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Abschied nach 36 Jahren: Rolf Merten, Mitbegründer der Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe, geht in den Ruhestand. Neben ihm seine Ehefrau Monika Hörr-Merten.

mitbegründer in den ruhestand verabschiedet 

Abschied von einem Synonym fürs Inselhaus

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Rolf Merten hat die Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe mitbegründet und geprägt. Nach 36 Jahen verabschiedet er sich in den Ruhestand.

Beuerberg – Wegbegleiter und Laudatoren – unter ihnen Landrat Josef Niedermaier, sein Stellverterter Klaus Koch, Martin Bachhuber sowie eine ganze Reihe an Freunden und Kollegen – waren sich einig: Mit Rolf Merten, Mitbegründer der Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe, wird nach 36 Jahren ein Mensch verabschiedet, der nicht nur Visionen hatte, sondern diese auch in die Realität umzusetzen wusste.

Die Da-Heim-Erziehung in Erziehungsstellen, wo Kinder in eigens geschulten Familien betreut werden, die tiergestützte Pädagogik oder die Entwicklung des Sozialraum-Konzepts – das alles geht auf Merten zurück. „Wo er anpackte, ging etwas vorwärts“, beschrieb Catherine Kemeny, Gesellschafterin der Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe und Tochter der Mitbegründerin Dörte Sambraus, den Eurasburger in der Feierstunde am Freitag im Gasthaus zur Mühle in Beuerberg. „Du bist wie eine mittlere Erdplattenverschiebung – aber ohne katastrophale Folgen.“ Eurasburgs Altbürgermeister Michael Bromberger wurde unter dem Gelächter der rund 180 Gäste deutlicher: „Du hast eine unglaubliche Begabung, an das Geld und die Arbeitskraft anderer Leute zu kommen.“

„Er ist ein wandelndes Deonym“

Merten prägte die Organisation wie kein anderer. „Er ist ein wandelndes Deonym – das ist, wenn jemand ,Tesa‘ sagt und damit ein Klebeband meint, oder ,Tempo‘ für ein Taschentuch“, verdeutlichte Bachhuber. „Und der Name ,Merten‘ ist ein anderer Ausdruck für Inselhaus.“ Dabei waren die Anfänge nicht einfach: „A Zuagroaster, der an abgelegener Stelle dauerhaft Kinder unterbringen wollte – ob das gutgeht?“ Es ging, auch weil Merten und seine Frau Monika Hörr-Merten immer bereit waren, ihre Ideale jederzeit vorzuleben.

Die größte Ambition für die Gründer der Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe, – Merten, Dörte Sambraus, Barbara Vorsteher und Susanne Czaja – war, sich für die Humanisierung stark zu machen. „Ein Thema, das auch heute noch aktuell ist. Denn Humanisierung“, so Merten mit Nachdruck, „ist nicht durch einen einmaligen Akt zu erlangen, sondern muss immer wieder gesichert werden.“ Gerade in der Jugendhilfe taucht immer wieder die Frage auf, ob Professionalität nicht im Widerspruch zur Menschlichkeit stehe. „Wir müssen der ökonomischen Dominanz entgegen treten. Ebenso gilt es, die Inklusion voranzutreiben.“ So müssen täglich neun Kinder des Inselhauses mit dem Bus von Lengenwies in den Nachbarlandkreis nach Schongau in eine sogenannte E-Schule fahren, eine Schule, die ihren Schwerpunkt auf emotionale und soziale Entwicklung legt. „Das sind unvertretbar lange Fahrzeiten.“

„Der Gratulant“ geht an Merten

Die Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe versucht auch andere für ihre Ideen zu begeistern und verleiht seit 21 Jahren an Personen, Firmen oder Einrichtungen, die sich über das normale Maß hinaus für Kinder und Jugendliche engagieren, den „Dörte-Sambraus-Preis“. Symbolfigur dafür ist „Der Gratulant“: eine kleine Bronzeplastik, die einst die Künstlerin Elisabeth Kronseder geschaffen hat. „Und jetzt, lieber Rolf“, begann Stefanie Varena-Hermann, Enkelin der Künstlerin und Erbin des künstlerischen Nachlasses, „vermachen wir Dir alle Rechte für den Abguss der Figur.“ Varena-Hermann stutzte kurz – und sagte an das Publikum gewandt: „Er sieht sehr schön aus – engagieren sie sich also, dann haben auch sie die Chance, ihn zu bekommen.“

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