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Wie der Koffer eines gebrechlichen Patienten verschwinden konnte, ist der Klinik ein Rätsel. Ersetzen will sie ihn aber nicht. 

Eurasburger spricht von „Herzlosigkeit“

Koffer eines Rentners (83) verschwindet - Klinik ersetzt ihn nicht

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Bei der Einlieferung in die Tölzer Asklepios Klinik ist der Koffer eines Rentners (83) spurlos verschwunden. Die Klinik ersetzt ihn nicht - aus einem ganz bestimmten Grund.

Eurasburg/BadTölz – Er beklagt weniger den materiellen Verlust als eine „Herzlosigkeit“, die aus seiner Sicht „ein Skandal“ ist: Werner Hüttner aus Eurasburg ärgert sich über das Gebaren der Asklepios-Stadtklinik in Bad Tölz. Der Grund: Als vor einigen Wochen sein Schwiegervater ins Krankenhaus eingeliefert wurde, verschwand unter ungeklärten Umständen dessen Koffer. Die Krankenhausverwaltung weist jede Verantwortung von sich und erklärt, jeder Patient sei selbst für die Beaufsichtigung seines Gepäcks zuständig. Das empört Hüttner. Denn sein Schwiegervater ist 83 Jahre alt und ein Pflegefall.

„Mein Schwiegervater hat die Pflegestufe 4 und wurde vom BRK liegend angeliefert“, schildert Hüttner das Geschehen, das sich bereits Ende März abspielte. Als Gepäck hatte der Rentner demzufolge einen blauen Plastikkoffer dabei. „Gleich bei der Einlieferung wurde er umgekleidet“, so Hüttner. „Später stellte es sich heraus, dass sein Gepäck unauffindbar war. Merkwürdigerweise wurden dann doch noch seine orthopädischen Schuhe, Socken und eine Trainingshose sowie eine Fleecemütze, die ihm nicht gehörte, in einer Plastiktüte aufgefunden und in sein Krankenzimmer gebracht. Das übrige Gepäck blieb verschollen.“

Der Patient muss auf sein Gepäck selbst aufpassen

Hüttner meldete der Klinikverwaltung den Verlust und bat um einen Ersatz dessen, was am dringendsten neu gekauft werden musste: des Rasierapparats und der Lesebrille (Wert: 20 Euro). Die abschlägige Antwort machte ihn nach eigenen Angaben „fassungslos“: Die Eigenverantwortung für mitgebrachtes Gepäck obliege dem Patienten, eine Erstattung leiste die Klinik nur dann, wenn dem Klinikpersonal ein schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werde – was hier nicht der Fall sei. Werner Hüttner klagt nun an: „Es kann doch nicht sein, dass die Verantwortung für die ordnungsgemäße Aufnahme des Patientengepäcks einem alten, pflegebedürftigen Mann aufgebürdet wird, der nicht einmal in der Lage ist, sich selbst anzukleiden.“

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Auf Anfrage unserer Zeitung bleibt die Asklepios-Stadtklinik bei ihrer Haltung. Die verlorenen Gegenstände könnten nicht ersetzt werden. Das Prinzip, dass mitgeführtes Gepäck in der Obhut des Patienten selbst verbleibe, sei „unumgänglich“, erklärt Pressesprecher Christopher Horn. Seine Begründung: „Zum einen gilt unsere Aufmerksamkeit der Gesundheit des Patienten, und zum anderen stehen uns mündige Patienten gegenüber, die auch während des Aufenthalts bei uns ihre Eigenverantwortung, zum Beispiel für mitgebrachte Gegenstände, behalten.“

Zum konkreten Fall sagt Horn, dass der Verlust des Koffers „sehr bedauerlich“ sei und der Unmut der Familie „vor dem Hintergrund dieses besonderen Falls“ verständlich. „Wir haben, nachdem uns der Verlust bekannt geworden ist, an diversen Stellen der Klinik gesucht“, versichert der Sprecher. „Wir bedauern, dass unser Bemühen, den Koffer wiederzufinden, erfolglos geblieben ist und unsere Antworten als herzlos empfunden werden.“

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Allerdings könne der Verlust von Gegenständen „in einem so komplexen Konstrukt wie einem Krankenhaus“ nie ausgeschlossen werden. Die Klinik habe aber „ein Verfahren etabliert, das den Besitz von Patienten möglichst schützt“. So würden mitgebrachtes Gepäck und Kleidungsstücke mit einem Etikett mit dem Namen des Patienten versehen. Die Patienten würden gebeten, keine Wertgegenstände mit in die Klinik zu nehmen beziehungsweise diese ihren Angehörigen mitzugeben. Des Weiteren biete das Krankenhaus die Möglichkeit an, Wertgegenstände gegen Quittung im Patientenservice sicher verwahren zu lassen.

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