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Gestörtes Idyll: Im Schaberer Weiher bei Eurasburg könnten mit Malachitgrün verseuchte Fische eingesetzt worden sein.

Fischvergiftung der anderen Art?

Mit Malachitgrün verseuchte Forellen im Schaberer Weiher?

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Im Schaberer Weiher bei Eurasburg könnten mit Malachitgrün verseuchte Fische eingesetzt worden sein. Der Geretsrieder Fischerverein, der den Weiher bewirtschaftet, warnt seine Mitglieder per Aushang. 

Geretsried/Beuerberg – Der Schaberer Weiher bei Eurasburg – ein Idyll in grüner Natur, das die Mitglieder des Fischervereins Geretsried bewirtschaften. Man trifft sich zum Schafkopfen in der kleinen Hütte, angelt gemeinsam und pflegt Freundschaften.

Eine von der Vorstandschaft ausgehängte Mitteilung stört neuerdings den Frieden: „Da wir nicht ausschließen können, dass die Regenbogenforellen, die wir im September 2018 im Oberen Weiher ausgesetzt haben mit Malachitgrün belastet sind“, so steht darauf zu lesen, „(...) ist das Fischen auf Regenbogenforellen bis auf Weiteres verboten.“ Sollte statt eines Karpfens eine dieser Forellen anbeißen, soll sie – „falls noch lebensfähig – zurückgesetzt werden. Wenn nicht, dann soll sie getötet und entsorgt werden.“ Ebenso bittet die Vereinsführung darum, Regenbogenforellen aus dem Septemberbesatz, die man zu Hause eingefroren hat, zu entsorgen.

Mit diesem Aushang warnt der Geretsrieder Fischerverein seine Mitglieder.

Dieses Schreiben hat eine Vorgeschichte: Im September 2018 hatte ein Zuchtbetrieb aus dem Landkreis Dachau mutmaßlich Fische mit Malachitgrün behandelt. Die Anwendung dieses Mittels ist allerdings seit 2004 in der Teichwirtschaft bei der Gewinnung von Lebensmitteln liefernden Tieren verboten. „Und zwar EU-weit“, wie Sabine Schmid, Pressesprecherin im Tölzer Landratsamt bestätigt. „In der Regel beproben wir Fischzuchtbetriebe einmal jährlich, die Auswertung erfolgt dann über das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.“ Im genannten Fall hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. Von besagter Fischzucht hatten auch die Geretsrieder Angler im Vorjahr Tiere für ihren Weiher geordert. „Kurz darauf wurden ein weiterer Verkauf untersagt und die Teiche gesperrt“, sagt Klubchef Andreas Bauer.

Von dem Vorfall erfuhr Bauer allerdings nicht von offizieller Seite. „Als über die Sache Anfang März in den Medien berichtet worden ist, haben wir uns hingesetzt und gegoogelt, um etwas darüber zu erfahren.“ Eine Warnung seitens der Behörden habe es nicht gegeben. „Irgendwie hängt man da in der Luft.“ Wie verhalte man sich in einem solchen Fall, fragt der Vorsitzende. „Wir tragen für unsere Mitglieder ja auch Verantwortung.“ Bauer hielt sich an die Empfehlung des Landesfischereiverbands: „Fischereivereine, die nicht ausschließen können, dass sie von dem betroffenen Züchter kontaminierte Fische gekauft haben, sollen sich an ihre Lieferanten wenden oder im Zweifel Fische beim Fischgesundheitsdienst untersuchen lassen.“ 

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Genau das taten die Geretsrieder. „Wir haben eine Forelle nach Grub bei Poing zur Untersuchung geschickt.“ Sollte die Probe positiv ausfallen, ist dies laut Schmid bei den Behörden anzeigepflichtig. Bis das Testergebnis feststeht, bleibt dem Vorstand nur, alle 153 Mitglieder per E-Mail oder Post in Kenntnis zu setzen und vorbeugend auf eine eventuelle Gefahr hinzuweisen. Andere Angler kann es hier nicht geben – der Schaberer Weiher ist ausschließlich dem Geretsrieder Verein zur Nutzung vorbehalten.

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Mittlerweile hat der Verein einen neuen Lieferanten für Salmoniden gefunden und die jungen Forellen unterhalb des Schaberer Weihers eingesetzt. An Schadensersatzansprüche denkt Bauer bisher nicht: „Erst brauchen wir das Ergebnis.“ Sollte dieses positiv ausfallen, behält sich der Verein das Recht vor, Anzeige zu erstatten.

Malachitgrün

Malachitgrün gehört zu den Triphenylmethanfarbstoffen. In der Forschung dient es zum Einfärben von Objekten, die von Pilzen befallen sind. In der Tiermedizin wird seine Wirksamkeit zur Bekämpfung von Hautparasiten und Pilzen in der Fischzucht hervorgehoben. Gerade bei Fischeiern in Zuchtbetrieben kommt es immer wieder zu Verlusten. Auf toten Eiern bilden sich Fadenpilze, die auf die noch gesunden Nachbarn übergreifen, dann ebenfalls absterben. 

Bei Zierfischen wird Malachitgrün zum Beispiel als Mittel gegen die Weißpünktchenkrankheit (Ichthyophthiriose) verwendet. Parasiten setzten sich unter der Haut oder in den Kiemen des Wirtstieres fest. Haben die Parasiten ihre Geschlechtsreife erreicht, durchbrechen sie die Haut. Befallene Fische scheuern sich an Steinen, zeigen Anzeichen von Atemnot, sind lethargisch und magern ab. Allerdings wird der Wirkstoff des Malachitgrüns im Fisch auf schwer wasserlösliche Leukobase (Verbindungen, die als Zwischenprodukt bei der Herstellung von Farbstoffen entstehen) reduziert, das sich in der Fettschicht absetzt. Die Halbwertszeit beträgt, je nach Stoffwechsel des Tieres, etwa 45 Tage.

Die Anwendung von Malachitgrün ist bei zum Verzehr bestimmten Fischen seit 2004 verboten. Es gilt eine Nulltoleranzgrenze, da der Farbstoff im Verdacht steht, bei Menschen krebserregend zu sein.

Sabine Hermsdorf-Hiss

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