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Spaß im Sonnenschein: Der Beuerberger Skilift hat wieder geöffnet. Er ist besonders beliebt bei Familien mit Kindern.

Erste Abenteuer auf den Brettern

Beuerberger Skilift: So war das erste Wochenende der Saison

  • Sebastian Dorn
    vonSebastian Dorn
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Seit 48 Jahren betreibt Familie Mannheim den Beuerberger Skilift und ermöglicht so vielenKindern erste Abfahrtsabenteuer. Am Wochenende hat die Saison wieder begonnen.

Beuerberg – Der Mann am Schlepplift hat nicht viel Zeit. Alle acht Sekunden ploppt ein orangefarbener Anker durchs Eisengestell, im Hintergrund wummert der Antriebsmotor der Anlage. „Wichtig ist, dass alle sicher ankommen, aber es soll auch vorangehen“, sagt der Mitarbeiter. Er zieht jeden Bügel straff, drückt die Kinder am Rücken sanft in die richtige Sitzposition, dann gibt’s einen kleinen Ruck und es geht den Hang hinauf. „Endlich haben wir Skiwetter“, sagt der Mitarbeiter, rückt seine Mütze gerade und greift nach dem nächsten Bügel. „Und was für ein schönes.“

Zum Auftakt ist so viel los, dass sogar Getränke ausgehen

Es ist Samstagnachmittag, kurz nach 14 Uhr, die Sonne scheint. Die Skisaison hat erst vor ein paar Stunden begonnen, und doch ist

der Andrang riesig. Die Schlange am Lifthäuschen misst bestimmt 15 Meter, Kinder und Erwachsene drängeln um einen Zaun herum zum nächsten Abfahrtsabenteuer.

Otto Mannheim (82) und Ehefrau Inge (77) haben den Lift im Jahr 1970 eröffnet. Seit 48 Jahren hilft die ganze Familie nun schon mit, wenn genug Schnee liegt für den Skispaß. Selbst Hündin Kira wuselt heute mit durch den Schnee.

Inge Mannheim sitzt gerade im Kiosk. Das Kassenhäuschen ist gut geheizt, neben ihr dampft ein Topf mit Tee. „Kalt bleiben muss es jetzt eine Zeit lang, dann hält die Piste, dann könnt’ was gehen“, sagt sie. Die vorherige Saison habe es nur acht Skitage gegeben, heuer werde es hoffentlich besser. Der Auftakt, wenn auch etwas spät in der Saison, glückt jedenfalls.

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Immer wieder schiebt Inge Mannheim die Luke über der Kasse auf, wenn draußen jemand mit einem Zehn-Euro-Schein wedelt. Kalte Luft strömt dann hinein. „Am beliebtesten sind noch immer die Punktekarten“, sagt Inge Mannheim. Zehn Fahrten kosten für Kinder sieben Euro, Erwachsene zahlen acht. Diese Preise sind schon seit einigen Jahren konstant.

Ein paar Meter weiter zwickt eine Mitarbeiterin pro Fahrt jeweils ein Loch in die Punktekarte; die Schnipsel fallen wie kleine bunte Schneeflocken zwischen den Skiern hindurch auf den eisigen Boden. Ein bisschen altmodisch wirkt das im Vergleich zu den Hightech-Skigebieten mit Induktionsschranken, Gratis-WLAN und Sitzheizung im Sesselift, aber das macht gerade den Charme des Beuerberger Skilifts aus. Mal ehrlich: Wer braucht den Schnickschnack schon? Hier geht’s nicht um die rasante Abfahrt auf der schwarzen Piste, sondern die ersten Rutscherlebnisse für Kinder und Anfänger. Um Familienspaß. Auch aus München fahren die Brettlfans dafür nach Beuerberg, darauf deuten zumindest die Autokennzeichen am Parkplatz hin.

Bitte anstellen: Claudia Mannheim, hier kurz vor dem Lifteinstieg, kümmert sich um die Skischule.

Der Schnee auf der Piste ist schwer, aber nicht eisig. Das ist gut zum Kurven. Es sei eine Kunst, die Piste zu präparieren, sagt Otto Mannheim. Denn der Hang ist weich und dadurch empfindlich. In den Anfangsjahren war Otto Mannheim deshalb mit einer Handwalze aus Holz unterwegs, dann baute er eine eigene motorisierte Walze, weil schwere industrielle Maschinen ungeeignet sind. Seit über 40 Jahren ist das Gerät samt kultigem Isetta-Führerhaus im Einsatz.

Um die Skischule kümmert sich Claudia Mannheim (49). „Wir haben heuer mehrere Anläufe gebraucht, bevor es losgehen konnte“, sagt sie. Schnee hätte es auf dem Hang schon seit den heftigen Tagen um Heilig-Drei-Könige genug gegeben. Aber durch die hohen Berge seien die Parkplätze nicht erreichbar gewesen. Der obere Platz direkt an der Staatsstraße  2064 zwischen Beuerberg und St. Heinrich ist noch immer gesperrt, aber gleich kommt jemand vorbei, der die Hügel beiseite schieben will. Otto Mannheim macht sich also auf den Weg nach oben. Es soll ja weiter vorangehen.

Solange der Lift in Beuerberg nicht fahren konnte, sind die Skischüler mit den Lehrern von Claudia Mannheim ans Brauneck ausgewichen. Nun kann die Skischule ihre glitzernden Medaillen mit Maus- und Zwergenmotiven wieder daheim in Beuerberg an die Teilnehmer verteilen. Max (5) zum Beispiel hat schon zwei Skikurse gemacht. Zusammen mit seiner Schwester Mira (9) lässt er sich gerade mit einem Bügel unterm Oberschenkel den Hang hinaufziehen. Miras Fuß steckt an einem blau-schwarzen Snowboard, Max trägt rote Skier und eine gelbe Bommelmütze auf dem Kopf. Geschenke vom Christkind, die nun endlich benutzt werden können. „Früher war das Rauffahren das Schwierigste“, sagt Mira, „da ist mein Bruder einmal aus dem Lift geplumpst.“ Inzwischen wissen die Kinder aus Seeshaupt, wie’s geht – und sonst ist ja noch der Papa dabei, der weiter hinten im Ankerlift fährt.

Am Lifteinstieg kommt es darauf an, schnell zu sein

Zurück am Lifteinstieg. Drei Zwergerl von der Skischule schlüpfen durch den niedrigen Sondereingang, durch den nur Kinder unter 1,20 Meter passen. Damit müssen sie nicht so lange anstehen. „Auf geht’s, immer zu zweit fahren, da ist noch ein Platz frei“, ruft der Mitarbeiter am Lift. Er kümmert sich nicht nur um die Sicherheit, sondern er ist auch Ordner und Anschieber. „Wenn wir an jedem Bügel zu zweit fahren, geht’s für alle schneller rauf“, sagt er. Und das wollen bei so einem Traumwetter alle.

Skilift Beuerberg

Öffnungszeiten täglich von 9 bis 16 Uhr; Punktekarte (zehn Fahrten) Erwachsene 8 Euro, Kinder 7 Euro; Zwei-Stunden-Karte Erwachsene 7,50 Euro, Kinder 6 Euro.

Sebastian Dorn

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