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Auf dem Podium (v. li.) diskutierten Bürgermeister Moritz Sappl und Herausforderin Carola Belloni. Moderiert wurde der Abend von Carl-Christian Eick.

Kommunalwahl 2020: Podiumsdiskussion in Eurasburg

Punktsieg für den Platzhirsch

  • vonRudi Stallein
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Die Bürgermeisterwahl in Eurasburg ist ein Zweikampf zwischen Amtsinhaber Moritz Sappl und Carola Belloni. Bei der Podiumsdiskussion unserer Zeitung trafen sie direkt aufeinander.  

Beuerberg Als sie Anfang dieses Jahres von den Grünen als Bürgermeisterkandidatin präsentiert wurde, versprach Carola Belloni: „Ich werde einen Wahlkampf auf Sieg führen.“ Nach der Podiumsdiskussion am Montagabend wird der Journalistin schwanen, dass sie bis zum 15. März noch einen schweren Weg vor sich hat.

Knapp 200 Bürgerinnen und Bürger hatten sich vom Orkantief „Sabine“ nicht abhalten lassen und waren in den Saal des Gasthauses Zur Mühle in Beuerberg gekommen. Die meisten von ihnen wollten in erster Linie die Herausforderin kennenlernen. Belloni war in der Gemeindepolitik bisher kaum in Erscheinung getreten. Und sie wollten sehen, wie sich die Ortssprecherin des Bund Naturschutz gegen Amtsinhaber Moritz Sappl behauptet.

Volles Haus: Knapp 200 Interessierte kamen zur Podiumsdiskussion unserer Zeitung in den Gasthof Zur Mühle nach Beuerberg.

Beim Themenkomplex „Wohnen und Leben“, mit dem Moderator Carl-Christian Eick, Redaktionsleiter des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur, die Debatte auf dem Podium eröffnete, herrschte zwischen den Kontrahenten um das höchste Amt in der Gemeinde noch weitgehend Einigkeit. Sappl (47) plädierte für „bedarfsgerechte Ortsentwicklung“, worunter er versteht, dass man „in dem Maße entwickelt, wie es der Ort verträgt“.

Wohnungsbau müsse darüber hinaus nachhaltig sein, betonte Belloni (61). „Natürlich muss geschaut werden, dass man das Gesicht der Gemeinde erhält“, so die Grünen-Kandidatin. Aber sie plädiere dafür, Dachausbauten zu ermöglichen und auf diese Weise in schon bestehenden Gebäuden ganze Wohnungen zusätzlich entstehen zu lassen. Im Hinblick auf die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum gebe es ja bereits einige Modelle, Stichwort Bruggen oder das geplante Einheimischen-Modell in Berg, „das seit Jahren in der Schublade liegt und nicht angegangen wird“. Belloni bemängelte, dass sich in der Gemeinde viele Projekte ewig lang hinzögen. Beispiel Sport- und Schulzentrum. Ihr Credo lautet: „Wir müssen Dinge ganz schnell umsetzen.“

Die Herausforderin will auf das Tempo drücken

Es müsse einfach alles ein bisschen schneller gehen, betonte die Grünen-Kandidatin immer wieder. Egal, ob es sich um sozialen Wohnungsbau, die Sportanlagen oder ein Energiekonzept handelt. Amtsinhaber Sappl hielt dagegen, indem er „Beschlusslagen“ und „Sachstände“ detailliert darlegte. „Ich verwahre mich dagegen, dass da nichts passiert ist“, echauffierte sich Sappl hinsichtlich der Entwicklung rund um den Sportplatz. „Es war eine große Kunst, das in eine Reihenfolge zu bringen.“ Dafür bekam er Beifall. Belloni konterte: „Wir brauchen jetzt mal einen großen Wurf.“

Auf Raunen und Gemurmel im Publikum stießen Bellonis Überlegungen zum Kloster Beuerberg. Dafür fehle ein kommunales Konzept, monierte sie. „Vielleicht existiert eins, aber es ist für mich nicht erkennbar.“ Das provozierte entschiedenen Widerspruch von Moritz Sappl. Er wies darauf hin – abgesehen davon, dass der Ausstellungsbetrieb inzwischen dauerhaft gesichert sei –, dass es einen weiteren Bauantrag gebe und konkrete Pläne zur Neugestaltung des Josefstrakts. „Das ist in der Ortswerkstatt, die für jeden zugänglich war, entstanden. Wer da kein Konzept sieht…“, so der Bürgermeister.

