1,55 Promille hatte der Eurasburger, als ihn die Polizei zuhause antraf.
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1,55 Promille hatte der Eurasburger, als ihn die Polizei zuhause antraf. (Symbolfoto=

Fünf, sechs Bier und Wodka

Schlenker gefahren: Nachtrunk soll für 1,55 Promille gesorgt haben

  • vonRudi Stallein
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Nach einer turbulenten Fahrt traf die Polizei einen Eurasburger vor dessen Haus an - neben sich zwei leere und eine angetrunkene Flasche Bier. Seine Erklärung überzeugt vor Gericht nicht.

Eurasburg/Wolfratshausen – Am 25. September vergangenen Jahres schlingerte ein Auto auf der Königsdorfer Straße in Wolfratshausen. Wenig später steuerte das Fahrzeug auf der Pfaffenrieder Straße auf eine Verkehrsinsel zu, ehe es in den Kreisverkehr rollte und einem anderen Auto die Vorfahrt nahm. Das berichtete ein Zeuge der Wolfratshauser Polizei kurz nach 20 Uhr.

Als eine Streife eine halbe Stunde später bei der Wohnadresse des Fahrzeughalters in Eurasburg eintraf, saß dieser vor dem Haus auf der Treppe – neben sich zwei leere und eine halbvolle Flasche Bier. Ein Alkoholtest ergab einen Wert von 1,55 Promille.

Nun musste sich der Eurasburger (30) wegen fahrlässiger Trunkenheit vor Gericht verantworten. Dort machte der Wirtschaftsprüfer einen sogenannten Nachtrunk für den hohen Promillepegel verantwortlich. Den ganzen Tag über habe er überhaupt keinen Alkohol konsumiert. Um 20 Uhr sei er nach Wolfratshausen zur Tankstelle gefahren, um Zigaretten zu kaufen. Gegen 20.10 Uhr sei er wieder zu Hause gewesen. Dort habe er während eines Telefonats mit seiner Mutter fünf, sechs Bier und circa 350 Milliliter Wodka getrunken. Dies begründete der Eurasburger mit der Sorge um seinen kranken Vater.

Die Überwachungskameras der Tankstelle hatten den Vorgang aus drei verschiedenen Perspektiven festgehalten. Die Videos zeigten, dass der Mann zwei Flaschen Bier bezahlt hatte. Von Zigaretten war nichts zu sehen. Dafür sah man deutlich, wie der Mercedes beim Einfahren in die B11 driftete. Die weitere Fahrt beschrieb noch einmal der Zeuge, der dem Mercedes auf der Pfaffenrieder Straße ein Stück gefolgt war, ehe er die Polizei informiert hatte.

Ein Gutachter erklärte, dass die vom Angeklagten in der Verhandlung gemachten Angaben zum Trinkverhalten „nicht plausibel“ seien. Dann hätte die Blutprobe mehr als 3,3 Promille ergeben müssen. Unter der Annahme, dass der Mann in der verbleibenden halben Stunde bis die Polizei bei ihm eintraf, tatsächlich noch drei Flaschen Bier konsumiert hatte, verblieben zur Tatzeit 0,66 Promille. Damit sei sein Mandant im Bereich einer „relativen Fahruntüchtigkeit“, sagte der Verteidiger. Die angeblichen Schlenker hätten auch andere Ursachen, etwa Telefonieren, haben können. Somit bewege man sich im Rahmen einer Ordnungswidrigkeit.

Das sah das Gericht anders. In der „Gesamtschau“ habe „zweifelsfrei eine alkoholbedingte Fahruntauglichkeit vorgelegen, die nicht als Ordnungswidrigkeit behandelt werden kann“, betonte Richter Helmut Berger in seiner Urteilsbegründung. Das Gericht verurteilte den Eurasburger zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 45 Euro, insgesamt 4050 Euro. Zudem darf dem Mann vor Ablauf von noch neun Monaten keine neue Fahrerlaubnis erteilt werden. rst

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