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Am Loisachufer soll das neue Stadtarchiv entstehen.

Ende der Debatte: Stadtarchiv entsteht am Loisachufer

Wolfratshausen - Es bleibt dabei: Das neue Stadtarchiv wird am Loisachufer gebaut. Einen anderslautenden Bürgerantrag sowie die Forderung der SPD, den Beschluss auszusetzen, lehnte die Mehrheit des Stadtrates am Dienstagabend ab.

Nach gut zweistündiger Debatte steht der Vorsitzenden des Historischen Vereins die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Sybille Krafft hatte die Sitzung auf der Zuschauerempore verfolgt. Sachargumente seien „im Parteiengezänk“ untergegangen, kommentiert sie die Entscheidung. Krafft hatte darauf gehofft, dass die Kommunalpolitiker das ehemalige Badehaus auf dem Kolpingplatz in Waldram als Alternativstandort für das „Gedächtnis der Stadt“ (Bürgermeister Helmut Forster) ins Auge fassen. Doch zu diesem Schritt konnte sich das Gremium nicht durchringen. Der Antrag der SPD, den im Februar vom Bauausschuss gefällten Beschluss auszusetzen, das neue Archiv plus Schauraum für gut 1,4 Millionen Euro am Loisachufer zu errichten, fiel mit elf zu 14 Stimmen durch. Neben den Sozialdemokraten votierten nur Richard Kugler, Renate Tilke, Helmuth Holzheu und Alfred Fraas (alle CSU) sowie Gaby Reith und Barbara Kerschbaumer (Grüne) dafür, zunächst andere Standorte einer genauen Prüfung zu unterziehen. SPD-Fraktionssprecher Renato Wittstadt bat darum, die Standortfrage „ohne Zeitdruck noch einmal sorgfältig abzuwägen“. Rathauschef Forster hielt dagegen, dass alle ernst zu nehmenden Grundstücke und Immobilien bereits unter die Lupe genommen worden seien. Aus Sicht der Verwaltung sei das Loisachufer „der einzig sinnvolle Standort“.

Dies musste auch der Betreiber des Obststadls, Robert Heckel, zur Kenntnis nehmen. Er hatte es durch einen Bürgerantrag geschafft, das Thema auf die Tagesordnung des Stadtrates zu setzen. Heckel und seine Mitstreiter plädierten für eine neue Diskussion - und einen Stadtratsbeschluss, dass das Loisachufer nicht angetastet wird. Der Bürgerantrag wurde mit zehn (vier SPD-Räte, beide Grünen sowie Kugler, Tilke, Holzheu und Fraas von der CSU) zu 14 Stimmen abgelehnt.

Nicht zur Abstimmung kam ein Antrag zur Geschäftsordnung von CSU-Fraktionschef Manfred Fleischer. Der wollte den Bürgerantrag durch die Formulierung erweitern, dass der Stadtrat einen Alternativstandort zum Loisachufer beschließt: „Auf der Grundlage nicht zu bauen und nicht zu kaufen.“ Amtsleiter Franz Gehring ließ den Antrag aus rechtlichen Gründen nicht zu. Eine Erweiterung eines Bürgerantrags sei „nicht möglich“. Zudem hatte Christine Noisser (SPD) die Sitzung zu diesem Zeitpunkt schon verlassen. Gehring: „Der Stadtrat müsste aber vollzählig sein.“ Für SPD-Sprecher Wittstadt war Fleischers Antrag ein Treppenwitz. Wenn die CSU gegen die Bebauung des Loisachufers sei, „dann hätten Sie ja nur dem SPD-Antrag zustimmen müssen.“ Der Abend habe „die Distanz zum Bürger größer gemacht“, bilanzierte sein Fraktionskollege Fritz Schnaller.

(Carl-Christian Eick)

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