Die Pfarrkirche St. Peter und Paul
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Zehn Jahre lang eine Großbaustelle - und bald wieder eine Anlaufstelle für Gläubige: Die Pfarrkirche St. Peter und Paul

Pfarrkirche St. Peter und Paul

„Ein strahlendes Gotteshaus“ wird wieder eröffnet - mit prominentem Besuch

  • vonRudi Stallein
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Die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Beuerberg war eine Großbaustelle, nun steht die Weihe des neuen Altars an. Erzbischof Kardinal Reinhard Marx nimmt an der Eröffnung teil.

Beuerberg – Zehn Jahre war die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Beuerberg eine Großbaustelle. Rechtzeitig zum Jubiläum „900 Jahre Beuerberg“ sind alle Gerüste abgebaut, alle Abdeckplanen entfernt. Mit der feierlichen Weihe des neuen Altars durch den Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, wird die ehemalige Klosterkirche ab dem kommenden Sonntag wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Wegen der Corona-Pandemie findet der Gottesdienst allerdings nicht öffentlich, sondern nur für geladene Gäste statt.

Es ist wieder ein strahlendes Gotteshaus.“

Karl Georg Nicklbauer vom Staatlichen Bauamt Weilheim

„Es ist wieder ein strahlendes Gotteshaus“, freut sich Karl Georg Nicklbauer vom Staatlichen Bauamt in Weilheim über das Ergebnis der grundlegenden Sanierung. Diese war unumgänglich geworden, nachdem im Herbst 2010 ein Unwetter das Kirchendach erheblich beschädigt hatte. Ein Jahr später begann das Staatliche Bauamt Weilheim mit den Bauarbeiten an der ehemaligen Augustinerchorherren-Stiftskirche, die in Folge der Säkularisation 1803 an den Freistaat Bayern ging und nach wie vor in dessen Besitz ist.

Die Arbeiten in der Kirche hielten viele Überraschungen bereit, positive wie negative

Die Arbeiten hielten „einiges an unabsehbaren Überraschungen bereit“, wie Peter Aumann, Bereichsleiter Hochbau der Weilheimer Behörde, unserer Zeitung mitteilt. Das begann mit „nicht absehbaren statischen Komplikationen“ und weitaus gravierenderen Feuchtschäden, die bei der Freilegung der Dachkonstruktion zutage getreten waren. Außerdem war das gesamte Dach mit giftigem PCB verseucht. „Das hatte unter anderem umfangreiche Reparaturarbeiten der Konstruktion zur Folge“, so Aumann. Deutlich erfreulicher gestaltete sich die Arbeit im Kirchenraum, mit der Experten im Laufe des Jahres 2014 begannen. „Auch im Innenraum gab das Bauwerk so manches Geheimnis preis“, berichtet der Bereichsleiter Hochbau. So entdeckte man beispielsweise bei der Abnahme der Sockelputzflächen mittelalterliche Fresken aus dem 15. Jahrhundert. Nachdem die Malereien denkmalpflegerisch bewertet worden waren, habe man entschieden, „dass man die aufgedeckten Kulturschätze für die Nachwelt sichtbar lassen will“.

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Auch bei der Überarbeitung der Stuckflächen im Innenraum sei man vor allem im Westchor auf Farbschichten aus dem Jahr 1730 gestoßen. Diese seien zwar ebenfalls befundet, „im weiteren Verlauf der Restaurierung jedoch nicht flächendeckend freigelegt worden“, erläutert Aumann. In der Folge wurden auch die Kirchenfenster an der Südseite aufwendig restauriert. Nach Auskunft des Staatlichen Bauamts wurden die Glaserarbeiten von einer Spezialfirma vom Niederrhein, die auch schon für den Vatikan tätig war, durchgeführt.

Aumann hebt in seiner Rückschau auf die Sanierungsarbeiten besonders die „produktive Zusammenarbeit der direkt oder indirekt Beteiligten im Umfeld des Projekts hervor: die Erzdiözese München Freising, die Pfarrei Beuerberg, die Politik und die Behörden des Freistaats Bayern.“

Gut erhaltene Relikte wurden herausgearbeitet und neu vergoldet.

Die zahlreichen Überraschungen blieben nicht ohne Auswirkungen auf die Kosten. Diese erhöhten sich von zunächst veranschlagten knapp 4,6 auf 5,9 Millionen Euro. An den Gesamtkosten beteiligt sich die Erzdiözese München und Freising nach eigener Aussage mit einer Million Euro. Aus finanziellen Gründen habe man auf „eine gänzliche Herstellung des Glanzes“ der sogenannten Bruderschaftskapelle von 1730 verzichten müssen, berichtet Aumann. „Das hätte jeglichen Rahmen in Bezug auf Zeit und Kosten gesprengt“. Die Alternative: Gut erhaltene Relikte seien teilweise herausgearbeitet und neu vergoldet worden. „So reicht ein Teil des Glanzes in die Gegenwart, und die gänzliche Wiederherstellung, sollte sie jemals angestrebt werden, bleibt eine Herausforderung künftiger Generationen“, formuliert es Aumann.

Restaurator und Kirchenmalermeister Hubert Lechner aus Parsberg (Oberpfalz).

Ein weiterer „Hingucker“ ist die Orgelempore, die nun wieder die verspielte und ursprüngliche Farbgebung aus der Zeit um das Jahr 1790 angenommen hat – und sich wie selbstverständlich in den Kirchenraum einfügt. Im Mittelpunkt der Wiedereröffnung am Sonntag steht der neue Altar, den der Münchner Bildhauer Werner Mally entworfen und aus einem Stück hellen Kelheimer Auerkalks gefertigt hat. Ebenso wie den nahe stehenden neuen Ambo. „Neben den frühbarocken Kunstwerken, etwa dem Hochaltar und der Kanzlei, die nach der Neugestaltung der Kirche ab dem Jahr 1626 installiert wurden, bringt die Schlichtheit der neuen Ausstattung einen modernen Akzent ein“, schreibt dazu die Pressestelle des Erzbistums.

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Interessierte können die Kirche besichtigen - der erste Gottesdienst ist aber nur für geladene Gäste

Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurde auch die Elektronik des Gotteshauses erneuert: Künftig sind Sicherheitsanlagen für Brandmeldung und Einbruchsschutz, Akustik-Technik für die Tonübertragung auch mittels Induktion für Hörgeräte sowie eine energiesparende Kirchenbeleuchtung in LED-Technik vorhanden. Aumann fasst es in einem Satz zusammen: „Der Pfarrgemeinde und Besuchern steht wieder eine in allen technischen Bereichen modernisierte und vollständig restaurierte Kirche von außergewöhnlicher Schönheit zur Verfügung.“

Der Gottesdienst am Sonntag, 18. April, findet pandemiebedingt nicht öffentlich statt. Nach dem Gottesdienst besteht laut Pressestelle der Erzdiözese München und Freising die Möglichkeit, die Kirche zu besichtigen – gemäß den aktuell geltenden Infektionsschutzbestimmungen. rst

Die Gemeinde hat tief in die Tasche gegriffen: Grundstücke im Wert von mehreren Millionen hat Eurasburg kürzlich erworben.

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