Der Eurasburger Bildhauer Helmut Schlegel gibt der Corona-Säule, eine Auftragsarbeit, den letzten Schliff.
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Erinnerung an die Pandemie: Der Eurasburger Bildhauer Helmut Schlegel gibt der Corona-Säule, eine Auftragsarbeit, den letzten Schliff.

Idee kam durch Pestsäulen

Corona-Säule: Dieser Bildhauer verewigt die Pandemie in Granit

  • vonRudi Stallein
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In seiner Werkstatt in Happerg bei Eurasburg arbeitet der Bildhauer Helmut Schlegel an einer „Corona-Säule“. Es ist eine Auftragsarbeit, die viel über die Pandemie aussagt.

Eurasburg – Solch einen Auftrag erhält auch ein renommierter Künstler nicht alle Tage: In seiner Werkstatt in Happerg bei Eurasburg hat der Bildhauer Helmut Schlegel in den vergangenen Monaten eine „Coronasäule“ aus Granit geschaffen. Es war der Wunsch eines langjährigen Freunds und Förderers, der namentlich nicht in der Zeitung stehen möchte.

Er sei durch die Pest, beziehungsweise die in Erinnerung an eine der verheerendsten Pandemien der Menschheitsgeschichte vielerorts errichteten Pestsäulen, auf die Idee gekommen, eine Coronasäule anfertigen zu lassen, berichtet der Münchner Kunstfreund. Der sogenannte „Schwarze Tod“ hatte in Europa zwischen 1346 und 1353 rund 25 Millionen Tote gefordert, das war rund ein Drittel der damaligen Bevölkerung. Dagegen nehmen sich die 830 000 Todesfälle, die derzeit weltweit auf Covid-19 zurückgeführt werden, fast bescheiden aus.

„So gesehen ist ein Vergleich natürlich schwierig“, sagt der betagte Auftraggeber, „aber Gedanken an die Pest sind bei Corona naheliegend“. In beiden Fällen handele es sich um eine bakterielle Erkrankung. „Und die Ausbreitung vollzieht sich heute viel, viel schneller als im Mittelalter. Corona hat weltweit einen erheblichen Anteil an den Toten des Jahres 2020.“ Etwa drei Monate arbeitete Helmut Schlegel in seiner Werkstatt daran, die Vorstellung seines Auftraggebers künstlerisch umzusetzen. „Es waren drei Monate harte Arbeit“, erzählt der 79-Jährige augenzwinkernd, weil er sich für eine runde Säule aus Granit entschieden hatte. Das steht sinnbildlich für „Härte“, aber auch für Widerstandsfähigkeit.

Seine Arbeit begann er mit der Ausarbeitung eines Kreuzes am oberen Ende der Säule. Die vier Arme des Kreuzes weisen in alle vier Himmelsrichtungen und symbolisieren, „dass Corona um die ganze Welt geht“, erläutert der Künstler. Darunter folgt ein Verzierungsband, das man auch als Krone deuten kann – das entscheidet das Auge des Betrachters. Unzweideutig sind die christlichen Motive, die der Bildhauer als Relief in vier kreisrunde Auswölbungen meißelte. Von unten nach oben sind dies: der barmherzige Samariter, der einem Kranken hilft; die Gottesmutter Maria, die ihren Schutzmantel ausbreitet; die Kreuzigung Jesu mit zwei tröstenden Engeln rechts und links sowie als Abschluss das apokalyptische Lamm.

Christliche Motive zieren auch viele Pestsäulen aus früheren Jahrhunderten, die oft als Dank für das Ende einer Epidemiephase gestiftet wurden. Nun wartet die Säule in der Werkstatt des Künstlers darauf, an ihren Bestimmungsort in München verfrachtet zu werden.

Vor vier Jahren erwarben der Steinmetzmeister Schlegel und die Ammerlander Töpferin und Energiearbeiterin Claudiana Bieck das Anwesen am Kellerweg 3 in Happerg, in dem rund 50 Jahre lang ein Kollege Schlegels, der im August 2016 verstorbene Bildhauer Hans Kastler lebte. Dessen Kunstmeile beginnt wenige Meter vom Haus entfernt – und wird nun quasi verlängert durch verschiedene Werke Schlegels, die sich entlang des Hauses reihen.

Während diese Skulpturen und Plastiken vor dem Haus jedermann und -frau beim Radeln und Spazierengehen bestaunen kann, bleibt die Coronasäule einem kleinen Publikum vorbehalten. Sie bekommt in München einen Platz auf dem Anwesen des Professors. „Aber sie ist von der Straße aus zu sehen“, sagt der Kunstfreund, bevor er für einen Moment sinniert: „Oder sollen wir sie doch öffentlich aufstellen?“

rst

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