Der Amtsinhaber erläutert das Konzept für das Kloster

In ihrem Element war Belloni, wenn es um grüne Themen ging, etwa als Moderator Eick mehr über ihre Vision von einer blühenden, innovativen Gemeinde wissen wollte. „Wir müssen schauen, dass wir Natur bewahren“, sagte die Herausforderin. Es gebe viele Biotope und Ecken, wo man es wachsen lassen könne, angefangen mit Blühstreifen auf öffentlichen Flächen. Eine Herzensangelegenheit scheint ihr die Schaffung eines gemeinsamen Gartens für alle zu sein, eine Allmende, gleich neben dem Bienenhaus und der Streuobstwiese, wo „Kinder wieder lernen, wie man Garten macht“ und die Eltern gemeinsam Kartoffeln, Gemüse und Salat anbauen. Dafür gab es verhaltenen Beifall von ihren Anhängern, die sich ansonsten mit einer Unterstützung ihrer Kandidatin zurückhielten.

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In der abschließenden Fragerunde musste Moderator Eick, der routiniert durch den Abend führte, mehrmals regulierend eingreifen. War der von Belloni geäußerte Einwand, viele Gemeinderatssitzungen fänden nicht öffentlich statt, zuvor noch mit Gelächter quittiert worden, nutzten einige Gemeindevertreter nun die Gelegenheit, festzustellen, dass die Kandidatin noch nie in einer Gemeinderatssitzung gesehen worden sei. Die Herausforderin behielt die Nerven, beantwortete alle Fragen ruhig und gelassen.

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So wurde Belloni gefragt, warum sie, die lautstark bemängele, dass in der Gemeinde nichts vorangehe, sich so lange Zeit mit ihrer Entscheidung zur Kandidatur gelassen habe. Darauf erklärte die Grüne offen und ehrlich: „Ich habe mich bitten lassen. Ich habe das selbst nicht unbedingt gewollt. Aber ich finde zu einer Demokratie gehört, dass es zwei Leute braucht, zwischen denen man wählen soll. Man muss die Wahl haben.“

Die Fragen aus dem Publikum

Als Moderator Carl-Christian Eick nach gut 80 Minuten die Fragerunde für die Bürger eröffnete, war für Moritz Sappl der Abend so gut wie beendet. Denn das Interesse der Fragesteller galt in erster Linie der Herausforderin. Alexander Sebald, langjähriger Gemeinderat und Vorsitzender des Umwelt- und Energieausschusses, wollte wissen, wie die Kandidatin, deren Kollegen aus der Grünen-Fraktion sich an den von ihm initiierten Energieabenden nie beteiligt hätten, die Bürger nun mit einbeziehen wolle, um die Energiewende voranzubringen. Ihr schwebe dazu eine Bürgerversammlung vor, erläuterte Belloni. Sie könne sich aber auch Umfragen vorstellen, oder besondere Anreize. „Viele Menschen wissen nicht, welche Fördermittel es für bestimmte Maßnahmen gibt.“ Deshalb würde sie gerne „Leute ins Rathaus einladen, die uns genau zu diesem Thema Förderung etwas erzählen.“ Auf die Anmerkung, genau das habe man in der Vergangenheit getan, ohne auf Interesse zu stoßen, entgegnete die Aspirantin: „Vielleicht muss man’s noch anders machen.“

Bürgerbeteiligung sei ihr wichtig, betonte die Herausforderin mehrfach. Beispielsweise bei der von Ralf Reichenberg geäußerten Frage, was mit der Schule in Beuerberg passieren solle, wenn es Schule und Turnhalle, wie von ihr favorisiert, nur noch in Eurasburg gebe. „Natürlich ist es wichtig, das nicht einfach zu entscheiden, sondern diese ganze Thematik auch in die Öffentlichkeit zu bringen und zu fragen: Wo wollt ihr das Ding hinhaben und wo macht es vor allem Sinn?“

Die Befürchtung des CSU-Vorsitzenden Peter Pelz, die Kandidatin habe „von kaufmännischer Arbeit null Ahnung“, entkräftete Belloni mit dem Hinweis auf ihr eigenes Unternehmen, eine Olivenfarm in Spanien. „Die ist seit 40 Jahren in Familienbesitz und nie den Bach runtergegangen.“ Diese Tatsache wiederum gab Heinz Rassbichler Anlass zur Sorge. Wenn es dort „mal brenne“, können sie doch hier nicht einfach das Zeug hinschmeißen. Darauf antwortete Belloni, sie habe im Laufe ihres Lebens festgestellt, „dass man doch immer ziemlich entbehrlich ist“ und versicherte hinsichtlich ihrer Kandidatur: „Ich würde nicht nur so aus Spaß antreten. Ich kann das dann auch.“

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