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Mit illegalen Böllern erwischt

18-Jähriger will lieber Arrest statt Sozialstunden

Eurasburg - Er kaufte bei einem Tschechien-Trip illegale Böller und zündeten sie mit seinen Spezln. Deswegen musste sich ein 18-Jähriger vor Gericht verantworten.

Bei einem Tschechien-Trip im August vorigen Jahres kauften ein 18-jähriger Eurasburger und seine zwei Freunde in einem Asia-Markt ein Dutzend Knallkörper. Auf der Heimfahrt am 25. August legte das Trio kurz hinter dem Grenzübergang bei Waidhaus eine Rast ein und jagte neun der Böller, die kein CE-Zeichen tragen und deshalb in Deutschland verboten sind, nahe einer Autobahnbrücke in die Luft.

Nun musste sich der Eurasburger wegen Einfuhr explosionsgefährlicher Stoffe und Umgang mit diesen vor dem Jugendrichter verantworten. Seine jugendlichen Begleiter hatten ihre Verhandlungen bereits hinter sich, ihre Verfahren waren gegen die Leistung von Sozialstunden eingestellt worden. So wäre das Gericht womöglich auch mit der Anklage gegen den 18-Jährigen verfahren, doch es kam anders. Der Schüler muss für ein Wochenende in den Jugendarrest – und das quasi auf eigenen Wunsch.

Die Sache selbst leugnete der junge Mann nicht, wenngleich er darauf hinwies, persönlich keinen Böller angezündet zu haben. Das Ganze sei ein Versehen gewesen. „Auf der Rückfahrt sind wir kurz am Straßenrand stehen geblieben. Wir dachten, wir wären noch in Tschechien, dort sind sie nicht so streng. Wir wollten die Böller ja nicht mit nach Deutschland nehmen“, erklärte der Angeklagte. 

Jugendrichter Urs Wäckerlin nahm ihm das „Versehen“ nicht ab. „Ich tue mich schwer, zu glauben, dass Sie die Grenze nicht wahrgenommen haben – noch dazu, wenn Sie gefahren sind“, entgegnete er dem Heranwachsenden. Dass der 18-Jährige nicht so glimpflich davonkam wie seine Freunde, hatte mehrere Gründe. Zum einen sind bereits zwei Verfahren gegen ihn eingestellt worden. Bei seiner jüngsten Verhandlung im Frühjahr dieses Jahres musste er im Gegenzug 16 Sozialstunden ableisten. Die haben ihm offenbar schwer zugesetzt, weshalb er beim Jugendgerichtshelfer angefragt hatte, ob er Sozialstunden auch ablehnen könne. „Das letzte Mal hat mir schon gereicht, wenn es wieder übertrieben viele Stunden sind, will ich sie nicht machen“, so der Angeklagte. „Ich stelle ja auch nichts mehr an.“

Allerdings wird er womöglich in Kürze erneut beim Jugendrichter erscheinen müssen, weil ein weiteres Verfahren anhängig ist, wie der Jugendgerichtshelfer in Erfahrung gebracht hatte. „Ich verstehe die Sache mit den gefährlichen Böllern nicht. Das ist Sprengstoff, mehr oder weniger. Jedes Jahr am 2. Januar liest man, was sie anrichten“, hielt Andreas Dlugosch dem Sohn eines Polizisten vor und empfahl als erzieherische Maßnahme gegen den Sozialdienstverweigerer gleich einen Arrest zu verhängen.

Richter Wäckerlin verurteilte den Angeklagten schließlich zu einem Wochenende, von Samstag bis Montagfrüh, in der Arrestanstalt. „Es ist Ihre Entscheidung, ich mische mich da nicht ein. Wenn Sie lieber Arrest wollen, hab ich damit kein Problem. Ich muss ihn ja nicht absitzen“, so Wäckerlin in seiner Urteilsbegründung. Dem 18-Jährigen empfahl er, „ein bisschen zurückzufahren“ und dafür zu sorgen, „dass wir uns in Zukunft hier nicht mehr sehen.“

von Rudi Stallein

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