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Idyllisch liegt der Eurasburger Ortsteil Bruggen am Loisach-Isar-Kanal. Nun will die Gemeinde dort bezahlbaren Wohnraum schaffen. Dazu sollen das alte Schleusenwärterhaus (Mi.) und das rechts oberhalb stehende Haus abgerissen werden.

Neubaupläne in Bruggen 

Abschied vom Häuschen im Grünen

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Die Gemeinde Eurasburg will mit einer Wohnanlage in Bruggen ihrer Verantwortung nachkommen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Der erste Vorentwurf, der in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend vorgestellt wurde, erhitzte die Gemüter.

Eurasburg Vor zwei Jahren hatte die Gemeinde im Ortsteil Bruggen ein 2000 Quadratmeter großes Grundstück erworben. Im März 2016 beschloss der Gemeinderat, ein Architekturbüro zu beauftragen, sich Gedanken zu machen, wie man das Gelände unter Berücksichtigung der Richtlinien für „geförderten Wohnungsbau“ und wirtschaftlichen Aspekten optimal nutzen könne. In der Sitzung am Dienstagabend präsentierten die Murnauer Architekten Onni Rebholz und Marcus Kottermair ihren Vorschlag den Ratsmitgliedern und der Öffentlichkeit.

Das Modell sieht auf dem Hanggrundstück am Loisach-Isar-Kanal – derzeit stehen dort ein marodes Schleusenwärterhäuschen und ein Schober – zwei höhenreduzierte Gebäude vor: einen langgestreckten, schlanken Baukörper mit sechs Wohneinheiten (Zwei- und DreiZimmer-Wohnungen) sowie etwas versetzt darüber ein kleineres Gebäude mit zwei Vier-Zimmer-Wohnungen. „Das Ganze ist als Massivbau geplant“, erläuterte Rebholz. Das Erdgeschoss wird verputzt, das Obergeschoss mit Holz verkleidet, darüber stülpt sich ein Pfettendachstuhl. Zudem sind Carports für acht Fahrzeuge und freie Stellplätze vorgesehen. Die Kosten belaufen sich nach derzeitiger Schätzung auf zwei Millionen Euro. Baubeginn könnte im Frühjahr 2019 sein, Fertigstellung 2020.

Der Vorentwurf lieferte viel Diskussionsstoff. „Einigermaßen zufrieden mit dem ersten Entwurf“ zeigte sich Ralf Reichenberg. Marcus Fichtner monierte die Maße des unteren Baukörpers: „20 Meter – das ist für Bruggen zu monströs, im Vergleich zur Umgebung.“ „Wir sollten überlegen, was für den Ortsteil passt“, meinte Bernhard Bromberger. „Wenn sich durch eine Wohnanlage die Einwohnerzahl verdoppelt, finde ich das zu viel.“ Hubert Zwick regte an, auszuloten: „Wie viel kleiner geht’s, ohne aus den Förderrichtlinien zu fallen.“

Für eine weitere Planung auf Basis des vorgestellten Modells sprach sich Alexander Sebald aus: „Ich bin positiv überrascht, was da geplant worden ist. Das ist das, was wir in Auftrag gegeben haben.“ Hinsichtlich der Objektgröße stellte Klaus Koch fest: „Wir werden nicht drum herum kommen, uns von der Idee vom Häuschen im Grünen zu verabschieden. Ich finde die Linie richtig und für die Gemeinde einen Gewinn.“

Das Modell der Architekten Onni Rebholz und Marcus Kottermair zeigt, wie die neue Wohnbebauung aussehen soll. Anwohnern ist die Planung zu massiv.

Dass das Grundstück am Uferweg womöglich nicht ideal sei, räumte Peter Goepfert ein, aber der große Bau schrecke ihn nicht. „Ich würde alle ermutigen, die Steilvorlage, die wir da haben, auszubauen. Aber die Brugger müssen auch zufrieden sein.“ Einigkeit herrschte im Ziel, den geförderten Wohnungsbau weiter voranzutreiben. „Wir sollten einfach über den Vorentwurf abstimmen“, drängte Stefan Bauer auf eine Entscheidung, nachdem die Runde eine gute Stunde diskutiert hatte. Mit elf zu fünf stimmte der Gemeinderat für den Entwurf und erteilte dem Architektenteam den Auftrag, das Modell unter Berücksichtigung der eingebrachten Bedenken und Anregungen weiterzuentwickeln.

Am Ende der Sitzung konnten sich unter dem Punkt Verschiedenes, bei dem normalerweise eher nachrangige Themen und Termine abgehandelt werden, ausnahmsweise die anwesenden Brugger zu Wort melden. Bei denen hatte sich einiger Ärger über die Entscheidung des Gemeinderats angestaut. „Ich hab’ normalerweise niedrigen Blutdruck. Aber jetzt zerreißt’s mich fast“, ereiferte sich eine Anwohnerin des Uferwegs. „Ich find’s allerhand, dass uns das vorgesetzt wird. Die Gebäude da hinzusetzen, finde ich den Gipfel.“ Sie war hörbar nicht die einzige, die in dem Moment so empfand.

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