Jetzt ist es amtlich: Auf dem Friedhof in Berg dürfen keine Grabsteine aufgestellt werden, die aus Kinderarbeit stammen.
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Jetzt ist es amtlich: Auf dem Friedhof in Berg dürfen keine Grabsteine aufgestellt werden, die aus Kinderarbeit stammen.

„Traurig, dass man so etwas beschließen muss“

Auf diesem Friedhof darf es keine Grabsteine aus Kinderarbeit mehr geben

Auf dem Friedhof im Eurasburger Ortsteil Berg dürfen ab sofort keine Grabsteine aufgestellt werden, die aus Kinderarbeit stammen. Das hat der Gemeinderat beschlossen.

Eurasburg – Schon im Juli 2016 hat der Bayerische Landtag einen Beschluss gefasst, der es den Kommunen im Freistaat erleichtern sollte, die Verwendung von Grabsteinen aus Kinderarbeit zu verbieten. Seither sind bald fünf Jahre ins Land gezogen, passiert ist jedoch vergleichsweise wenig, wie eine Anfrage der SPD im Landtag Ende 2019 ergab.

Nun haben die Eurasburger Grünen das Thema aufgegriffen und einen Antrag im Gemeinderat eingebracht, die Friedhofs- und Bestattungssatzung der Gemeinde entsprechend anzupassen: Künftig sollen „Grabsteine und Grabeinfassungen aus Naturstein nur aufgestellt werden dürfen, wenn sie nachweislich ohne jegliche Form von Kinderarbeit hergestellt worden sind.“ Ergänzend heißt es in dem Antrag: „Die Herstellung umfasst sämtliche Bearbeitungsschritte von der Gewinnung des Natursteins bis zum Endprodukt.“

Steinmetz empfiehlt: „Nehmt nur Steine aus der Region“

Der Antrag wurde vom Gemeinderat ohne große Diskussionen einstimmig angenommen. „Kinderarbeit ist in dem Bereich erschreckend hoch“, hatte Jakob Koch noch einmal deutlich gemacht. Dass man das nicht unterstützen wolle, darüber herrschten im Gremium keine zwei Meinungen. „Es will niemand Kinderarbeit“, betonte Bürgermeister Moritz Sappl und zitierte den Steinmetz der Gemeinde, Martin Hebding-Becker, der ihm im Gespräch empfohlen habe: „Nehmt nur Steine aus der Region, dann seid Ihr auf der sicheren Seite.“ Peter Goepfert sagte, er „finde es traurig, dass man so etwas beschließen muss und das Wort Kinderarbeit dabei überhaupt ins Gespräch kommt.“ Gleichzeitig gab der Dienstälteste in der Runde zu bedenken: „Wir beruhigen unser Gewissen. Dessen sollten wir uns klar sein.“ Mit anderen Worten: Das Problem ist damit nicht gelöst. Maria Urban merkte an, dass im Hinblick auf Kinderarbeit „Küchenarbeitsplatten ein viel größerer Markt“ seien.

Der Beschluss, die Friedhofs- und Bestattungssatzung entsprechend zu ändern, fiel einstimmig aus. Er gilt aber nur für den gemeindeeigenen Friedhof im Ortsteil Berg. Grünen-Rat Jakob Koch erklärte: „Kirchliche Träger sind angehalten, es ebenso zu machen.“

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