Eine Hecke.
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Frustrierender Anblick für Naturschützer: Diese Feldhecke bei Happerg wurde im Auftrag der Gemeinde Eurasburg radikal gestutzt. Der Feldweg sollte für die Landwirte wieder befahrbar sein.

„Dort wird kein Vogel mehr brüten“

Eurasburg: Naturschützer entsetzt über radikal gestutzte Hecke

  • vonRudi Stallein
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Es gibt Ärger zwischen Naturschützern und Eurasburgs Rathauschef Moritz Sappl. In seinem Auftrag ist eine 400 Meter lange Hecke gestutzt worden, und zwar massiv.

Eurasburg – Wolfgang Neuerburg ist massiv verärgert. „Das hat uns sehr getroffen“, sagt der Sprecher der Agenda 21 in Eurasburg. „Es passiert schon mal, dass ein Biotop auf den Kopf gestellt wird. Aber so was habe ich noch nicht erlebt.“ Was ihn so sehr frustriert, ist der Anblick einer Feldhecke bei Happerg. Oder besser gesagt: Was davon übrig geblieben ist.

Rund die Hälfte der etwa 400 Meter langen Hecke wurde radikal gestutzt. „Das ist keine Pflegemaßnahme, das ist Rodung“, schimpft Neuerburg. „Das darf da nicht passieren.“ Denn die Hecke ist wesentlicher Teil des sogenannten Ökokontos der Gemeinde. Dieses Konzept stammt vom früheren Agendasprecher Walter Blendermann. Der verstorbene Landschaftsarchitekt schuf damit eine Art „Sparbuch für den Naturhaushalt“. Für notwendige Eingriffe in die Natur – beispielsweise durch Straßenbaumaßnahmen – wurden im Voraus auf gemeindeeigenem, wenig genutztem Grünland Ausgleichsflächen ausgewiesen und ökologisch aufgewertet.

Die Agenda 21 legt die Hecke 2004 an

Im Jahr 2004 wurde das „Ökokonto Berg-Happerg“ angelegt. Wie das Gemeindeblatt damals berichtete, pflanzten acht Aktive der Agenda „unter tatkräftiger Mithilfe von 20 Schülern der 5. Klasse aus Beuerberg 400 Sträucher der Arten Vogelbeere, Hartriegel, Weißdorn, Hasel, Pfaffenhütchen, Schlehe, Feldrose, Hundsrose und wolliger Schneeball ein“. Der damalige Bürgermeister Michael Bromberger höchstpersönlich brachte den fleißigen Hobby-Landschaftsgärtnern eine Brotzeit vorbei, erinnert sich Carola Belloni. Die heutige Energie- und Umweltbeauftragte im Gemeinderat hatte seinerzeit mitgepflanzt. Drei Jahre später waren die Sträucher voll ausgetrieben und zu einer geschlossenen Feldhecke zusammengewachsen, auch das konnte man der Gemeindezeitung entnehmen.

Nach und nach eroberten sich Kleinstlebewesen und Vögel das Biotop als Rückzugsort und Brutplatz. „Vom ökologischen Wert her ist dieses die umfangreichste Anlage“, hebt Neuerburg die Bedeutung der bis dato imposanten Feldhecke hervor. Später kamen zwei weitere Flächen hinzu, eine ebenfalls bei Happerg sowie eine beim Bienenhaus auf der Streuobstwiese zwischen Sprengenöd und Schlossberg. Von diesem „Ökokonto“ könne die Gemeinde „abbuchen“, wenn anderswo Flächen benötigt werden, erläutert Agenda-Chef Neuerburg. Freilich im übertragenen Sinne: Die Flächen selbst sollten tunlichst nicht angerührt werden.

Vögel werden dort so schnell nicht mehr brüten

Nun mutet der Anblick der Hecke an, als sei das Öko-Sparbuch geplündert worden. „Dort wird kein Vogel mehr brüten“, stellt Belloni fest. „Ich bin entsetzt, mit welcher Brachialgewalt da durchgebuldozert wurde“, prangert die Umweltbeauftragte die Aktion an. „Das ist ein unglaublicher Vorgang.“ Ab 2010 hätte man ihrer Meinung nach anfangen können, die Hecke immer mal wieder „richtig zurückzuschneiden, ohne Schaden“.

Das war nicht böswillig. Das Ziel war, den lichten Wegraum freizuschneiden.“

Moritz Sappl, Bürgermeister von Eurasburg

„Das ist versäumt worden“, gibt Bürgermeister Moritz Sappl zu. Als Folge habe sich die Hecke derart ausgedehnt, dass landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge nicht mehr auf dem Feldweg hätten fahren können. Deshalb sei nun „der Druck so groß gewesen, dass man was hat machen müssen“, verteidigt der Rathauschef die Maßnahme. Auch ein „Ökokonto“ dürfe man bewirtschaften, deshalb sei der Teil der Hecke zur Gemeindewiese hin unberührt geblieben. „Man hätte vielleicht etwas zarter reingehen können“, räumt Sappl ein, betont aber: „Das war nicht böswillig. Das Ziel war, den lichten Wegraum freizuschneiden.“ Es sei nun zu klären, ob das fachlich falsch oder richtig gemacht worden ist. „Wenn Fehler gemacht wurden, werden wir eine Lösung suchen.“

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Man werde sich mit dem Bürgermeister zusammensetzen und überlegen, was man tun könne, so Neuerburg. Zum Beispiel „so rasch wie möglich nachpflanzen“ und das Ökokonto wieder auffüllen. (rst)

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