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Damit Apotheken überleben können, sind sie auf Stammkunden angewiesen. Auf dem Land bieten immer mehr Pharmazeuten einen Lieferservice an.

Auch die Eurasburger Apotheke sperrt zu

Apotheken-Sterben: Die Dörfer haben das Nachsehen

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Eurasburg wird künftig ohne Apotheke auskommen müssen. Überhaupt steht es mit der Versorgung der Dörfer mit Medikamenten nicht zum Besten. Da ist Improvisationstalent gefragt.

Die Liste an Dörfern im Nordlandkreis, in denen es keine Apotheke (mehr) gibt, ist lang. Ickinger, Dietramszeller, und Eglinger können nicht einfach kurz ums Eck gehen, um sich Medikamente zu besorgen. Jetzt ist als vierte Gemeinde Eurasburg hinzugekommen. In die alte Apotheke kommt keine neue, sondern eine Wohnung. Den Antrag hat der Gemeinderat kürzlich gebilligt. Das war es mit der Vorort-Versorgung.

Apothekensprecher Helmut Ratzeck aus Lenggries sieht die Entwicklung mit großer Sorge. „Es ist entsetzlich“, sagt er. Der Fall Eurasburg sei ein weiteres Kapitel im großen Apothekensterben, das im vollen Gange ist. Die Gründe dafür, dass eine Apotheke nach der anderen verschwindet, liege bei der Konkurrenz im Internet. Viele Kunden würden lieber zu günstigeren Preisen bestellen, als zur nächsten Apotheke zu gehen. „Diese Entwicklung macht uns das Leben extrem schwer.“ Ganz verstehen kann er das Verhalten der Kunden nicht. Denn: Das Bewusstsein für lokale und regionale Wertschöpfung sei inzwischen verbreitet, die Landwirtschaft mache es vor. „Für Fleisch aus der näheren Umgebung geben die Leute gerne mehr Geld aus“, sagt Ratzeck. Bei Medikamenten sei das nicht der Fall – leider.

Es ist nicht unbedingt lukrativ, eine Apotheke auf dem Land zu betreiben. Es rentiert sich nur, wenn die Kunden ihren sämtlichen Bedarf vor Ort decken. „Wir leben von der Dauer-Medikation“, sagt Ratzeck. Hin und wieder ein Packerl Schmerzmittel zu verkaufen, reiche nicht für das wirtschaftliche Überleben. Er wünscht sich, dass die Kunden schätzen, was ein Apotheker alles umsonst macht: von der Beratung bis zur Herstellung spezieller Rezepturen. „Ich kann nur an die Vernunft und den Gemeinsinn appellieren.“

Wenn die Apotheke aus dem Dorf verschwindet, stellt das junge Leute selten vor gravierende Probleme. Sie sind mobil und können mit dem Auto in die nächste Ortschaft fahren, etwa von Dietramszell nach Bad Tölz, von Eurasburg nach Wolfratshausen, von Icking nach Ebenhausen und von Deining nach Straßlach. Aber was ist mit Senioren, die nicht mobil sind?

Hermann Lappus, Vorsitzender des Seniorenbeirats, sieht die Apotheken in der Pflicht, mit der Zeit zu gehen. Lappus, der in den 1950er-Jahren in Holzkirchen aufgewachsen ist, erinnert sich, wie einmal am Tag der Bäcker die Semmeln vorbeigebracht hat und der Metzger zweimal pro Woche das frische Fleisch. „In diese Richtung sollte es gehen“, findet er. Apotheker, die nichts tun als auf Kunden zu warten, würden die Zeichen der Zeit nicht erkennen. Raus zu den Kunden: Das sei der richtige Weg. Mit dieser Forderung rennt Lappus offene Türen ein. Die Apotheken haben die Lieferung von Medikamenten längst zum Standard gemacht. Von Wolfratshausen und Geretsried, wo es eine hohe Apothekendichte gibt, fahren Kuriere in die umliegenden Orte und versorgen die Bevölkerung mit den nötigen Pillen. In Eurasburg hat man sich damit beholfen, dass die Ärzte die Rezepte teilweise direkt in die jeweilige Apotheke faxen, von wo aus dann geliefert wird. Auch Helmut Ratzeck schickt von seiner Kur-Apotheke Kuriere zu den Bürgern. In den Flächengemeinden kommen da viele Kilometer zusammen. „Wir verlangen dafür keinen Cent zusätzlich“, sagt Ratzeck. Anders als in Amerika etwa, wo pro Lieferung drei Dollar verlangt werden.

Prächtig funktioniert die Versorgung auch in Dietramszell. „Fast besser als je zuvor“, sagt Waltraud Bauhof, langjährige Seniorenreferentin und Vorsitzende des Sozialnetzes „Miteinander Füreinander“. Und das, obwohl die Apotheke, die es früher im Kloster gab, schon seit vielen Jahren der Vergangenheit angehört. Der Trick: Die Patienten der ansässigen Hausärztin Claudia Norzel werfen ihre Rezepte in einen Briefkasten vor der Praxis ein. Dieser wird von Apotheken im Umkreis geleert, und die Patienten prompt mit den Rezepten beliefert. „Wir haben hier eine gute Lösung gefunden“, sagt Bauhof. Man muss sich zu helfen wissen.

vu

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