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Überlebensgroß: Sepp Daxenberger war am Donnerstag bei der Lesung von Franz Kohout im Gasthaus zur Mühle allgegenwärtig – auch auf der Leinwand.

Verneigung vor einem großen Grünen

Daxenberger-Biograf Franz Kohout zu Gast in Beuerberg

Beuerberg – Der Politikwissenschaftler Franz Kohout hat in Beuerberg seine Daxenberger-Biografie vorgestellt.

Die Tischreihen mit lindgrünen Tischdecken und knallgelben Primeln waren durchaus symbolisch zu verstehen, als Sprecherin Annett Clauss und Sprecher Franz Epp am Donnerstag 40 Gäste zu einer Lesung im Gasthaus zur Mühle begrüßten. Prof. Dr. Franz Kohout war gekommen, um auf Einladung des Eurasburger Ortsverbands eine, wenn nicht die zentrale Figur der jüngeren Geschichte der Grünen darzustellen: Sepp Daxenberger. Das neue Buch des Politikwissenschaftlers heißt: „Sepp Daxenberger – eine grüne Biografie“.

Der Autor, als ehemaliger Zivildienstverweigerer und Gründungsmitglied der Grünen, gliederte seine Lesung in sechs Teile. Zwischen jedem Abschnitt spielten gewohnt virtuos die Musiker des Trios ZAKK, zu denen anfangs Fotos aus dem Leben des berühmten Politikers auf Großleinwand gezeigt wurden. Kohout begann den Abend mit der Beschreibung der Beerdigung von Sepp Daxenberger, der im August 2010 unter unglaublicher öffentlicher Anteilnahme zu Grabe getragen worden war. Er war geachtet und geliebt, als bayerisches Kraftpaket, als einer der ersten Biobauern, als der erste grüne Bürgermeister im schwarzen Chiemgau. Im Alter von gerade mal 48 Jahren hatte ein Krebsleiden seinem Leben ein Ende gemacht.

Passagen aus dem Buch wechselten mit Kohouts kenntnisreicher Schilderung der politischen Zustände in Bayern zu Beginn von Daxenbergers Karriere. Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre nahmen die Nitratrückstände in bayerischen Ackerböden zu, Massentierhaltung griff um sich, zahllose Tier- und Pflanzenarten waren vom Aussterben bedroht.

Über die Beschreibung der politischen Sozialisation „des Mannes ohne Sakko“, der mit nicht einmal 17 Jahren als etwas kauziger Sohn der Familie den elterlichen Hof übernehmen musste, versuchte Kohout eine Biografie, mit der er sich dem charismatischen und pragmatischen Politiker Daxenberger annäherte. Mitglied in der katholischen Landjugend, engagierte sich Daxenberger als Schülersprecher und Herausgeber einer Schülerzeitung. Immer ging es Daxenberger laut Kohout darum, „reale Verbesserungen im Kleinen über die ideelle Reinheit der Lehre“ zu stellen.

Nun birgt eine Biografie über einen solchen, viel zu früh gestorbenen politischen Sympathieträger die Gefahr der Idealisierung. Ganz ist Franz Kohout dieser Gefahr nicht entkommen; obwohl er gegen Ende seiner Lesung sehr detailliert auf die Bedeutung angeborenen Charismas bei Daxenberger zu sprechen kam, übrigens im direkten Vergleich mit Kurt Schumacher, Willy Brandt; obwohl er als Wissenschaftler anhand der Person des württembergischen Ministerpräsidenten Wilfried Kretschmann nachvollziehbar zu erklären versuchte, dass Charisma allein für den echten politischen Erfolg letztlich nicht ausreichend sei.

Zu der erdig wirkenden Biografie des Vorzeige-Grünen Daxenberger hätte es auch gehört, die Bedeutung seiner drei Tage vor ihm verstorbenen Ehefrau Gertraud darzustellen, da sie die Last von Familie und Hof aufgrund der zunehmenden politischen Erfolge ihres Mannes immer mehr übernehmen musste. Eine vielleicht zu hohe Belastung für die Frau an seiner Seite, die um keinen Preis „Frau Bürgermeister“ genannt werden wollte. Den guten Ruf des katholischen Politikers Daxenberger würde das in der Öffentlichkeit nicht schmälern. Aber er würde vielleicht ein wenig irdisch-menschlicher.

von Assunta Tammelleo

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