Manövriermasse: Die Gemeinde Eurasburg hat einige Häuser und Grundstücke gekauft, um damit und darauf Wohnbauprojekte umsetzen zu können.
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Manövriermasse: Die Gemeinde Eurasburg hat einige Häuser und Grundstücke gekauft, um damit und darauf Wohnbauprojekte umsetzen zu können.

Ein Bürgermeister auf Shoppingtour

Eurasburg kauft Häuser und Grundstücke im Wert von rund drei Millionen Euro

  • vonRudi Stallein
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Häuser und Grundstücke im Wert von rund drei Millionen Euro hat die Gemeinde Eurasburg gekauft. Nun sind kreative Ideen zur künftigen Nutzung der Immobilien gefragt.

Eurasburg – Die Frage, wie die Gemeinde dem zunehmenden Bedarf an bezahlbarem Wohnraum gerecht werden könne, sorgte in der Eurasburger Lokalpolitik lange Zeit für kollektives Schulterzucken. Es mangelte schlichtweg an geeigneten Grundstücken und Gebäuden. Das hat sich in den vergangenen eineinhalb Jahren durch eine Einkaufstour des Bürgermeisters grundlegend geändert. Nun sind kreative Ideen zur künftigen Nutzung der Immobilien gefragt.

Bruggen war der erste Ansatz

Die Flüchtlingskrise war auf ihrem Höhepunkt, als ein kleiner Zipfel Land in Eurasburg für hitzige Diskussionen sorgte: Kurz vor Weihnachten 2015 hatte die Gemeinde im Ortsteil Bruggen rund 2000 Quadratmeter Grund erworben, mit dem sogenannten Schleusenwärterhäuschen darauf. Dieses sollte abgerissen und durch ein soziales Wohnbauprojekt ersetzt werden. Der Bedarf dafür schien groß zu sein – und drängend. Schließlich mussten damals zahlreiche anerkannte Asylbewerber aus den Sammelunterkünften in Wohnungen umziehen. Ganz zu Schweigen von dem absehbar rasant wachsenden Bedarf nach „bezahlbarem Wohnraum“. Bruggen war dafür der erste Ansatz: zwei unterschiedlich große Gebäude mit insgesamt sieben Wohnungen – das war der letzte Stand bei dem Projekt, um das es seit geraumer Zeit still geworden ist.

Die Entwicklung hat uns überholt.

Bürgermeister Moritz Sappl

„Die Entwicklung hat uns überholt“, sagt Bürgermeister Moritz Sappl heute. Und das in mehrfacher Hinsicht. Zum einen habe sich durch die coronabedingten Einschränkungen vieles verzögert. Zum anderen konnte die Gemeinde vier Wohneinheiten über dem Nahversorger erwerben, finanziert „nach dem Drei-Säulen-Modell des Freistaats“ – zehn Prozent müsse die Gemeinde selbst mitbringen, 30 Prozent bekomme die Kommune bezuschusst, für die restlichen 60 Prozent gebe es einen verbilligten Kredit vom Staat, erläutert Sappl. Dass man die Gestaltung des Grundstücks in Bruggen gelassener angehen kann, liegt aber auch daran, dass der Rathauschef 2020 mit einem Einkaufswagen durch die Gemeinde gezogen ist. Ende 2019 packte er das als „Milchhäusl“ bekannte Gebäude an der Beuerberger Straße ein, in dem sich früher eine Molkerei und darüber eine Wohnung befanden und welches er „immer schon im Auge gehabt“ hatte. „Welche Möglichkeiten sich damit ergeben, muss demnächst der Gemeinderat entscheiden“, sagt Sappl.

Bezahlbarer Wohnraum im Ort

Das gilt auch für das rund 1300 Quadratmeter große Grundstück an der Birkenallee 23, dass Anfang 2020 für 1,1 Million Euro den Besitzer wechselte. Das alte Wohnhaus auf dem Gelände sei zwar absolut baufällig, müsse abgerissen oder kernsaniert werden. „Aber dort gibt’s die Möglichkeit, im Ort bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, erläutert der Bürgermeister. Die Immobilie liegt direkt im Ort, nur 600 Meter von der nächsten Bushaltestelle entfernt. „Da wäre die Versorgung komplett gewährleistet, man könnte auch ohne eigenes Auto dort leben. Das wäre auch für ältere Generationen denkbar.“ Ob die Gemeinde das selber realisieren oder einen Investor suchen möchte, wäre dann noch zu überlegen.

Bürgermeister Moritz Sappl

Im März 2020 konnte Sappl dann das Grundstück Bäckergasse/Ecke Königsdorfer Straße in Beuerberg von seiner Einkaufsliste streichen. 940 000 Euro überwies die Gemeinde für das aus zwei Gebäuden bestehende Objekt, in dem zuletzt Flüchtlinge untergebracht waren. Früher diente es unter anderem als Sparkasse, Krämerladen und Lebensmittelgeschäft. Eine kombinierte Nutzung mit einer Geschäftszeile oder gewerblichem Raum im Erdgeschoss und vier bis sechs Wohnungen in der oberen Etage kann er sich in Zukunft hier wieder gut vorstellen.

Unterbringung von Asylbewerbern kein Thema mehr

Die Unterbringung von Asylbewerbern ist zwar in Eurasburg und Beuerberg kein Thema mehr. „Die, die hier waren, wollten alle Richtung Stadt“, sagt Sappl. Er vermutet aber, dass an bezahlbarem Wohnraum „für Leute mit normalen bis mittleren Einkommen“ in den nächsten Jahren erhöhter Bedarf bestehe – und zwar bei Jung und Alt gleichermaßen. Sappl „möchte die jungen Leute, die hier aufgewachsen und verwurzelt sind, genauso dabehalten, wie Senioren, die im Alter gerne hier im Ort bleiben wollen“.

Wohnen mit Service

Vor allem mit Blick auf die älteren Semester setzt man in Eurasburg große Hoffnung in ein weiteres Projekt hinter dem Loisach-Hof. Auf dem angrenzenden Grundstück zwischen Albert-von-Iring-Straße und Bahnhofsweg, für das die Gemeinde ihr Vorkaufsrecht geltend gemacht hatte, sollen ein „Wohnen mit Service“ und, sofern es wirtschaftlich rentabel ist, zwölf Wohn-WGs entstehen. „Diese ganzen Varianten hatte man noch gar nicht, als Bruggen geplant worden ist“, erläutert Sappl. Durch die neuen Immobilien ergeben sich auch für die Fläche zwischen Uferweg und Anglberg ganz neue Möglichkeiten. „Doppelhaushälften, Dreispänner“, sinniert der Bürgermeister, „man hat Spielvarianten“.

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