Grablichter.
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„Maria hilf“: Mit Kerzen und Grablichtern weist eine Gruppe Beuerberger auf eine sich anbahnende „Katastrophe“, einen Mobilfunkmast, hin.

Protest in Beuerberg

„Eine Katastrophe“: Deswegen brennen Kerzen an Beuerberger Kapelle

  • vonRudi Stallein
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Seit Heiligabend brennen an der Bergbauer-Kapelle in Beuerberg zahlreiche Kerzen und Grablichter. Dahinter steckt eine Protestbewegung.

Beuerberg – Nein, es gab kein Attentat. Es ist auch niemand auf grausame Art zu Tode gekommen. Daran denken viele Menschen oft zuerst, wenn irgendwo plötzlich dicht gedrängt in großer Zahl Kerzen und Grablichter flackern. Die Lichter, die seit ein paar Tagen an der Bergbauer-Kapelle südlich von Beuerberg leuchten, haben eher mahnenden Charakter. Sie sind (noch) nicht Ausdruck trauernder Erinnerung. Aber vermutlich sehen viele von den Bürgerinnen und Bürgern, die seit Heilig Abend dort oben am Waldrand Lichter entzündet haben, ihr Dorf davon gar nicht mehr so weit entfernt. „Das ist doch ein katastrophaler Anblick auf ein schönes, gewachsenes oberbayerisches Dorf“, sagt Anke Müllejans. Die „Katastrophe“ bahnt sich in Gestalt eines rund 30 Meter hohen Mobilfunkmastes an, der in unmittelbarer Nähe der jahrhundertealten Kapelle aufgestellt werden soll. Deshalb unterstützt Müllejans eine Gruppe von besorgten Leuten die ihre Mitbürger dazu aufrufen: „Lasst uns Lichter anzünden und für eine gute Lösung an einem anderen Standort bitten.“

Diese Initiative soll erst der Anfang sein. Denn die Sorge um ein verschandeltes Landschaftsbild ist nur ein Grund für den Protest. Seit der Eurasburger Gemeinderat in seiner Novembersitzung mit 9:8 Stimmen dem Bauantrag der Deutschen Funkturm GmbH das gemeindliche Einvernehmen erteilte, bei der Kapelle einen „Antennenträger zur Versorgung des Gebietes mit mobiler Datenübertragung und Sprachübertragung“ zu errichten, bewegt der geplante Mobilfunkmast die Gemüter. Nachdem Dorfbewohner vor der Gemeinderatssitzung Anfang Dezember ihrem Unmut Luft gemacht hatten, folgte nun die Lichteraktion. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen Mobilfunk“, beteuert Heribert Kohl, einer der Wortführer der Protestgruppe. „Aber wir brauchen einen Mindestabstand. An dem geplanten Standort sind es gerade mal 180 Meter. Da sind viele Leute unmittelbar betroffen.“ Zudem warnt Kohl: „Hier wird jegliche Funktechnologie installiert, das können wir überhaupt nicht mehr beeinflussen.“

Zwei Hinweistafeln im Dorf aufgestellt

Ihren Unmut artikuliert die Gruppe auch auf zwei großen Informationstafeln im Dorf, in der Nähe der Feuerwehr und beim Friedhof. Dort wird beispielsweise darauf hingewiesen: Mobilfunkunternehmen würden nur ihre ureigenen Interessen vertreten und verfolgen. Die Gesundheit der Bürger spiele nicht die Hauptrolle „im Spiel der Mächtigen“. Die Gemeinde habe die Planungshoheit, sie müsse das selbst in die Hand nehmen, betont Kohl im Gespräch mit unserer Zeitung und fordert: „Wir wollen, dass die Gemeinde ein Mobilfunkkonzept erstellt.“ Das sei schließlich vor der Kommunalwahl im März dieses Jahres versprochen worden – aber nicht umgesetzt worden.

Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt?

Viele Bürger fühlten sich vor den Kopf gestoßen, weil sie vor vollendete Tatsachen gestellt worden seien, ergänzt Anke Müllejans. „Mir fehlt Transparenz. Ich hätte mir gewünscht, dass offener darüber gesprochen wird.“ Das will die Gruppe um Heribert Kohl, Seppi Baur, Franz Bromberger und einige weitere Eurasburger nun mit einer Unterschriftenaktion und einem Bürgerantrag erreichen. Darin fordern die Unterzeichner unter anderem „die Aufhebung des Gemeinderatsbeschlusses vom 11. November 2020“ sowie die „pro-aktive Suche der Gemeinde nach einem alternativen Standort, mit mindestens 500 Metern Entfernung zur nächsten Wohnbebauung“. Außerdem sollen künftig „die Bürgerinnen und Bürgerzeitnah über alle wesentlichen Punkte informiert und alle zu treffenden Entscheidungen vor Beschluss zur Kenntnis gebracht werden“.

Derzeit verhindern allerdings die Beschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus das Zustandekommen einer entsprechenden Unterschriftenliste. „Im Augenblick sind uns die Hände gebunden. Wir halten uns daran, vermeidbare Zusammentreffen möglichst zu unterlassen“, erläutert Kohl. Derweil stellen die Initiatoren eigene Überlegungen zu möglichen Standorten an. „In Tattenkofen steht so eine Stange mitten im Wald. Ist das störender? Ich finde nicht“, meint beispielsweise Franz Bromberger. So etwas wäre auch am diskutierten Standort in Beuerberg akzeptabel.

„Uns allen ist klar, dass wir Mobilfunk brauchen. Wir werden einen Mast nicht verhindern können“, räumt Anke Müllejans ein. „Aber ein bisschen weiter in den Wald hinein, was wäre schon was.“ Dann hätten sich die zahlreichen angezündeten Lichter, die die Bergbauer-Kapelle derzeit in der Dämmerung in ein romantisches Licht tauchen, schon gelohnt. (rst)

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