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Ex-Kriminalistin mit Sinn für Farben: Birgit Kiemes, Künstlerin aus Achmühle.

Spürsinn, Spannung und Spontanität

Birgit Kiemes ist Ex-Kriminalistin und Künstlerin

Birgit Kiemes arbeitete früher beim Landeskriminalamt (LKA) als Sachverständige für Fälschungen. Sie hat Erpressern und Steuersündern das Handwerk gelegt. Heute steckt sie ihre Spürnase in die Welt der Kunst.

Eurasburg – „Meine Passion ist die Malerei und das Filzen“, sagt die Achmühlerin. Haben Kriminalistik und Kunst etwas gemeinsam? Ob die technische Analyse von Pigmenten auf Dokumenten, oder der Schicht-um-Schicht-Aufbau von Acrylfarbe auf Leinwand, beides erfordere Fantasie und Kreativität, findet die Künstlerin.

Die gebürtige Baden-Württembergerin lebt seit 18 Jahren in Achmühle. Sie hat bereits in München und Bonn ausgestellt. Jedoch ist sie regional bisher weniger in Erscheinung getreten. Sie beteiligte sich an der Ausstellung in der Geretsrieder Aussegnungshalle zum Thema „Vergänglichkeit und Neues“ im Herbst vergangenen Jahres und zeigte ihre Arbeiten bei den Heimischen Künstler in der Loisachhalle Anfang Dezember.

Kriminalistisches Puzzeln mit Technikaffinität und Kreativität

Wie es der Zufall wollte, bekam die Wirtschaftsingenieurin, die im Schwerpunkt Drucktechnik und -erzeugnisse studierte, 1990 eine Stelle als Fälschungsexpertin beim LKA. Zwei Jahre lang analysierte sie Personalausweise von Verdächtigen, untersuchte Erpresserschreiben und unterstützte als Expertin bei der Fahndung nach Steuerhinterziehern. Kiemes erinnert sich an „eine spannende Arbeit“ während dieser Zeit. Eine kriminalistische Puzzlearbeit, die gewissermaßen neben der Technikaffinität auch höchste Kreativität erfordert. 

Kunst als Ausgleich zum Analyse-Job

Später setzte sie ihr Wissen auch in der Industrie ein. Da lag es nahe, dass Birgit Kiemes den Ausgleich zum strukturierten Analyse-Job in der Kunst suchte. „Ich male seit meiner Kindheit und filze seit 15 Jahren“, verrät sie. Kunst war in ihrem Elternhaus stets gegenwärtig. Der Vater war Mitbegründer eines Kunstkreises in Tuttlingen und ist Liebhaber des Bauhaus-Stils. So hat auch Kiemes ihr Achmühler Wohnzimmer mit den geradlinigen Möbeln eingerichtet. Ihr Lieblingsstück ist eine „Eames“-Ottomane, eine geschwungene Schale, die in der Tat zum Müßiggang verführen mag.

Kiemes: „Malen ist für mich, wie für den Musiker die Musik“

So sind auch Kiemes‘ großformatige Acrylmalereien reine Farbkompositionen aus abstrakten Formgebungen – und stets offen für Interpretationen. Nichts Gegenständliches lenkt den Blick von Spannung und Farbkontrasten ab. Kiemes malt „ohne Plan“, wie sie sagt. „Malen ist für mich, wie für den Musiker die Musik.“ Ihre Kompositionen entstehen aus dem Bauch heraus. Die Künstlerin lässt sozusagen dem Pinsel und der Farbe ihren Willen. Aus gewalkter Wolle schafft Kiemes ebenfalls abstrakte Bilder und selbstentworfene Kleidungsstücke. Ihre Filzkunst hat sie bereits zweimal auf der Bonner Designmesse vorgestellt. Auch bei dieser Arbeit gilt für die Achmühler Künstlerin: Spürsinn, Spannung und Spontanität.

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