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Gegen den Feiertagsstress

Besinnliche Weihnachten: Eurasburger Psychologe gibt Tipps für das Fest

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Weihnachten ist oft nicht nur ein Fest der Freude. In vielen Familien führen die Feiertage auch zu Konflikten. Warum das so ist und wie man sich gegen den Stress wappnen kann, erklärt Psychologe Rolf Merten.

Eurasburg – Weihnachten fällt in diesem Jahr so günstig, dass den Familien vier freie Tage am Stück ins Haus stehen. Oder sollte man sagen: ungünstig? Denn das Fest der Harmonie steht in dem Ruf, nicht selten unharmonisch zu enden. Warum das so ist und wie man sich gegen den Feiertagsstress innerhalb der Familie wappnen kann, darüber sprach Redakteur Peter Borchers mit dem Eurasburger Diplom-Psychologen Rolf Merten.

Herr Merten, warum brechen in den Familien gerade an den Weihnachtstagen oft Konflikte auf?

Zum einen weil dieses Fest emotional so aufgeladen ist wie kein anderes. Viele Menschen haben angesichts des Weihnachtsfests große Erwartungen an sich und andere. Sie wünschen sich Harmonie, Ruhe und ein nettes Miteinander. Wenn dieses dann nicht in der erwarteten Weise der Fall ist, können Konflikte entstehen. Es werden aber auch aufgrund dieser Erwartungen und Sehnsüchte die bisher ungelösten Konflikte noch deutlicher spürbar. Zusätzlich gibt es viel Zeit, die die Menschen oftmals ohne eine vorgegebene feste Struktur verbringen. Auch hieraus entstehen bei einigen innere Spannungen, die zu Konflikten führen können. Ähnlich verhält es sich übrigens auch, wenn wir Urlaub haben. Auch da können wir von unserer alltäglichen Geschäftigkeit fast übergangslos in eine Strukturlosigkeit fallen – wobei das Thema Urlaub weniger emotional ist als das Weihnachtsfest.

Was kann der Einzelne tun, um es nicht zur Eskalation kommen zu lassen?

Rolf Merten: Diplom-Psychologe aus Eurasburg

Zum einen gilt es, die emotionalen Erwartungen nicht zu groß werden zu lassen. Zum anderen hilft es, sich im Vorfeld eine selbstgesetzte Struktur zu überlegen, um nicht zu sehr in eine Fremdbestimmung mit entsprechenden Empfindungen von möglicherweise Ohnmacht und zugleich Wut zu gelangen, die in der Regel die Grundlage von Konflikten darstellt. Das ist nicht immer einfach. Ein Beispiel: Ich möchte dem alleinstehenden Vater, mit dem ich nicht im besten Einvernehmen stehe, die Freude des Besuchs machen. Er hat die Erwartung, dass ich länger bleibe. Ich jedoch, um nicht wieder in Konflikte mit ihm zu geraten, begrenze diese Zeit auf einen Nachmittagskaffee. Dann kann er enttäuscht sein – ein potenzieller Streitpunkt. Es ist halt eine Illusion zu glauben, dass Weihnachten mit seiner emotionalen Aufgeladenheit eine gänzlich konfliktfreie Zone sein könnte.

Würde es helfen, innerhalb der Familie vor dem Fest abzusprechen, was jedem an Weihnachten wichtig ist und auf was jeder verzichten könnte, um den Druck aus dem Kessel zu nehmen?

Ja, das ist sinnvoll. Jeder sollte dabei neben der gemeinsam verbrachten Zeit auch seinem jeweiligen Bedürfnis nach Rückzug und Freiräumen genügend Raum geben. Wenn die eigene Toleranzfähigkeit ausreichend ist, führt das meist auch sicher nicht zu großen Streitigkeiten.

Falls das Kind in den Brunnen gefallen ist, es heftig gekracht hat: Was kann man tun, um die Situation zu entspannen?

Wenn man bemerkt, dass es in einem brodelt, sollte man sich am besten zeitweilig zurückziehen. Man sollte den Konflikt registrieren und sich überlegen, wann der richtige Zeitpunkt ist, die Thematik aufzuarbeiten. Die Festtage sind es sicher nicht, soweit es sich um Konflikte mit anderen Menschen handelt. Etwas anderes ist es, wenn ich innere Konflikte spüre, da könnte ich die freie Zeit nutzen, um mir mehr Klarheit über sie zu verschaffen.

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