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Verloren – und doch gewonnen: Dr. Christoph Kürzeder, Leiter des Diözesanmuseums Freising, zeigt beim Rundgang durchs Kloster Beuerberg die Hölle . Dort landet, wer beim Spiel „Reise in die Ewigkeit“ verliert. Sie ist Teil der neuen, gelungenen Ausstellung, die am Pfingstsonntag eröffnet.

„Das Spiel beginnt“

Neue Ausstellung: Ab Pfingsten kommen Sie im Kloster Beuerberg in die Hölle

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Im Kloster Beuerberg ist nichts mehr, wie es war. Unter dem Titel „Das Spiel beginnt“ eröffnet am Pfingstsonntag eine völlig neu konzipierte Ausstellung. 

Beuerberg – Der Chef hockt in der Puppenstube. Knapp 24 Stunden bevor die neue Ausstellung im Kloster Beuerberg ihre Pforten öffnet, rückt Dr. Christoph Kürzeder, Leiter des Diözesanmuseums Freising, die winzigen, puppenhaften Jesuskindchen in einer Vitrine schnell selbst zurecht. Im hohen Kreuzgang herrscht noch ziemliche Unordnung. In der Klosterwerkstatt wird hastig ein Kostüm repariert, zwei junge Frauen drapieren rote Pappnasen und bunte Papierhüte in einem Glasschrank voller Faschingsutensilien.

Für die dritte Ausstellung im Kloster mit dem Titel „Das Spiel beginnt! Spielend Leben lernen“wurde die bisherige Präsentation komplett umgestaltet. Nichts ist mehr, wie es war. Man muss dem Publikum etwas bieten. „Wer schon mal hier war, wird vielleicht sagen: Was können die schon Neues über das Kloster bringen. Kennen wir doch alles schon“, sagt Kürzeder, der die Ausstellung mit seinem Team organisiert. Weit gefehlt. „Für mich ist dies die schönste der bisherigen Ausstellungen hier“, so Kürzeder beim Presserundgang am Tag vor der Eröffnung.

Weil sie noch mehr als die vorherigen „nicht nur ans Kloster denkt, sondern die Perspektive des Spielens hier mit der Perspektive über die Klostermauern hinweg in Einklang bringt“. Der Mikrokosmos Kloster biete die Möglichkeit, auch die große, weite Welt abzubilden. Das hat die neue mit den früheren Ausstellungen gemeinsam. Ansonsten warten auf die Besucher viele Überraschungen.

Der Rundgang, ebenfalls als eine Art Spiel angelegt – vom Start ins Klosterleben bis zum Totentanz, der im letzten Raum als Scherenschnitt über die Wand flimmert –, bricht mit der Vorstellung, dass es hinter den Klostermauern nur Arbeit, Gebet, Stillschweigen und strenge Regeln gab. Das Kloster war auch ein Ort des Spiels, der Zerstreuung und der theaterhaften Inszenierung. Die Kostüme, die nach dem Auszug der Schwestern im Frühjahr 2015 entdeckt wurden, füllen zwei große, knarrende Kleiderschränke. Da wird schnell deutlich: Das Kloster war keine spaßfreie Zone.

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Warum brauchen wir Spiele im Leben? „Weil wir damit von Kindesbeinen an die Regeln des Lebens verstehen lernen“, sagt Kürzeder. Wer Monopoly gespielt hat, kennt den Kapitalismus, wer mal Mensch ärgere dich nicht gespielt hat, hat verstanden, dass im Leben vieles von Zufällen abhängt.

Sprüche des Klostergründers Franz von Sales weisen den Weg durch die Gänge und Räume des Klosters. „Sie sind eine Einladung, diese Ausstellung als großen Spieleparcours zu sehen“, erklärt Kürzeder.

Besucher würfeln sich durch Himmel und Hölle 

Zu den Höhepunkten des Rundlaufs gehört die Bilderreihe „Kleider machen Leute“ von Herlinde Koelbl. Die international renommierte Fotografin bringt in ihren großformatigen Bildern eindrucksvoll die Ambivalenz zwischen offizieller Kleidung und Freizeitdress zum Ausdruck. Die Fotos dokumentieren, dass Kleider auf der einen Seite Beruf und Status repräsentieren, auf der anderen Seite aber auch Körperhaltung, Gestik und Mimik ihres Trägers beeinflussen – wie neben vielen weiteren Personen die Aufnahmen eines Bischofs und einer Äbtissin in verschiedener Kleidung zeigen. Beeindruckend und sehenswert.

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Interessante Mitmachstationen sind eine zusätzliche Bereicherung der Ausstellung. Beispielsweise in der völlig neu gestalteten Klosterkapelle, die sich als „ein großes Welttheater“ präsentiert. Hier würfelt sich der Besucher quasi durchs Leben, das von den Polen Himmel und Hölle gerahmt wird. „Reise in die Ewigkeit“ heißt das überdimensionale, den gesamten Fußboden bedeckende Würfelspiel, für das ein Münchner Opernregisseur und Bühnenbildner mit Hilfe von zwei Berliner Kunstmalern die imposante Dekoration geschaffen hat.

Die Spielregeln sind einfach: Wer auf einem Tugendfeld landet, wird mit Vorrücken belohnt. Ein Untugendfeld wirf den Spieler zurück: Von Feld 89 (Lüge) geht’s rasant retour auf 21. Wer auf der 47 steht, ist aus dem Spiel: Er ist in der Hölle gelandet. Herrlich.

Programm

„Das Spiel beginnt!“ im Kloster Beuerberg ist von Pfingstsonntag, 20. Mai, bis Sonntag, 7. Oktober geöffnet, und zwar immer Mittwoch bis Sonntag sowie an Feiertagen, jeweils von 10 bis 18 Uhr. Es gibt ein üppiges Rahmenprogramm mit neu konzipierten Führungen und Workshops, Kino im Kloster und einer „Beuerberger Brettspielnacht“. Am Eröffnungswochenende gibt es ein umfangreiches Mitmachangebot. Am Sonntag können Besucher Knobelspiele und Marionetten fertigen, am Montag an einer Klosterrally teilnehmen. Der Theologe Marc Aeilko Aris führt am Sonntag um 14 Uhr durch die Ausstellung, am Montag die Kuratorin Anna-Laura de la Iglesia y Nikolaus.

Neue Ausstellung im Kloster Beuerberg: Die schönsten Bilder

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