Am Ende wird es ein politischer Preis sein

- Geretsried – Der Geretsrieder Stadtrat steht vor einer unbequemen Entscheidung: Weil in der Abwasserentsorgung die Ausgaben die Einnahmen übersteigen, ist es in diesem Jahr „unbedingt erforderlich“, die Kanalgebühren zu erhöhen. Das hat Harald Dörig in einer der jüngsten Werkausschuss-Sitzungen unmissverständlich klar gemacht. Im Gespräch mit unserer Zeitung äußert sich der kaufmännische Leiter der Stadtwerke zusammen mit seinem für den technischen Bereich zuständigen Kollegen Jürgen Schmidt zum „schlechten Zustand“ des Geretsrieder Leitungsnetzes und die Notwendigkeit, die Sanierung über die Gebühren zu finanzieren. Dörig ist sich bewusst, dass am Ende der laufenden Beratungen ein „politischer Preis“ herauskommen wird. „Der von mir als Kaufmann kalkulierte Preis liegt sicher höher.“

von sabine schörner <P>Der Stadtwerke-Leiter verweist darauf, dass die Kanalgebühren seit elf Jahren nicht mehr erhöht wurden. Derzeit zahlt man für den Kubikmeter Abwasser 1,48 Euro. Allein um die in den vergangenen Jahren aufgelaufenen Schulden (rund 6,6 Millionen Euro) abdecken zu können, müsste der Preis für die nächsten zehn um 46 Cent heraufgesetzt werden. <P>Ein Abwasserpreis von weit über zwei Euro ? <P>Rechnet man nur die laufenden Betriebskosten und die anstehenden Sanierungen mit ein, &#8222;sind wir bei einem Betrag von weit über zwei Euro&#8220;, so Dörig. &#8222;Doch hierüber entscheidet letztlich der Stadtrat.&#8220; <P>Den nachfolgenden Generationen weitere Schulden aufzubürden, kommt weder für den kaufmännischen Werkleiter noch für den Vorsitzenden des Werkausschusses in Frage. &#8222;Diesen Weg werden wir nicht mitgehen&#8220;, sagte 3. Bürgermeister Walter Büttner (SPD) in der Beratung des Finanzplanes der Stadtwerke. Danach würden die Gesamtschulden des Eigenbetriebs bis zum Jahr 2010 von jetzt 16 auf 23 Millionen Euro steigen &#8211; es sei denn, es wird über die Gebühren gegengesteuert. <P>Fluch und Segen der alten Leitungen <P>Anders als bei der Wasserversorgung machen die Stadtwerke bei der Abwasserentsorgung seit Jahren ein Defizit. Mit ein Grund ist, dass von den Einnahmen rund 40 Prozent direkt an den Abwasserverband Isar-Loisach, Betreiber der Kläranlage in Wolfratshausen, abgeführt werden müssen. Mit dem Rest müssen die laufenden Betriebskosten und die anstehenden Investitionen finanziert werden, wobei der Sanierungsbedarf weiter steigt. <P>Das hat mit der Geschichte der Stadt Geretsried zu tun. Nach dem Krieg waren die Gründerväter dankbar, dass sie zum Aufbau der neuen Gemeinde das Leitungsnetz aus der Zeit der Rüstungswerke übernehmen konnten. Heute sind die 70 Jahre alten Rohre nicht nur &#8222;marode&#8220;, wie der technische Leiter Jürgen Schmidt sagt. Weil sie zum Teil kreuz und quer über Privatgrundstücke verlaufen, können sie nicht saniert werden, sondern müssen in den öffentlichen Straßenraum verlegt werden. Dafür können keine Herstellungsbeiträge erhoben werden. Die Anlieger müssen &#8222;nur&#8220; die Entwässerungsanlagen auf ihren Grundstücken bezahlen, der Rest muss über die Gebühren, also von allen Bürgern finanziert werden. Um mit der Stadtentwicklung Schritt halten zu können, wurde in den vergangenen Jahren vor allem in Neubaumaßnahmen investiert. Jetzt, so Schmid, sollen die bestehenden Kanäle (in der Summe 90 Kilometer) alle zehn Jahre systematisch mit einer Kamera abgefahren und ein Sanierungskonzept entwickelt werden. In diesem und im nächsten Jahr sind Investitionen von jeweils 2,3 Millionen Euro geplant, wobei den Löwenanteil die neuen Leitungen am Karl-Lederer-Platz sowie am Isardamm und der Blumenstraße ausmachen. <P>&#8222;Geretsried hat Nachholbedarf&#8220; <P>&#8222;Geretsried hat einen Nachholbedarf&#8220;, sagt Schmidt &#8211; nicht nur aus technischer, sondern auch aus kaufmännischer Sicht, wie Dörig hinzufügt. Hätte man die Kanalgebühren in den vergangenen elf Jahren schrittweise erhöht, würde die jetzt anstehende Erhöhung moderater ausfallen. &#8222;Eigentlich muss man die Gebühren spätestens nach vier Jahren neu kalkulieren.&#8220; <P>

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