Josef Niedermaier: „Irgendwann platzt auch mir der Kragen.“

Königsdorf

Erneut Enterokokken im Trinkwasser entdeckt

Bad Tölz-Wolfratshausen - Die Landesanwaltschaft lehnt die Überprüfung des Sachverhaltes durch Dritte ab. Landrat Josef Niedermaier ist verärgert über Rathauschef Anton Demmel.

Die Hoffnung, den Streit um das Trinkwasser gütlich beilegen zu können, hat sich zerschlagen. Das Landratsamt habe die Erstellung eines Gutachtens durch außenstehende Fachbehörden abgelehnt. Das teilte Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller am Dienstagabend im Stadtrat mit.

Wie berichtet hatte das Gesundheitsamt nach einem Enterokokken-Befund im Leitungsnetz angeordnet, dass das Trinkwasser in Geretsried gechlort und abgekocht werden muss – und zwar bis in den Brunnen in Königsdorf-Wiesen eine Filtrationsanlage eingebaut ist. Die Stadt hat diese 3,6 Millionen Euro teure Maßnahme zwar eingeleitet. Sie steht aber auf dem Standpunkt, dass bis zu einer Inbetriebnahme für ein Chloren und Abkochen des Wassers keine Notwendigkeit besteht und hat deshalb beim Verwaltungsgericht Klage gegen die Anordnung des Gesundheitsamtes eingereicht.

Um den Streit gütlich beilegen zu können, wurde an einem Runden Tisch im Umweltministerium Ende Mai vereinbart, dass das Landesamt für Umwelt und das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit den Sachverhalt als neutrale Dritte noch einmal prüfen sollen. Voraussetzung wäre gewesen, dass das Landratsamt dem zustimmt. Aus der Kreisstadt kam jetzt allerdings die Absage. „Damit ist der Kompromiss hinfällig“, sagte Müller. Und: „Ich will das nicht kommentieren, aber es verfestigt sich ein gewisser Eindruck.“

Dass sich die Hoffnung auf ein Gutachten Dritter zerschlagen hat, mussten am Dienstagabend auch die Königsdorfer Räte zur Kenntnis nehmen. Bürgermeister Anton Demmel unterrichtete das Gremium, dass das Landratsamt eine dritte Meinung nicht akzeptiere. Außerdem räumte er auf Nachfrage von Gemeinderat Josef Birzele ein, dass erneut eine belastete Probe nach der UV-Anlage genommen worden sei. Dies sei für ihn, Demmel, „theoretisch nicht erklärbar“.

Aber warum akzeptiert das Landratsamt nicht eine dritte Meinung? Zur Beantwortung dieser Frage verweist Landrat Josef Niedermaier darauf, dass die Fakten dagegen sprechen. Nach seiner Auskunft ist es im Brunnen der Gemeinde Königsdorf in Wiesen in jüngster Zeit nicht nur zu einer belasteten Probe gekommen, sondern zu drei. Am 26. Mai sei ein coliformer Keim nach der Chlorung des Trinkwassers gefunden worden, am 28. Mai eine Enterokokke vor der UV-Anlage, am 2. Juni eine Enterokokke nach der UV-Anlage. Diese Befunde stützten die Haltung des Gesundheitsamts. Gezogen worden seien diese Proben von der Firma Agrolab, und zwar im Auftrag der Gemeinde Königsdorf. Warum diese Fakten die Gemeinde nicht zum Einlenken bewegen, kann Niedermaier „nicht nachvollziehen“.

Außerdem legt Niedermaier Wert auf die Feststellung, dass die Entscheidung nicht er und auch nicht seine Behörde getroffen haben, sondern die Landesanwaltschaft. Sie vertritt den Freistaat – also auch das Landratsamt – in Rechtsfragen. Nach Ansicht der Landesanwaltschaft sei nach den jüngsten Befunden der Fall so klar, dass ein Kompromiss nicht mehr infrage kommt. „Speziell in Königsdorf sollte man endlich aufhören, gegen das Landratsamt zu hetzen“, sagt Niedermaier. Überhaupt scheint der Landrat auf Bürgermeister Demmel nicht gut zu sprechen zu sein. „Ich habe ja lange nichts gesagt, dafür ist das Thema Trinkwasser zu sensibel, aber irgendwann platzt auch mir der Kragen.“ Die Königsdorfer Befunde gelten nach Ansicht der Landesanwaltschaft auch für Geretsried, die Brunnen sind nur wenige hundert Meter entfernt. „Da kann man nicht unterscheiden.“ (sas/vu)

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