+
Klein, aber wild: Der Habichtgraben ist in der Vergangenheit oft über die Ufer getreten und hat erheblichen Schaden angerichtet. Eine Geschiebesperre im Oberlauf, die alpinen Ansprüchen genügt, verhindert schon jetzt das Schlimmste.

Wildbach bei Lengenwies wird gezähmt

Ausbau des Habichtgrabens: Bauarbeiten starten am Montag - Gewässer wird abgefischt

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
    schließen

Bei Starkregen kann der Habichtgraben für die Anwohner von Lengenwies zu einer Gefahr werden. Das will das Wasserwirtschaftsamt ändern. Am Montag startet Ausbauphase zwei. 

Update vom 12. Juni:

Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim teilt mit, dass am Montag, 15. Juni, mit dem Bau des Hochwasserschutzes am Habichtgraben in Lengenwies begonnen wird. Zuvor wird das Gewässer am Samstag, 13. Juni, vom Fischereiverein Königsdorf abgefischt.

Habichtgraben: Gewässer wird am Wochenende abgefischt

Die Tiere werden an einen nahen Bach an der Loisach umgesiedelt. Der Abfluss im Habichtgraben hat laut Behörde in der Vergangenheit immer wieder zu Überschwemmungen in Lengenwies geführt. 

Mitte Juni beginnt nun der Ausbau des Wildbachs zu einem „leistungsfähigen Schussgerinne“. Die Baumaßnahme sei mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts abgestimmt. Unter anderem wurden Vorkehrungen zum Schutz der in Lengenwies heimischen Fledermäuse durchgeführt.

Wildbach wird  „leistungsfähiges Schussgerinne“

Ursprünglicher Artikel vom 17. Mai:

Eurasburg – Der Habichtgraben, der bei Lengenwies in die Loisach mündet, hat Anwohnern über Jahre schlaflose Nächte bereitet. Immer wieder trat er bei starkem Regen über die Ufer, die Keller liefen voll, zuletzt 2015. Dieses Problem wird das Wasserwirtschaftsamt Weilheim in den nächsten zwei Jahren endgültig beheben.

Vor einiger Zeit wurde bereits im Oberlauf eine Geschiebesperre eingebaut, die verhinderte, dass mitgerissenes Geröll, Äste und anderes Material den Fluss verstopfte und das Wasser über die Ufer treten ließ. Wobei die Methode, die die Behörde anwandte, Schule gemacht hat: Eigentlich ist sie für alpines Gelände vorgesehen, viele Gäste aus dem Ausland wollten das mit eigenen Augen sehen. Jetzt, ab Juni, startet Phase zwei.

Habichtgraben: Phase zwei startet im Juni

Schonendes Schneiden: In den Bäumen im Mündungsbereich von Habichtgraben und Loisach nisten Fledermäuse. Auf sie wurde große Rücksicht genommen. 

Wie die aussieht, beschreibt das Wasserwirtschaftsamt in einer Pressemitteilung. „Durch umfangreiche Ausbaumaßnahmen von der alten Bahnbrücke bis zur Mündung in die Loisach wird die Leistungsfähigkeit des Gewässers erhöht“, heißt es dort. Konkret bedeutet dies, dass in den kommenden Monaten der Habichtgraben „als leistungsfähiges Schussgerinne mit einem einheitlichen Querprofil und gestreckter Linienführung ausgebaut“ wird. Außerdem wird die ehemalige Isartalbahnbrücke abgebrochen und durch eine neue Brücke für Fußgänger und Radfahrer

ersetzt.

Ein solcher Eingriff in die Natur erfordert Ausgleichsmaßnahmen. Die eine dient dem Schutz der in Lengenwies heimischen und streng geschützten Fledermäuse. „Sechs Fledermauskästen wurden dazu bereits im Dezember vergangenen Jahres an Bäumen im Mündungsbereich des Habichtgrabens in die Loisach installiert“, teilt die Behörde mit.

Fledermausexpertin begleitet Baumfällarbeiten

Außerdem begleitete eine Fledermausexpertin die Baumfällarbeiten, die im Februar notwendig wurden. Der Aufwand war beträchtlich: So wurden einzelne Baumhöhlen mit einem Endoskop auf die Anwesenheit von Fledermäusen untersucht und abgesägte Baumkronen mittels Seilzug sorgsam zu Boden gelassen, um den Schutz der seltenen Tiere sicherzustellen.

Ähnlich sorgsam geht man mit den Fischen um: Sie werden vor Beginn der Arbeiten im Gewässerbett vom Habichtgraben in einen vergleichbaren Bach an der Loisach umgesiedelt. Der örtliche Fischereiverein Königsdorf sammelt sie schonend und fachgerecht mit einer speziellen Lockmethode, dem sogenannten Elektrofischen, ein.

Lesen Sie auch: So will Bürgermeister Sappl die zweite Amtszeit angehen

Bürgermeister Moritz Sappl ist froh, dass es jetzt weitergeht. „Das ist sicher eine gute Nachricht für die Gemeinde und für die Bewohner von Lengenwies“, erklärt er. Die Arbeiten der Behörde im Oberlauf haben ihn bereits beeindruckt, etwa, als die die 60 Einzelsperren aus dem 19. Jahrhundert, die im Zusammenhang mit der Isartalbahn von Großhesselohe nach Kochel entstanden waren, durch eine einzige, große ersetzt wurden. „Da sind absolute Experten am Werk“, sagt Sappl. 

„Da sind absolute Experten am Werk“

Dass die alte Brücke für die Isartalbahn durch eine neue für Fußgänger und Radfahrer ersetzt wird, war ein ausdrücklicher Wunsch der Gemeinde. Die Kosten für das Gesamtprojekt belaufen sich auf etwa zwei Millionen Euro. Der Freistaat zahlt, wie beim Hochwasserschutz üblich, 70 Prozent, die Kommune 30 Prozent. Die Kosten für den Ersatz der Brücke trägt die Gemeinde, die insgesamt um die 500 000 Euro investiert. „Ich bin sicher, das Geld ist sehr gut angelegt“, meint Sappl.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Bürgermeister Grasl über anstehende Projekte und eine neue Opposition
Michael Grasl hat seine vierte und letzte Amtszeit angetreten. Im Interview verrät er, welches Mega-Projekt er unbedingt zu Ende bringen will.
Bürgermeister Grasl über anstehende Projekte und eine neue Opposition
Fans auf den Spuren von Hubert und Staller
Ein Bankerl-Weg lädt zum Rätseln rund um die ARD-Serie ein. In der Rathauspassage hangt dazu ein neuer Schaukasten.
Fans auf den Spuren von Hubert und Staller
Schule erlebt gefürchtetes Corona-Szenario: Amts-Entscheidung verunsichert Eltern - Rektorin reagiert
Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Bewohner einer Geretsrieder Gemeinschaftsunterkunft steigt auf 21. Darunter sind Kinder, die die Isardamm-Grundschule …
Schule erlebt gefürchtetes Corona-Szenario: Amts-Entscheidung verunsichert Eltern - Rektorin reagiert
Neuer Schaukasten im Herzen Waldrams
Ab sofort weist die Waldramer Kolpingsfamilie in einem Schaukasten auf bevorstehende Veranstaltungen hin. 
Neuer Schaukasten im Herzen Waldrams

Kommentare