Eurasburgs Bürgermeister Moritz Sappl vor dem Loisachhof .
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Zentrales Projekt der Gemeinde: Bürgermeister Moritz Sappl vor dem „Loisach-Hof“, in dem im Herbst ein Rewe-Markt eröffnen soll. In den Häusern darüber vermietet die Gemeinde mehrere Wohnungen zu günstigen Mietkonditionen.

Im Gespräch mit Bürgermeister Moritz Sappl

So meistert Eurasburg die Corona-Krise

  • vonRudi Stallein
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Hinter den Bürgermeistern im Landkreis liegt ein denkwürdiges Jahr. Über die besonderen Herausforderungen in Eurasburg sprach Rudi Stallein mit Moritz Sappl.

Eurasburg – Sie hatten viel vor in Eurasburg im vergangenen Jahr. Aber wie in anderen Kommunen auch, hat Corona so manchen Plan durchkreuzt. Bei dem einen oder anderen Projekt gab es Verzögerungen, die nun zügig abgearbeitet werden sollen, zusätzlich zu etlichen weiteren Maßnahmen, die auf der umfangreichen To-do-Liste für 2021 stehen, wie Bürgermeister Moritz Sappl im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Rudi Stallein erläutert.

Herr Bürgermeister Sappl, Corona hat 2020 zu einem ganz speziellen Jahr gemacht. Wie sind Sie persönlich bisher durch die Pandemie gekommen?

Sappl: Eigentlich sehr gut. Ich bin weniger am Abend unterwegs. Diese Geburtstagsbesuche zum Beispiel, die fallen weg. Der Bürgermeister, der von Haus zu Haus geht, wäre ja der potenzielle Virenverteiler. Deshalb gibt es auch in anderen Bereichen mehr Videokonferenzen, das hat von Anfang an sehr gut funktioniert. Und privat: Wir leben in einer wunderschönen Landschaft, können raus, können laufen, spazieren gehen. Das ist ein großer Vorteil.

Was waren für die Verwaltung die größten Herausforderungen?

Sappl: Wir waren vor allem organisatorisch gefordert, haben im Rathaus in versetztem Dienst gearbeitet. Auch im Bauhof waren die Mitarbeiter komplett getrennt. Das ist dann eine andere Arbeitsweise. Man muss sich immer wieder erziehen – und erinnern, eine Maske aufzusetzen und so weiter. Das hat man erst in die Köpfe reinbringen müssen, aber das waren lösbare Sachen. Bürgerkontakte gibt es nur nach Terminvereinbarung. Doch es sind alle verständnisvoll, bleiben entspannt, wenn manche Dinge nicht so funktionieren, wie gewohnt.

Das heißt, seit März lief im Rathaus nie Normalbetrieb?

Sappl: Nein, so würde ich das nicht formulieren. Es gibt seit März Betrieb, der auch normalisiert ist, aber anders als man ihn gewohnt war. Nie Normalbetrieb, das klingt, als wenn wir außer Rand und Band wären. Das sind wir aber nicht. Wir sind strukturiert, arbeiten unsere Punkte ab. Es ist halt nicht mehr so, dass man während der klassischen Schalterzeiten einfach ohne Termin reinkommt. Aber auch da gab es viel positive Resonanz: Man kommt schneller auf den Punkt, ist schneller wieder draußen.

Sind in der lokalen Wirtschaft die Folgen von Corona schon absehbar?

Sappl: Die Unternehmen im Ort waren eigentlich die ganze Zeit über im Vollerwerb tätig. Teilweise haben sie ihre Produktion umgestellt. Bislang sind für uns keine größeren Einbußen feststellbar. Was ich ganz interessant fand: Gaststätten und Lebensmittelläden, die für die Versorgung zuständig sind, haben ihren Versorgungsauftrag sehr ernst genommen. Die haben vom ersten Tag des Lockdowns „To-Go“ angeboten und Lieferservice für Leute, die sich nicht haben selbst versorgen können.

Wieweit hat Corona die Arbeit im Gemeinderat beeinträchtigt?

Sappl: Es ist alles kompakter geworden. In den Sitzungen wurde nur das Nötigste behandelt. Das hat in Eurasburg speziell Auswirkungen auf die Themen Bodenordnung und Siedlungspolitik, das heißt die Frage: Wie wollen wir uns die nächsten Jahre aufstellen? Wie gestalten wir die räumliche Entwicklung im Ort, wie ist die Wohnraumentwicklung, wie die gewerbliche Entwicklung? Wo kann man sich was wie vorstellen? Da bedarf es doch sehr vieler Klausuren und intensiver Gespräche, wo man auch mal über einen Tag oder ein Wochenende zusammen dran arbeiten muss. Das ist leider nicht gegangen. In der Hinsicht haben wir ein Jahr verloren.

Beim Stichwort Boden fällt einem der Kunstrasenplatz ein. Dessen Baubeginn verzögert sich, was die Fußballer gar nicht amüsiert. Was ist der Grund dafür?

Sappl: Das amüsiert nicht nur die Fußballer nicht. Es ist schade, dass es jetzt so ist. Der Hintergrund: Die Gemeinde hat für die Erweiterung der Sportanlage Grundstücke erworben. Nun liegt ein Teil des Kunstrasens in einem landwirtschaftlichen Gelände. Wir sind damit im Außenbereich und der ist besonders geschützt – auch wenn es nur ein kleiner Teil ist. Deshalb gibt es jetzt eine Flächennutzungsplanänderung und einen Bebauungsplan. Das kostet uns ein Jahr, aber es ist ein sehr demokratischer Prozess. Und dann haben wir absolute Planungssicherheit. Ein kleiner Trost: Heuer werden die ersten mikroplastikfreien Kunstrasenplätze fertig. Die können wir dann schon mal testen.

