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Der erste Band der Münsinger Chronik

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Dicker Wälzer: 416 Seiten umfasst der erste Band der Münsinger Chronik, die der Historiker Dr. Johannes Bernwieser (Mitte) betreut. Bergs Bürgermeister Rupert Monn (li.) und Münsings Bürgermeister Michael Grasl (re.) freuen sich schon auf die Lektüre.
Dicker Wälzer: 416 Seiten umfasst der erste Band der Münsinger Chronik, die der Historiker Dr. Johannes Bernwieser (Mitte) betreut. Bergs Bürgermeister Rupert Monn (li.) und Münsings Bürgermeister Michael Grasl (re.) freuen sich schon auf die Lektüre. © Sabine Hermsdorf

Münsing - Die Alltagsgeschichten der Münsinger vom 18. bis zum 20. Jahrhundert: Damit hat sich ein Historiker zwei Jahre intensiv beschäftigt - und auf 416 Seiten niedergeschrieben.

„Vom Adel gibt es genügend Aufzeichnungen, aber die Geschichten der normalen Leute lagen bisher unbeachtet in den Archiven.“ Seine Ergebnisse hat der gebürtige Münsinger Dr. Johannes Bernwieser gemeinsam mit der Münchner Doktorandin Sarah Ewerling im ersten Band der neuen Münsinger Chronik niedergeschrieben. Das 416-seitige Buch des Ambacher Verlags ist ab sofort im Handel erhältlich, die erste Auflage umfasst 600 Stück. Weitere Bände zu mündlichen Überlieferungen und der Architektur der Bauernhöfe sollen in den kommenden Jahren folgen.

„Das erste Durchblättern der Chronik allein war schon so packend. Ich freue mich auf eine intensive Lektüre“, sagte Münsings Bürgermeister Michael Grasl bei der Chronikvorstellung. „So etwas muss man zuhause haben. Ich bin mir sicher, dass die Bücher schnell vergriffen sein werden.“

Gemeinsam mit Rupert Monn, Bürgermeister der Gemeinde Berg am Starnberger See, nahm der Rathauschef die ersten Exemplare entgegen. Finanziert wird die Buchreihe durch den Verkauf und „die großzügige Unterstützung der Heimatbanken“, so Grasl.

Die reinen Druckkosten beliefen sich laut Bernwieser auf rund 6500 Euro, der Historiker selbst erhielt keine Vergütung. Er arbeitete ehrenamtlich, nebenher zu seinem Hauptberuf als Wissenschaftsmanager bei der Akademie der Wissenschaften in Mainz. „Wie viele Stunden ich gearbeitet habe, weiß ich gar nicht. Es waren viele Nächte und Zugfahrten“, erzählte der Historiker im Gespräch mit unserer Zeitung. Sein Interesse an der Münsinger Historie hätten seine Großeltern Elisabeth und Hans Bernwieser geweckt. „Früher war die Welt noch ganz anders“, so Bernwieser. „Ohne Aufzeichnungen wäre dieses Wissen irgendwann verloren gegangen.“ Für die Recherchen griff Bernwieser nach eigenen Angaben auf drei Quellen zurück: Auf Familienbücher von 350 Bauernhöfen, Karten des bayerischen Urkatasters und Berichte der Ortsgeistlichen. Die schlummerten bislang im Archiv der Erzdiözese München und Freising.

„Schon im 19. Jahrhunderts gab es Aufreger, die heute noch aktuell sind“, berichtete Bernwieser mit einem Lächeln. So hätte beispielsweise ein Pfarrer in seinem Bericht moniert, dass die Jugend lieber ins Wirtshaus als zum sonntäglichen Gottesdienst gehe. „Manches“, so der Historiker, „ändert sich dann doch nicht.“ (dor)

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