Das Ende im Schatten des Bieres

- "Narrenschaukel" macht Schluss

VON ROSWITHA DIEMER Wolfratshausen - Ein riesiger Maßkrug schwebt über Bayern und die Sonne wirft ihre güldenen Strahlen auf den Freistaat. "Im Schatten des Bieres" heißt demzufolge das neue und zugleich letzte Programm der Kabarettgruppe "Narrenschaukel". Nach 20 Jahren gemeinsamer Bühnenarbeit trennen sich Claus Steigenberger, Thomas Gania, Christoph Abeck und Peter Haunstein.

"Es tut mir weh und es ist bitter, aber die Entscheidung ist definitiv gefallen", sagt Claus Steigenberger. Zu unterschiedlich seien die Lebensentwürfe und das Privatleben der einzelnen Mitglieder. "Zwischen Beruf, Proben und Auftritten bleibt kaum Zeit für Privates".

"Der Stoff, aus dem der Freistaat ist"

Ein letztes Mal also hat der gebürtige Wolfratshauser für seine Truppe ein Programm geschrieben. Es geht um Bier, Bayern, Brauen, Politik und Wirtschaft - "eben aus dem Stoff, aus dem der Freistaat ist". Die restliche Welt verbindet sich darin mit den Bayern und dem Gerstensaft. Terrorismus, Franz Josef Strauß, Edmund Stoiber, die Pisa-Studie und vieles mehr wird darin in gewohnter "Narrenschaukel"-Manier auf die Schippe genommen. "Eine gewichtige Rolle spielt dabei auch die Schaumschlägerei", sagt Steigenberger und schmunzelt. "Denn die Bayern haben gern viel Schaum, dafür verzichten sie lieber auf Inhalt."

Zwischen ein paar alten Nummern wie "Der schwangere Harti" oder "Im Wartesaal des Himmels" gibt es viel Neues von dem Quartett. Der Rausch an sich oder der Zustand des Benebeltseins - "weil die Leute nicht mehr in der Lage sind zu denken" - aus dieser Metapher entstand die Idee für das Programm, das in Steigenbergers Kopf "stetig gärte". Bis es im Spätherbst spruchreif wurde. Im Münchner "Frauenhofer" schon Ende November abgefeiert, finden in diesem Monat noch vier Auftritte im Hinterhalt in Gelting statt. "Danach ist endgültig Schluss."

Den Anfang nahm alles im Frühjahr 1983, als die ehemaligen Waldramer Seminaristen eine Kabarettgruppe gründeten. "Kaum einer glaubte damals an uns und viele aus der ursprünglichen Besetzung sind abgesprungen. Viel Wasser ist danach die Loisach hinuntergegangen." Erst mit der Verleihung des Kulturpreises der Stadt Wolfratshausen 1991 ging es schlagartig bergauf. Mit Liedern wie "CSU", "Survival" und "Portugal" sang und spielte sich die bunt gemischte Truppe aus Schwaben, Ruhrpottlern, Tschechen, Einheimischen und Vertriebenen in die Herzen ihrer Fans. Mit kritischen Untertönen trafen sie immer wieder den richtigen Ton. "Der Erfolg hat sicher damit tun, wie authentisch man ist", beschreibt Steigenberger den ganz eigenen Charakter der "Narrenschaukel". Und gerade das ist es, was Steigenberger bedauert. "In unseren Liedern steckt so viel Erfahrung, gemeinsame Arbeit und Vertrautheit, das wird es in dieser Form nicht mehr geben können."

Keine Zeit für Langeweile

Angst vor Langweile hat das Allround-Talent trotzdem nicht. Zwischen Aufträgen für den Bayerischen Rundfunk ("Spezlwirtschaft") schreibt Steigenberger Texte für Kollegen wie Christian Springer, Martina Ottmann und Rainer Berauer ("Giesinger Sautreiber"). Als Lehrbeauftragter für Medien- und Theaterpädagogik unterrichtet er in Benediktbeuern und im Pädagogischen Institut in München. Zeit zum Nachdenken, ob es ein Leben nach der Narrenschaukel geben wird, hat 44-Jährige kaum. An neuen Projekten und Ideen mangelt es es ihm nicht, auch ein Soloprogramm ist angedacht. Claus Steigenberger: "Ich für meinen Teil werde immer Kunst machen, ich habe schließlich nichts anderes gelernt."

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