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„Sehr schweren Herzens“ schließt Ro semarie Ertl Ende des Jahres ihr Ausflugslokal im Eurasburger Ortsteil Oberherrnhausen. 

Nicht wegen Corona

Rosi‘s Café macht zum Jahresende zu

  • vonRudi Stallein
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Das Café von Rosemarie Ertl in Oberherrnhausen war ein beliebtes Ausflugsziel. Jetzt macht sie zu - schweren Herzens. 

Eurasburg Seit 13 Jahren ist „Rosi`s Café“ eine beliebte Ausflugsadresse im Landkreis. Doch damit ist bald Schluss: Ende dieses Jahres sperrt Rosemarie Ertl ihr Café in Oberherrnhausen für immer zu. „Mit der Corona-Krise hat das nichts zu tun“, sagt die Chefin. „Die Entscheidung haben wir schon im vergangenen Winter getroffen.“ Rein private Gründe hätten sie zu dem Schritt bewogen. „Sehr, sehr schweren Herzens“, wie sie betont. Denn das Café sei all die Jahre eine Herzensangelegenheit gewesen.

Als Rosemarie Ertl am 1. April 2007 zum ersten Mal ihre selbst gebackenen Kuchen servierte, gab es nicht wenige, die bezweifelten, dass das gut gehen könnte – ein Café weit draußen auf dem Land, mitten im Nirgendwo. Aber das Konzept funktionierte. Die Idee war knapp zwei Jahre zuvor entstanden – im Sommer 2005, auf der Rückfahrt vom Norwegen-Urlaub, bei einer Cappuccino-Pause in einem kleinen Café. „Das hat uns so gut gefallen, dass wir spontan gesagt haben: Das können wir zu Hause auch machen“, erzählt Ehemann Michael Ertl. Auf der Weiterfahrt von Norden nach Süden quer durch Deutschland gab es nur noch ein Thema. Zurück in der Heimat machten sie sich bald daran, ihrer fixen Idee Gestalt zu geben.

Bernstein-Torte, Mango-Torte und anderes mehr

Nach und nach verwandelten sich Küche, Ess- und Wohnzimmer im Erdgeschoss ihres Hauses in ein gemütliches Café. Aus dem Partyraum im Keller wurde eine Backstube, in der die gelernte Arzthelferin seither ihre leckeren Kuchen backt – vom klassischen Käsekuchen bis zu außergewöhnlichen Kreationen wie Kaiserschmarrn-Torte, Bernstein-Torte oder Mango-Torte. Rund 20 Kuchen produziert sie jedes Wochenende, an die 1000 in einer Saison. „Es hat vom ersten Tag an gebrummt“, erinnert sich Rosi Ertl, die mit dem Projekt ihr Hobby zum Beruf gemacht hatte. Das Café entwickelte sich rasch auch zu einem beliebten Frühstückstreff.

Eine Vollzeitkraft einzustellen, ist nicht rentabel

Vor Corona war drinnen Platz für 30 Gäste, die hier auch Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen oder Familienfeiern im kleinen, individuellen Rahmen feierten. Ein Team von zehn Mitarbeiterinnen sorgte abwechselnd für den reibungslosen Service. „Die Mädels haben natürlich auch geschluckt, als wir ihnen unsere Entscheidung mitgeteilt haben. Die Stimmung war sehr traurig“, berichtet die Chefin, die von Anfang an tatkräftig von Ehemann Michael unterstützt wurde. Der Gatte hatte nicht nur den kompletten Umbau gestemmt, sondern stand auch jedes Wochenende als „Barista“ im Café hinter dem Tresen. Inzwischen sei für ihn die Doppelbelastung als angestellter Betriebselektriker und Hobby-Gastronom jedoch nicht mehr zu leisten.

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„Wir haben das Café gemeinsam mit viel Herzblut aufgebaut“, sagt Rosi Ertl. Allein könne sie Zeit und Arbeit, die ihr Mann eingebracht habe, nicht auffangen. Und eine Vollzeitkraft einzustellen, sei nicht rentabel. Deshalb habe man entschieden, sich nun auch gemeinsam von ihrem „Baby“ zu trennen. Bis zum Ende der Saison können die Gäste noch vorhandene Gutscheine einlösen. Vorerst wegen Corona noch zu beschränkten Öffnungszeiten – samstags und sonntags, sowie ab dem 24. Juli auch wieder freitags von 13 bis 18 Uhr. Wann wieder Frühstück serviert werden darf, werde auf der Internetseite mitgeteilt.

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