden sei.

Die Überprüfung, ob Benjamin und die anderen Tiere in Gelting artgerecht untergebracht und behandelt werden, obliegt Dr. Georg Unterholzner. Der Veterinäroberrat kontrolliert jeden Zirkus, der im Landkreis sein Zelt aufschlägt. „Darauf können Sie sich verlassen“, sagt Unterholzner. Natürlich kenne er nicht die Bestimmungen „für alle Subspezies“, räumt der Mediziner ein. Doch für die Beantwortung spezieller Fragen stehe ihm eine zentrale Datenbank zur Verfügung. Seit sieben Jahren ist der Ascholdinger beim Landratsamt tätig. In dieser Zeit habe er bei keiner Zirkuskontrolle „ganz gravierende Mängel“ festgestellt. Er vertritt die Meinung, dass die Verhältnismäßigkeit der Mittel gewahrt werden müsse. „Wenn ein halber Quadratmeter Freilaufgehege für ein Pony fehlt“, finde sich vor Ort eine Möglichkeit, diesen Missstand rasch zu beheben.

Luna-Juniorchef Walter Frank sieht sich „im Zentrum einer Hetzjagd“. Die Peta-Vorwürfe seien haltlos. Die Zirkustiere seien sein Kapital, „warum sollte ich sie schlecht behandeln?“ Wie gut es Benjamin gehe, davon könnten sich die Geretsrieder selbst überzeugen: Heute und morgen will Frank die Elefantendame auf dem Karl-Lederer-Platz spazieren führen. (cce)

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Veterinär: Elefant Benjamin „in keinster Weise aggressiv“

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