Ein neuer Mobilfunkmast soll in Beuerberg in den Himmel wachsen. Dagegen wehren sich Anwohner. SymbolFoto: dpa
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Ein neuer Mobilfunkmast soll in Beuerberg in den Himmel wachsen. Dagegen wehren sich Anwohner.

Protest gegen Gemeinderatsbeschluss

Bürger wehren sich gegen Funkmast am Waldrand

  • VonRudi Stallein
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Vielen Bürgern gefällt es absolut nicht, dass am Ortsrand von Beuerberg ein Funkmast entstehen soll. Das wurde in der Gemeinderatssitzung deutlich.

Eurasburg – Ungewohnter Andrang herrschte bei der Sitzung des Eurasburger Gemeinderats am Dienstagabend. Während gewöhnlich höchstens eine Handvoll betroffener Häuslebauer ausharrt, bis über ihre Anträge entschieden worden ist, begehrten dieses Mal 31 Bürgerinnen und Bürger Einlass in den Saal des Gasthauses zur Mühle, wo die Sitzungen coronabedingt derzeit stattfinden. Da wegen der Abstandsregeln nur zehn Zuschauerstühle aufgestellt werden dürfen, verlegte Bürgermeister Moritz Sappl die Bürgerfrageviertelstunde kurzerhand ins Freie.

Bürgerfrageviertelstunde im Freien

Der Grund für den Andrang: In seiner vorletzten Sitzung hatte der Gemeinderat wie berichtet mit 9:8 Stimmen dem Standort für einen 30 Meter hohen Mobilfunkmast sein Einvernehmen erteilt. Dieser soll am Ortsrand von Beuerberg, gleich neben einer denkmalgeschützten Kapelle stehen. Diese Entscheidung sorgte bei vielen für Entrüstung. „Das geht gar nicht“, so der Tenor der am Dienstag versammelten Menschen. Sie finde es „nicht okay, dass über einen Standort so nah am Ort abgestimmt wird, ohne die Bevölkerung zu fragen“, machte Anke Müllejans ihrem Unmut Luft. Ganz abgesehen von der Verschandelung des Ortsbilds durch das Blech-Monstrum am Waldrand.

Der Rathauschef versucht zu beruhigen

Doch damit wird man wahrscheinlich leben müssen. Selbst wenn der Gemeinderat nicht zustimmt, gehe der Standort durch, erklärte Rathauschef Sappl. Denn es handle sich bei dem Funkmast um ein privilegiertes Bauvorhaben, das zudem auf staatlichem Grund errichtet werden soll. Seit im Jahr 2017 der „Mobilfunkpakt Bayern“ beschlossen worden ist, habe man in Beuerberg zwei Standortanfragen der Deutsche Funkturm GmbH abgelehnt. Zudem habe der Gemeinderat schon frühzeitig entschieden, gemeindliche Liegenschaften grundsätzlich nicht für Mobilfunkmasten zur Verfügung zu stellen, erläuterte der Bürgermeister die Strategie des Gemeinderats. Ein Standortvorschlag des Gremiums, am Burschenstadl zu Füßen des Beuerberger Skilifts, sei „aus funktechnischen Gründen nicht umsetzbar gewesen. „Dann wäre der Mast über 50 Meter hoch geworden.“

Statt sie nun vor vollendete Tatsachen zu stellen, „hätte man die Gemeinde schon 2017 mit ins Boot nehmen müssen“, monierte Josef Baur, jun., und führte als Beispiel andere Kommunen an, in denen damit bessere Lösungen und eine breitere Akzeptanz erreicht worden sei. Dass die Bürger nicht informiert worden seien, so ein weiterer Einwand aus dem Publikum, mochte Alexander Sebald nicht hinnehmen. „Es hat immer öffentlich auf der Tagesordnung gestanden“, betonte der Zweite Bürgermeister. „Aber es hat sich nie jemand dafür interessiert.“

Auch im Gemeinderat kocht das Thema noch einmal hoch

Erst nach 35 Minuten beendete Rathauschef Sappl die Bürgerfrageviertelstunde. Während draußen noch eine Weile weiter debattiert wurde, kam das Thema um kurz vor 22 Uhr auch im Saal nochmal auf den Tisch. „Der Beweis des politischen Unmuts, der durch die Gemeinde zieht, stand vorhin vor der Tür“, untermauerte Grünen-Fraktionssprecher Jakob Koch einen Antrag seiner Partei, sich weiter darum zu bemühen, den vom Gremium verabschiedeten Standort womöglich doch noch zu verhindern und vor allem für die Zukunft mehr fachliche Unterstützung zu erhalten. „Unsere Entscheidung hat die Wähler überrumpelt“, so Koch. Er plädierte dafür, „mit aller Kraft diesen Prozess noch aufzuhalten, selbst wenn die Tür nur noch einen Spalt weit offen ist.“

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Bürgermeister Sappl hatte mehrfach betont, er sehe die einzige Chance darin, den Mast „so weit wie möglich an den Wald zu schieben – mehr geht nicht.“ Ralf Reichenberg gab zu bedenken: „Wenn wir erst zustimmen und jetzt wieder verschieben wollen, nehmen die uns doch nicht mehr ernst.“ Dritter Bürgermeister Hubert Zwick bat darum, „das, was von den Bürgern aufgeschrieben worden ist, mit in die Gespräche zu nehmen“. Die Standortgegner hatte ihre Bedenken, Ängste und Einwände in einer Liste zusammentragen, die Josef Baur anschließend am Ende der Sitzung an den Bürgermeister übergab.

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