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Alles grün beim Letzten seiner Art - dazu kommt ein großes technisches Problem

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Von: Peter Borchers

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Ein Mann vor einem Skilift
Stillstand: Im dritten Jahr in Folge fehlt der Schnee an Otto Mannheims Beuerberger Schlepplift. © Hermsdorf-Hiss

Schon den dritten Winter in Folge steht der Beuerberger Skilift still. Zur Schneearmut gesellt sich ein neues, gravierendes Problem.

Beuerberg – Warme, schneearme Winter gepaart mit einer Pandemie – das ist für den Betreiber eines Skilifts im Voralpenland der GAU. In Beuerberg stehen die Bügel des in der Region beliebten kleinen Lifts, betrieben von Otto und Inge Mannheim, nun bereits die dritte Saison in Folge still. Und die Meteorologen machen dem 86-Jährigen und seiner vier Jahre jüngeren Frau wenig Hoffnung, dass die Seilrollen bald anlaufen können. Die Mannheims „hoffen natürlich auf Schnee, aber danach sieht es zurzeit leider nicht aus“. Der Beuerberger Schlepper ist einer der letzten seiner Art in der näheren Umgebung. Die Kollegen in Eurasburg, in Bairawies, in Peretshofen, in Buchberg – sie alle haben, erledigt vom Klimawandel, längst aufgegeben.

Es könnte los gehen, das Hygienekonzept steht

Hergerichtet ist alles. Wie immer hat der rüstige Achmühler im Herbst innerhalb eines Monats alles aufgebaut auf der von privat gepachteten Fläche. Im Gegensatz zur Vorsaison dürfen die Lifte in Bayern heuer laufen, allerdings müssen die Skifahrer ihren Geimpft- oder Genesen-Status nachweisen sowie beim Anstehen und bei der Auffahrt FFP2-Maske tragen. „Wäre alles kein Problem, auch unser Hygienekonzept steht“, sagt Inge Mannheim.

Kummer bereitet das Wetter. Es ist zu warm. Niederschlag kommt in diesen Wochen im auf gut 600 Metern Seehöhe gelegenen Beuerberg meist als Regen herunter. Und fällt doch mal Schnee, bleibt er nicht liegen, zumindest nicht lange. „Etwa 15 Zentimeter“ Auflage benötigt Otto Mannheim, um eine ordentliche Piste planieren zu können. Die sind nicht in Sicht. Künstlich nachhelfen mit seiner Schneekanone kann der 86-Jährige ebenfalls nicht. Dazu bräuchte er Temperaturen von minus 5 Grad, „und die hatten wir bis jetzt nur in vier oder fünf Nächten“. Würde er das Wasser aus einem kalten Bach oder Teich beziehen, gäbe sich die Schneekanone wohl auch mit Außentemperaturen knapp unter 0 Grad zufrieden. Das Wasser für den Beuerberger Lift stellt aber die Gemeinde Eurasburg, und „es ist eigentlich ein bisschen zu warm“, sagt Mannheim.

Stromgenerator aus DDR-Zeiten hat seinen Geist aufgegeben

Doch selbst wenn die Rahmenbedingungen passen würden, könnte der Achmühler aktuell nicht künstlich beschneien. Der alte Stromgenerator aus DDR-Produktion, den der 86-Jährige einst der Gemeinde Königsdorf abgekauft hatte, hat den Geist aufgegeben. Ein neues Aggregat sei nicht unter 30 000 Euro zu bekommen, schätzt er, und sich eins zu leihen sei auch keine Option: „Ich weiß ja nicht, wann ich es einsetzen kann. Im schlechtesten Fall zahle ich wochenlang Leihgebühren für ein Gerät, das nur herumsteht.“ Otto Mannheim hofft auf Hilfe aus dem Landkreis. Vielleicht könne ihm jemand einen gebrauchten Generator zur Verfügung stellen. Dessen Mindestleistung müsste bei 70 Kilovoltampere liegen, beim Start fordert die Schneekanone viel Strom. „Wer helfen möchte, kann sich bei mir melden“, sagt Mannheim.

Dass wir den Lift übernehmen, ist klar.

Tochter Claudia Mannheim

An den endgültigen Rückbau der Liftanlage denkt der Senior noch nicht. Sie ist Lebenswerk und Motor zugleich. Er arbeitet gerne, den Schlepper zu demontieren, würde wehtun. Dafür nimmt er sogar hin, dass er seit drei Jahren Verlust macht: Den fehlenden Einnahmen stehen Kosten für den TÜV alle zwei und die Seilkontrolle alle vier Jahre sowie für die Pacht gegenüber.

Die Mannheims möchten den Lift kommendes Jahr an die Töchter Sabine und Claudia übergeben. Letztere betreibt eine Skischule, in der ihre Schwester mitarbeitet. Ist in Beuerberg alles grün, weichen sie mit ihren Kursen nach Lenggries aus. „Dass wir den Lift übernehmen, ist klar“, sagt Claudia Mannheim. So viel Zeit wie ihr Vater könnten sie und ihre Schwester jedoch nicht in ihn investieren. Das wäre aber kein Problem: Der Papa würde „solange helfen, wie ich es gesundheitlich schaffe“. Mit den Händen in der Hosentasche neben „seinem“ Lift zu stehen, das käme für Otto Mannheim nie in Frage. (peb)

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