Dokumentarfilm über Extremerfahrung

Ohne Handy durch die Sahara

Für den Film „Stille, Sand und Weite“ hat der Eurasburger Filmemacher Max Kronawitter eine Karawane begleitet. Am Sonntag ist er im Wolfratshauser Kino zu sehen. 

Achmühle– Der Arbeitskreis Ökumene Achmühle lud vor Kurzem zu einem beeindruckenden Filmabend ins Bürgerhaus ein. „Stille, Sand und Weite“ heißt der 90-minütige Dokumentarfilm von Max Kronawitter. Der Filmemacher aus Eurasburg begleitete zu Fuß 14 Frauen und Männer in einer Karawane durch die Sahara – auf der Suche nach Sinn und Sein. Eine Reportage in gekürzter Fassung wurde bereits im ARD ausgestrahlt.

Der Eurasburger Theologe und Filmemacher stellt mit seiner Filmproduktion Ikarus vor allem den Menschen in den Vordergrund. Drei Jahre hat er beispielsweise den Eurasburger Hans Kastler begleitet und ihn als Künstler im Film porträtiert. Kronawitter versteht es, Charakteren und Emotionen herauszuarbeiten.

Max Kronawitter mit Kamera in der Wüste

In seinem Wüstenfilm wird besonders deutlich, wie ausgeliefert der Mensch den Elementen ist, in einer Natur, die so unbarmherzig ist: sengende Hitze, kein Schatten, kein Wasser, bis zum Horizont nur seidenweicher, roter Sand. Gleichzeitig birgt diese Natur, die Kronawitter in den Szenen nachzeichnet, eine unglaubliche Schönheit im ständigen Wandel der Gezeiten. Der Begriff Mutter Erde gewinnt dabei an Bedeutung.

Es ist die Sehnsucht, sagen die Protagonisten im Film, nach „Stille, Weite und der Möglichkeit, einmal ganz zu sich zu kommen“. Keine Sicherheit, kein Zeitgefühl, kein Notruf und kein Rückflugticket. „Die Teilnehmer müssen zuvor alles abgeben. Kein Handy, keine Uhren, keine Kosmetik“, erklärt Kronawitter. Sich dem grenzenlosen Nichts auszusetzen, hinterlässt ein Gefühl, „an den Rand der Bedeutungslosigkeit zu kommen“, berichten die Teilnehmer.

Kronawitter zufolge war die erste Filmausrüstung nach vier Tagen Schrott gewesen. In allen Ritzen steckte feiner Staub und Sand. Er habe sich zuvor gut überlegt, dieses Wagnis einzugehen. Und die Erfahrung auch nicht bereut. Denn bisher habe es nie Film oder Fotomaterial über diese Wüstentour gegeben.

Bereits zum 50. Mal führt Agnes von Helmolt Menschen durch die Sahara, die eine Sehnsucht zur Stille und Weite und das Bedürfnis zur Selbsterfahrung haben. In Begleitung ortskundiger Berber und 19 vollbepackter Kamele macht sich die Reisegruppe auf den Weg. Der tägliche Marsch durch die sengende Hitze fordert Kondition und Ausdauer. Eine Selbsterfahrung, die den Kreislauf von Werden und Vergehen deutlich macht, wie die 78-jährige Protagonistin Margarete vor der Kamera erklärt. „Hier könne man die Stille hören und die Elemente so nah fühlen.“ Für Margarete ist der Marsch durch die Wüste eine Begegnung mit der Endlichkeit. Martine hingegen erlebt die Sahara als Ort der Geborgenheit.

Info

Der Dokumentarfilm von Max Kronawitter „Stille, Sand und Weite“ wird am Sonntag, 18. November, noch einmal gezeigt, diesmal im Kino Wolfratshausen. Er beginnt um 11.30 Uhr. Der Eintritt kostet sechs Euro. Andrea Weber

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Auf zum Stadtfest nach Chamalières
Bonjour Frankreich: In diesem Jahr besucht Geretsried wieder seine Partnerstadt Chamalières. Anmeldungen sind ab sofort möglich.
Auf zum Stadtfest nach Chamalières
Unfalltod ihres Mannes: Geltingerin verarbeitet Trauer in einem Buch
Ihr Mann starb an den Folgen eines tragischen Autounfalls. Ihre Trauer hat die Geltingerin Elisabeth Neumann (55) in einem Buch verarbeitet. 
Unfalltod ihres Mannes: Geltingerin verarbeitet Trauer in einem Buch
Wolfratshauser Gewerbegebiet: Hoch hinaus - bis in den sechsten Stock
Statt höchstens vier Stockwerken, darf im Westen oder Osten des Wolfratshauser Gewerbegebietes künftig bis in den sechsten Stock gebaut werden. 
Wolfratshauser Gewerbegebiet: Hoch hinaus - bis in den sechsten Stock
„Das ist keine Laufkundschaft“
ESC-Trainer Sebastian Wanner warnt seine Schützlinge vor dem schweren Match am Sonntag beim Landesliga-Spitzenreiter Amberg, das die Geretsrieder River Rats unbedingt …
„Das ist keine Laufkundschaft“

Kommentare