Amtsgericht Wolfratshausen
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Nicht zum ersten Mal stand ein Eurasburger vor dem Wolfratshauser Amtsgericht. Immer wieder steigt er auf Krafträder, ohne einen Führerschein zu besitzen.

Amtsgericht Wolfratshausen

Wiederholtes Fahren ohne Führerschein: Gericht schickt Eurasburger ins Gefängnis

  • vonRudi Stallein
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Eine enorme Rückfallgeschwindigkeit bescheinigte das Amtsgericht einem Eurasburger, was das Fahren ohne Führerschein angeht. Jetzt geht er für sechs Monate in Haft.

Eurasburg/Wolfratshausen – „Wie blöd muss man sein?“ Diese Frage des Richters ließ der Angeklagte unbeantwortet. Am 19. Juni vorigen Jahres war der Eurasburger mit seinem Leichtkraftfahrzeug von einer Polizeistreife kontrolliert worden – er war nicht unerheblich alkoholisiert und ohne Fahrerlaubnis unterwegs. Gut zwei Wochen später (darauf vor allem bezog sich das Unverständnis des Richters) zuckelte der 54-Jährige mit seinem 45-km/h-Gefährt in die nächste Kontrolle – zwar weniger alkoholisiert, aber das Fahrverbot, welches vom Amtsgericht Wolfratshausen gegen ihn verhängt worden war, galt noch immer. Außerdem stand der Mann auch noch unter einschlägiger offener Bewährung.

Er schrieb auch beleidigende SMS an den Sohn

Nun musste er sich erneut wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in zwei Fällen sowie Beleidigung vor Gericht verantworten: Sein Sohn hatte ihn angezeigt, weil er vom Vater in diversen SMS-Nachrichten mit Kosenamen wie Hurensohn, Schwein und Idiot bedacht worden war. Über diesen Anklagepunkt regte sich der gelernte Heizungsbauer am meisten auf: „Dass es soweit kommt! Ich find’s eine Frechheit, dass die Staatsanwaltschaft sich in Familienangelegenheiten einmischt.“ Sein Sohn habe ihm schließlich auch vorgehalten, er sei „der asozialste Vater, den er kenne“. Und das, nachdem er ihm einen neuen Laptop für 600 Euro sowie ein neues Handy gekauft hatte.

Die Ausreden sind tolldreist

Zu den Verkehrskontrollen hatte der Angeklagte auch Entlastendes vorzubringen. Bei der Kontrolle Mitte Juni habe sein besoffener Bruder das Fahrzeug in Geretsried mitten in der Kreuzung stehen lassen. Deshalb habe er es, „um einen Unfall zu verhindern“, aus dem Weg räumen wollen. „Aber da kam schon die Polizei.“ Noch skurriler mutete die Entschuldigung beim zweiten Vorfall an, der sich ebenfalls in Geretsried ereignet hatte. „Er sei mit seinem Leicht-Kfz einem Bekannten, der ohne Licht am Fahrrad auf dem Heimweg war, nachgefahren, um ihm zu leuchten“, berichtete eine Polizistin.

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Unter den 20 Vorstrafen des Angeklagten finden sich bereits einige wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Zuletzt war er deshalb im Oktober 2019 zu drei Monaten auf Bewährung verurteilt worden. So glimpflich kam er dieses Mal nicht davon. „Das Urteil schert ihn überhaupt nicht“, hielt Richter Helmut Berger dem Angeklagten dessen „enorme Rückfallgeschwindigkeit“ vor. Er verurteilte ihn zu einer weiteren Freiheitsstrafe, dieses Mal für die Dauer von sechs Monaten – und ohne Bewährung. „Die dafür nötige günstige Sozialprognose ist nicht im Entferntesten zu erkennen“, so der Richter, der zudem eine isolierte Sperrfrist für den Führerschein von noch einem Jahr anordnete. Der Eurasburger legte noch im Gerichtssaal Berufung gegen das Urteil ein.

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