WGV Quarzbichl Müllentsorgung
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Ziemlich was los ist in Zeiten des Lockdown bei WGV Quarzbichl. Mögliche Erklärung: Die Leute halten sich mehr zu Hause auf, folglich wird auch mehr Müll produziert.

Wie geht‘s?

„Homeoffice war keine Option“: WGV-Geschäftsleiter Reiner Späth im Interview

  • vonRudi Stallein
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In der Reihe „Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben. Heute: Reiner Späth, Geschäftsleiter der WGV Quarzbichl.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Als der Lockdown im vergangenen Frühjahr die Menschen zwang, daheim zu bleiben, nutzen viele die Zeit, um ihre Keller zu entrümpeln. Das bekamen vor allem die Entsorgungsanlage in Quarzbichl und das Entsorgungszentrum „Am Vorberg“ zu spüren. Dort war der Andrang so groß, dass beide Gelände ein paar Wochen lang für private Anlieferer geschlossen werden mussten. Wie der Ansturm bewältigt werden konnte, erzählt Reiner Späth, Geschäftsleiter der WGV Quarzbichl im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Rudi Stallein.

Herr Späth, nach allem, was man so gehört hat, sind sie in diesem Jahr mit Müll regelrecht überrannt worden.

Späth: Ja, das kann ich bestätigen. Das war vor allem in der ersten Phase des Lockdowns so. Im März, April hatten wie eine deutlich erhöhte Frequenz. Da hatten die Leute offenbar noch nicht verinnerlicht, dass sie sich von anderen Menschen fernhalten sollten (schmunzelt). Da ging es hier richtig zu. Die Leute haben den Zeitgewinn genutzt, um zu uns zu kommen. Was von der Politik wohl so nicht gedacht gewesen war.

Wie haben Sie darauf reagiert? Gab es endlose Warteschlangen?

Späth: Davor hatte ich ein bisschen Angst, dass es sich bis auf die Kreisstraße staut. Aber das konnten wir durch die recht lange Einfahrt vermeiden. Die Folge des großen Andrangs war jedoch, dass wir vom 19. März bis zum 13. April für privaten Müll schließen mussten. Masken musste man ja damals noch nicht tragen, aber es hat niemand die Abstandsregel eingehalten. Das war einfach nicht mehr vertretbar. Später haben wir dann Absperrketten angebracht. Wenn es zu voll wurde, mussten die Leute warten.

Und das haben die klaglos akzeptiert?

Späth: Insgesamt hat das dann ganz gut funktioniert. Aber man hat gemerkt: Die Leute waren angespannter wegen der ganzen Corona-Situation. Es kam immer mal wieder zu Verbalgefechten. Wenn jemand die Kette ignoriert hat und seine Sachen trotzdem reintragen wollte, gab’s Diskussionen. Aber richtige Aggressionen haben wir nicht erlebt.

Was wurde am meisten entsorgt?

Späth: Vor allem sperrige Abfälle, der ganze Sperrmüll aus dem Haushalt. Alles, was nicht in die Restmülltonne passte. Die Abfallmengen, die in die Thermische Behandlung (Müllverbrennung, die Red.) gingen, haben um fast 50 Prozent zugenommen. Da war natürlich auch gewerblicher Abfall wie Bauschutt, Althölzer und so etwas dabei. Auch in der grauen Tonne hatten wir in der Zeit übrigens rund drei Prozent mehr Abfall als früher. Das lag nicht am Bevölkerungszuwachs. Die Menschen waren mehr zu Hause, also gab’s mehr Restmüll. Die Abfallmenge aus den gelben Tonnen hat ebenfalls um gut fünf Prozent zugenommen – das häusliche Leben macht sich da bemerkbar.

Kann man den Müll-Zuwachs schon in Zahlen fassen?

Reiner Späth, Chef der WGV Quarzbichl.

Späth: Das ist noch etwas schwierig. Aber was man sagen kann: Wir haben in der Zeit von Januar bis Oktober 2019 3950 Tonnen sperrige und gewerbliche Abfälle in die Verbrennungsanlage geschafft. Heuer waren es in derselben Zeit rund 2000 Tonnen mehr. Das sind etwa 280 Container. Anders gesagt: Fast jeden Tag hat ein Lkw-Zug zusätzlich den Hof verlassen.

Das war sicher auch für ihre Mitarbeiter eine Herausforderung. Wie haben Sie das gelöst?

Späth: Wir haben versetzte Arbeitszeiten in den Bereichen, teilweise haben wir im Schichtbetrieb gearbeitet, in der Biogas-Anlage zum Beispiel. Es war so organisiert, dass wenn ein Corona-Fall aufgetreten wäre, immer die halbe Mannschaft in Bereitschaft gewesen wäre. Wir sind hier in Quarzbichl und in Greiling insgesamt 66 Mitarbeiter. Bisher sind wir gut durchgekommen. Und mittlerweile hat es sich ja auch weitgehend normalisiert. Der große Stress war nur in der Anfangsphase.

Hat Corona für Sie auch etwas Positives gebracht?

Späth: (lacht) Die Frage habe ich noch gar nicht gehört. Tja, etwas Positives, nein, nicht wirklich. Wenn die Frage auf so etwas wie Homeoffice abzielt, das war für uns keine Option. Das kann man auf unsere Arbeit nicht übertragen. Positiv könnte man vielleicht sehen, dass man nicht alles immer in Präsenz besprechen muss, sondern auch in Videokonferenzen. Aber ich kann dem nicht viel abgewinnen.

Wie geht’s Ihnen persönlich in dieser Zeit?

Späth: Ich bin hin und hergerissen zwischen Genervtheit über die ganze Situation, Erleichterung darüber, dass wir bei uns keinen aktuellen Fall hatten und einer Verunsicherung, ob das, was wir tun, alles wirklich genug ist. Wenn hier die ganze Mannschaft in Quarantäne muss, haben wir ein Problem. Ich will das nicht überbewerten, aber es macht im Hintergrund schon latenten Druck.

In der Reihe

„Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben. Zuletzt: Ines Lobenstein vom Helferkreis Wolfratshausen

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