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Feier und Podiumsdiskussion zum 35. Geburtstag: Catherine Kemeny (re.), Tochter von Inselhaus-Initiatorin Dörte Sambraus, begrüßte die Gäste, darunter Eurasburgs Bürgermeister Moritz Sappl und Inselhaus-Chef Rolf Merten.

Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe

Ene, mene, muh: 18 – und raus bist Du ?

Eurasburg - Das Inselhaus feiert seinen 35. Geburtstag mit einer Podiumsdiskussion. Die Frage: Wie lassen sich junge Menschen am besten ins Erwachsenenalter begleiten?

Die Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe feierte 35. Jubiläum – und nutzte den Anlass, um auf ein wichtiges Thema aufmerksam zu machen. „25 ist das neue 18“, so begann Dr. Kristin Teuber, Leiterin des Sozialpädagogischen Instituts des Vereins SOS-Kinderdorf, ihren Vortrag zur „Bedarfsorientierten Begleitung junger Menschen ins Erwachsenenalter“. Sie sprach ein Thema an, das jungen Menschen und deren Eltern Kopfzerbrechen bereitet: „Der Übergang ins Erwachsenenalter ist längst nicht mehr so geradlinig, wie er früher meist war.“

Besonders Care-Leaver, also junge Leute, die eine stationäre Jugendhilfe verlassen, fänden erschwerte Bedingungen vor: Sie haben sowieso mit Defiziten und sozialer Benachteiligung zu kämpfen. Zusätzlich müssen sie mit dem Erreichen der Volljährigkeit die Jugendhilfe-Einrichtungen verlassen. In diesem Alter sind heutzutage die wenigsten Jugendlichen vollkommen selbstständig. Doch gerade Care-Leaver haben dann oft niemanden mehr, der ihnen hilft.

In der folgenden Podiums- diskussion sprachen neben Teuber Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber, Angelika Schmidbauer, stellvertretende Geschäftsführerin des Inselhauses, und Klaus Koch, Dritter Landrat, über den Übergang vom Kinder- ins Erwachsenenleben. Moderiert von Heiko Arndt, Vorsitzender des Unterausschusses Jugendhilfeplanung, kam das Gespräch zunächst auf die Erfahrungen der Diskussionsteilnehmer. Bachhuber wuchs in der Großfamilie auf dem Bauernhof auf. „Irgendwann hieß es: ,So wie du lernst, g’langt für dich die Realschule‘ – und danach wurde beschlossen: ,Diese Ausbildung wäre gut für dich‘. Wir hatten viel Freiraum, aber mit den Eltern gab es keine Diskussionen.“ Früher habe es klare Strukturen gegeben. Als Fußballkapitän, Klassensprecher oder Ministrant habe man automatisch Verantwortung übernommen, und so war man mit 18 Jahren bereit, auf eigenen Beinen zu stehen. Diese Zeit sei vorbei.

Gründe dafür nannte Koch: „Wenn ich als Kind zum Bäcker ging, gab es genau zwei Brotsorten: hell und dunkel. Heute gibt es 35 Arten von Semmeln. Genau so ist es mit der Berufswahl heutzutage.“ Schmidbauer stieß ins gleiche Horn: „Ausprobieren muss erlaubt sein, solange es in etwas mündet.“ Es sei unglaublich schwer, sich in der Fülle von Angeboten auf Anhieb zurechtzufinden. Teuber betonte, wie wichtig es sei, sich in Notsituationen auf eine Familie verlassen zu können, aber auch, wie bedeutend Strukturen seien, die Feuerwehr, Burschen- oder Fußballvereine als Rückhalt bieten.

Schmidbauer schlug Lösungen vor: „Die Jugendlichen brauchen die Möglichkeit, bei Schwierigkeiten zurückkommen zu können und Hilfe zu bekommen.“ Die Gewissheit, einen Anhaltspunkt zu haben, sei wichtig. Der Mangel an Unterstützung nach der Volljährigkeit ist ein Problem, das Care-Leaver mit den 44 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen im Landkreis verbindet. „In der Jugendhilfe beginnen sie, sich zu integrieren, zu verstehen, zu lernen. Aber nach ihrem 18. Geburtstag werden sie in die Flüchtlingsunterkunft gesteckt. Dann brechen diese positiven Prozesse ab.“

In diesem Zusammenhang betonte Teuber, wie wichtig eine individuelle Betreuung sei: „Es gibt Fälle, zum Beispiel bei Analphabeten, die den Alltag in Deutschland ohne Hilfe nicht bewältigen könnten. Andere sprechen drei Sprachen und müssen nur darauf warten, dass ihre Abschlüsse anerkannt werden um ein Studium zu beginnen.“ Hier dürfe ausschließlich die Bedarfsorientierung Richtschnur für die Maßnahmen sein.Die größten Gefahren für junge Erwachsene bestehen laut Koch in der Weitergabe sozialer Probleme an die nächsten Generationen, in der schlechteren Förderung außerhalb des Raums München und in der Bildung von Zwei-Klassen-Hilfe.

Moderator Heiko Arndt wünschte sich vor allem eine „organisierte Flexibilität“ im Umgang mit neuen Herausforderungen – also ein Weggang von komplizierter Bürokratie. „Das heißt auch: Behörden, Verantwortliche, aber auch Privatleute sollten sich nicht gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben, sondern einfach machen.“ In einem Punkt waren sich am Ende alle einig: In Bayern und im Landkreis wurde Einmaliges geleistet, und das ist nicht zuletzt der Verdienst von ehrenamtlichen Helfern, die alles tun, um Bedürftige zu unterstützen.

Karolin Wolf

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