Für den Hochwasserschutz am Habichtgraben in Eurasburg wurde kräftig abgeholzt.
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Eine Anwohnerin ist entsetzt: Für den Hochwasserschutz am Habichtgraben wurde kräftig abgeholzt. Das Wasserwirtschaftsamt verspricht Ersatzanpflanzungen.

„Highway durch die Natur“

Anwohner beschweren sich über Abholzung am Habichtgraben

  • vonRudi Stallein
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Derzeit wird für den Hochwasserschutz der Habichtgraben saniert. Über die nötige Abholzung beschweren sich Anwohner.

Eurasburg – Die Dame, die sich kurz vor dem Jahreswechsel per E-Mail an unsere Redaktion wandte, klang leicht entsetzt. „Was in den vergangenen Tagen passiert ist, ist mir und einigen Nachbarn absolut unverständlich“, schreibt Christine Schwarz. „Es wurden ohne irgendeine Rücksicht auf die vorhandene Fauna alles abgeholzt und einplaniert.“

Ihre Sorge rührt von den aktuellen Bautätigkeiten im Rahmen der Hochwasserschutzmaßnahmen am Habichtgraben im Eurasburger Ortsteil Lengenwies. Direkt vor ihrer Haustür präsentiert sich der Bachlauf seither als eine breite Schneise, „ein Highway durch die Natur“, wie Christine Schwarz im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt. Mit dem Ausbau habe sie sich inzwischen abgefunden. Aber die Art und Weise, wie mit der Natur umgegangen wird, finde sie unmöglich. „Mir geht es darum, dass es umweltverträglich vonstatten geht und nicht links und rechts einfach alles platt gemacht wird.“

Dora Schulze kann die Aufregung verstehen. „Es ist klar, dass das für Schrecken sorgt“, zeigt die für die Hochwasserschutzmaßnahme am Habichtgraben zuständige Abteilungsleiterin des Wasserwirtschaftsamts (WWA) Weilheim Verständnis für die Reaktion der Anwohner. „Wenn wir da freischneiden, sieht es erstmal furchtbar aus.“ Die Abholzung sei jedoch nötig, um „den Ausbau des Bachbetts zu einem leistungsfähigen Schussgerinne“ durchführen zu können.

Der Wildbach muss verbreitert werden

In der Vergangenheit war der Habichtgraben in Lengenwies immer wieder mal über die Ufer getreten und hatte Keller und Wohnräume von Anwohnern unter Wasser gesetzt. Deshalb ist das WWA wie mehrfach berichtet seit einigen Jahren damit beschäftigt, Hochwasserschutzmaßnahmen umzusetzen. Bereits Ende 2012 erfolgte der Einbau einer sogenannten Geschiebe-Dosiersperre im oberen Bereich des Wildbachs. Nun ist der untere Teil zwischen der Eisenbahnbrücke und der Mündung in die Loisach jenseits der Staatsstraße 2370 an der Reihe. Der Bach muss in einigen Bereichen verbreitert werden.

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Der Eindruck von Christine Schwarz ist, dass die Motorsäge angesetzt wurde, ohne auf „Eichkätzchen, Igel, Kröten, Vögel und Ringelnattern, die gerade ihren Winterschlaf im Dickicht gehalten haben, Rücksicht zu nehmen“. Sie frage sich vor allem, was nach den Baumaßnahmen passiere. „Wenn man sich schon so vergriffen hat an der Natur könnte aus Wiedergutmachung doch noch was Besonderes werden, indem man eine sinnvolle ökologische Bepflanzung macht.“

Arbeiten sind mit dem Naturschutz abgestimmt

Dem Vorwurf, unkontrolliert Tabula rasa gemacht zu haben, widerspricht Dora Schulze entschieden. Im Planfeststellungsbeschluss sei festgehalten, dass die Arbeiten mit dem Naturschutz abgestimmt und im Einklang damit begleitet werden. So seien beispielsweise bereits im vorigen Winter Fledermauskästen an Bäumen im Mündungsbereich des Habichtgrabens in die Loisach installiert worden. Und die Fische aus dem Bach seien schon im Sommer in einen nahen Bach an der Loisach umgesiedelt worden. „Jeder Baum, der von uns gefällt wurde, ist vorher gesichtet und penibel geprüft worden“, sagt Schulze. Gemäß einem ökologischen Begleitplan gebe es Ausgleichsmaßnahmen. Außerdem werde, so versichert die WWA-Abteilungsleiterin, „nachher alles wieder bepflanzt mit Bäumen und Sträuchern“.

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