Es scheint, als habe auch das soziale Wohnungsbauprojekt in Bruggen an Fahrt verloren.

Sappl: Das ist eine Folge der bereits erwähnten Bodenordnung und Siedlungspolitik. Einige Fragen, wie geht man damit um, welche Vergaberichtlinien gibt es, wer kriegt dann was, die hätten bis Ende des vergangenen Jahres geklärt sein sollen. Deshalb ist da der Entscheidungsprozess im Augenblick gehemmt, das muss man ganz klar zugeben. Aber ich kann auch die Gemeinderäte nicht dazu zwingen, in einen Abstimmungsprozess zu gehen, den ich nur online oder über die Ferne machen kann und der so weitreichende Konsequenzen für die nächsten Jahrzehnte hat.

Auch die Bürgerversammlung, die am 24. November hätte stattfinden sollen, wurde abgesetzt. Was ist den Bürgern entgangen?

Sappl: Das ist eine gute Frage. Wir haben den Jahresrechnungsbericht komplett in die Gemeindezeitung gesetzt. Da hat es jetzt jeder lesen können. Ansonsten ist das Besondere an einer Bürgerversammlung ja, dass man mit seinen Anliegen direkten Zugriff auf den Bürgermeister hat. Das ist den Bürgerinnen und Bürgern de facto entgangen. Aber den Eurasburger Bürgermeister, den kannst Du anrufen, dem kannst Du eine Mail schreiben oder WhatsApp oder was auch immer – und der antwortet auch (lacht).

Womöglich hätte es dann schon die Diskussionen zum Thema Funkmast gegeben, die jetzt verspätet gekommen sind.

Sappl: Dazu muss ich sagen: Anscheinend macht die Presse ihre Arbeit nicht richtig (mit ernster Miene) oder es liest in Beuerberg keiner die Zeitung (lacht). Aber im Ernst: Alle Sitzungen, die den Funkmast betreffen, waren öffentlich, es ist immer öffentlich angesprochen worden. Aber es ist natürlich auch so: So lange es mich nicht betrifft oder ich das Ding nicht sehe, interessiert es mich nicht. Der Gemeinderat hat ganz klar den Auftrag erteilt, auf gemeindliche Liegenschaften innerorts keinen Funkmast zuzulassen, aber außerhalb ja. Da wurde sogar auch dieser Bergrücken angesprochen. Jetzt ist er da, jetzt will man das an dieser Stelle wieder nicht. Ja (schnauft), jetzt muss man schauen, was noch passiert.

Wie sieht es sonst für das Jahr 2021 aus? Stehen heuer überhaupt noch andere Projekte an, oder muss nun erst mal aufgearbeitet werden, was liegen geblieben ist?

sappl: Es steht Vieles an für dieses Jahr, die Hochbehältersanierung zum Beispiel. Die Brücke über den Habichtgraben wird kommen. Wasserleitungsbau und Kanalinspektion für den Ort Eurasburg stehen auf der Liste, die Niederschlagsbeseitigung im Baugebiet Berg ist mit dabei. Im Kindergarten Eurasburg soll der Ergänzungsraum aufgewertet werden, in Beuerberg noch ein Mehrzweckraum hinzukommen. Der Radlweg entlang des Rathauses steht auf der Agenda. Und die Wohnungen über dem Rewe sollen Mitte des Jahres bezugsfertig sein. Deshalb brauchen wir dringend die Vergaberichtlinien.

Immer wieder Thema in den letzten Jahren war der Radweg nach Baierlach…

Sappl: … da gibt es ja den Beschluss, dass wir für den Haushalt 2022 die Punkte Mehrzweckhalle, Schulhauszusammenlegung und Radweg nach Baierlach nebeneinander hinstellen und der Gemeinderat dann entscheidet, welche Meilensteine er anpackt. Und genauso tun wir das auch. Klar ist: Das werden wir nicht gleichzeitig machen können, sondern nacheinander.

Was nehmen Sie aus diesem besonderen Jahr 2020 mit?

Sappl: Die Erfahrung, dass man, selbst wenn es mal kritisch ist, man sich in einer ungewissen Situation befindet, mit Vertrauen zueinander auch diese bewältigt. Das ist eigentlich die große Erkenntnis, die ich aus Corona mitnehme: Was alles geht, wenn man vertrauensvoll miteinander umgeht.

Eine letzte Frage: Worauf freuen Sie sich 2021 am meisten?

Sappl: Dass ich ganz normal wieder in einen Biergarten oder in ein Wirtshaus gehen kann, ohne dass ich mir überlegen muss, ob ich mich anmelden muss, oder eine Maske aufsetzen muss, und ob der Abstand passt. Und eins möchte ich noch loswerden. Wir wollen 2021 in Beuerberg die 900-Jahr-Feier feiern. Aber die Zeit arbeitet gegen uns. Die Festwoche ist vom 30. April bis 10. Mai geplant, mit Patronatstag der Bayerischen Gebirgsschützen und 175-Jahr-Feier der Musikkapelle. So wie es ausschaut, wird das nur in einem sehr kleinen Rahmen stattfinden können. Am 15. März muss die Entscheidung fallen, ob es gemacht wird oder nicht. Es zeichnet sich ab, dass es im großen Rahmen immer unmöglicher wird. Aber irgendwas wird auf jeden Fall gemacht.

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