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Große Anteilnahme: Zur Urnenbeisetzung des verstorbenen Bildhauers und Wahl-Eurasburgers Hans Kastler auf dem Friedhof in Berg kamen viele Trauergäste. Seit 1969 hatte Kastler in Happerg gelebt.

„Deine Lebenszeit ist verwirkt, Deine Kunst wird bleiben“

200 Trauergäste nehmen Abschied von Hans Kastler

Eurasburg - Rund 200 Gäste haben dem Künstler Hans Kastler bei dessen Urnenbeisetzung am Freitagnachmittag auf dem Friedhof in Berg die letzte Ehre erwiesen.

Die kleine Friedhofskirche reichte nicht aus, um allen Verwandten, Freunden, Bekannten und künstlerischen Weggefährten des im Alter von 85 Jahren verstorbenen Künstlers Platz zu bieten. Einige Trauergäste mussten draußen zuhören, als Pfarrer Martin Kirchbichler Kastlers schaffensreiches Leben Revue passieren ließ. Er spannte den Bogen von dem zwölfjährigen Ministranten, der beim Kripperlschnitzen seine Kreativität entdeckte und wenige Jahre später von seiner Tante ermutigt wurde, die Schnitzerschule in Hallein zu besuchern. Von dort führte der Weg des jungen Künstlers nach München, später hinterließ er seine Spuren in aller Welt. Seit 1969 lebte er mit seiner Ehefrau Renate in seinem Haus im Eurasburger Ortsteil Happerg. Seit einem Schlaganfall im Jahr 2014 wohnte Kastler in einem Seniorenzentrum in Benediktbeuern. „Er war ein ganz besonderer Mensch, der ausschließlich für seine Kunst gelebt hat“, sagte Kirchbichler. „Aber er suchte bei seinen täglichen Spaziergängen zur Maria-Dank-Kapelle auch das Gespräch mit Radlern und Spaziergängern, und hatte zu jedem Kunstwerk eine passende Anekdote parat.“

Landrat Josef Niedermaier würdigte den Bildhauer als „einen ganz besonderen Mitbürger, der ganz, ganz große Wertschätzung genossen hat, nicht nur wegen seines Werks, sondern auch als Mensch“. Wer mit offenen Augen durch den Landkreis gehe, entdecke an vielen Orten Werke des Eurasburgers, auch im Büro des Landrats, das ein kleiner Gorilla schmückt, das wohl bekannteste Werk Kastlers.

Ein solcher Affe stehe auch in Haar, auf einem Hügel weithin sichtbar, verriet Peter Grassinger. „Er ist seit vielen Jahren der Treffpunkt der Liebespaare, aber auch der Kinder, die im Winter mit ihren Schlitten vom Affen absausen. Sie sind für mich lebendige Erinnerung daran, dass auch Du gedanklich immer jung geblieben bist“, sagte der Ex-Vorstand des Münchner Künstlerhauses und der Künstlergesellschaft Allotria, der auch Kastler angehörte.

Bürgermeister Moritz Sappl verabschiedete sich im Namen der Gemeinde Eurasburg von einem herausragenden Künstler, der es geschafft habe, mit seiner Kunst zu begeistern, aber auch Laien seine Arbeiten näherzubringen. „Deine irdische Lebenszeit ist verwirkt, aber Deine Kunst wird bleiben“, sagte Sappl, der mit Kastler kurz vor dessen Tod „einen Vertrag für die Ewigkeit“ abgeschlossen hatte. Der Erhalt der Kunstmeile in Happerg ist für die nächsten 99 Jahre sichergestellt.

Kastler im Künstlerhaus

Zum Tode Hans Kastlers findet vom 9. bis zum 19. Oktober im Münchner Künstlerhauses am Lenbachplatz eine Sonderausstellung mit Werken des Künstlers statt. Im Rahmen der Ausstellung (täglich von 12 bis 19 Uhr) können zahlreiche Plastiken aus dem Nachlass erworben werben.

rs

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