Erst Suchtaufklärung, dann ein Bier ?

- Jugendleiter für Anti-Drogen-Abend

VON KATHARINA BROMBERGER

Wolfratshausen - Alkohol, Drogen, Sucht - Schlagworte, die vielen Eltern Angst einjagen. Zumal Statistiken eine schlimme Entwicklung zeigen: Immer früher greifen Heranwachsende zu Suchtmitteln. Das Einstiegsalter für Alkohol liegt derzeit zwischen elf und 13 Jahren, für Drogen wie Cannabis bei 13. Kein Wunder also, dass sich der Jugendwart der Handballer des TSV Wolfratshausen, Michael Napiralla, einen Anti-Drogen-Abend wünscht (wir berichteten). Sehen das seine Kollegen aus anderen Vereinen auch so?

"Über Risiken aufzuklären schadet nicht", meint Karl-Heinz Gomilsek, Jugendleiter der Fußballabteilung des TSV Wolfratshausen. Doch während seiner 14-jährigen Amtszeit habe er keine dramatische Entwicklung erlebt. "Bei wem die Familie intakt ist, bei dem gibt es keine Probleme", ist seine Beobachtung. "Es kommt auf die Erziehung an", stimmt Reinhold Iszovics, Jugendwart der Freiwilligen Feuerwehr Wolfratshausen, zu. Sein Kollege aus Weidach, Christian Lambl, geht noch weiter: "Eltern sind selbst Schuld, wenn die Kinder Drogen nehmen." Er habe mit seinen Jungs keine Probleme. Sein absolutes Alkoholverbot würde, "nach anfänglichem Murren zwar", akzeptiert. Doch er weiß: "Die heutigen Jugendlichen schütten sich teilweise die Birne weg - ohne Maß und Ziel." Das hat auch Walter Kresta von der DJK Waldram erlebt. "Viele junge Leute erkennen den Ernst der Lage nicht", befürchtet der Fußball-Jugendleiter. "Für einige ist Trinken am Wochenende wichtiger als das Gesellschafts- oder Vereinsleben." Seiner Erfahrung nach könnte das Engagement im Verein einen gewissen Halt geben und "Wege aufzeigen, wie es auch mit weniger Alkohol geht". In "Randgruppen, die nicht integriert sind" sieht auch Alfons Rappel, Jugendleiter beim BCF Wolfratshausen, die eigentlichen Probleme.

Ängste vor Suchtproblemen sind demnach nicht unbegründet, die Idee einer Informationsveranstaltung unter Einbindung der Polizei für Jugendliche sei aber deshalb "grundsätzlich nicht schlecht", spricht Lambl für seine Kollegen. Doch bezweifelt er den durchschlagenden Erfolg. "Die Jugendlichen hören sich das an, gehen raus, zünden sich eine Zigarette an und genehmigen sich ein Bier", prophezeit Lambl. Rappel befürchtet: "Die, die es betrifft, sind nicht da - Eltern wie Jugendliche." Kresta gibt zu bedenken: "Viele Eltern wollen einfach nicht sehen, dass einige Kinder auf dem Weg in die Sucht sind oder schon mittendrin stecken." Für Gomilsek beginnen die Probleme und damit die Problemlösung schon in der Gesetzgebung: "Ab 16 bekommen die Jugendlichen in jeder Wirtschaft ein Bier. Ein 16-Jähriger braucht doch aber noch keinen Alkohol." Den Jugendleitern seien in diesem Fall die Hände gebunden. "Wir können nur an die Vernunft appellieren." Obwohl Iszovics unter seinen Feuerwehrlern "kein Drogenproblem ausmachen kann", befürwortet er die Veranstaltung: "Vorsicht ist besser als Nachsicht."

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