Erziehungsmaßnahme für hochschwangere Ladendiebin

Eurasburg/Wolfratshausen - Wenn Jugendliche Mist bauen und vor Gericht landen, steht bei der Urteilsfindung stets der erzieherische Aspekt im Vordergrund. Dabei zeigen sich Richter und Gerichtshelfer mitunter recht einfallsreich, wie der Fall einer 18-jährigen Eurasburgerin beweist.

Die inzwischen hochschwangere junge Frau hatte Anfang November vergangenen Jahres in einem Geretsrieder Kaufhaus ein Fläschchen Nagellack und ein Haarfärbemittel in Wert von acht Euro ohne zu Bezahlen mitgehen lassen. „Das war echt nicht schön“, räumte die Ladendiebin jetzt vor dem Wolfratshauser Amtsgericht ein. Sie sei jedoch von ihrer Cousine dazu angestachelt worden. „Die hat gesagt, das merkt schon keiner“, erklärte die 18-Jährige. „Sie wollte die Sachen ja haben. Aber ich habe sie genommen und in ihre Handtasche gesteckt, weil sie Angst hatte, es selbst zu tun.“ Warum sie sich dazu hinreißen ließ, konnte sie auch im Nachhinein nicht erklären.

Was tun mit der Ladendiebin? Jugendgerichtshelferin Marianne Stöger unterbreitete dem Gericht einen interessanten Vorschlag. Sie empfahl, das Verfahren einzustellen und der jungen Frau als Auflage drei Gespräche mit einer staatlich anerkannten Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen aufzuerlegen. Dort muss sie sich nun bis spätestens 1. Mai umfassend über allgemeine Hilfen, finanzielle Zuschüsse und andere Möglichkeiten in ihrer Situation informieren. „Sie ist hochschwanger und alleinerziehend. Der Bedarf dafür ist da“, begründete Stöger ihren Vorschlag, mit dem sich Richter Lupperger ebenso anfreunden konnte wie die Vertreterin der Staatsanwaltschaft.

(rs)

Auch interessant

Kommentare