Das Strafgesetzbuch und ein Richterhammer
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Im Namen des Volkes: Wegen Volksverhetzung wurden ein Eurasburger und ein Geretsrieder zu mehrmonatigen Bewährungsstrafen verurteilt. symbolFoto: dpa

Wegen Nazi-Parolen vor dem Amtsgericht

Verurteilt wegen Volksverhetzung: Zwei 21-Jährige zogen grölend durch Eurasburg

  • vonRudi Stallein
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Die Parolen waren von der hässlichsten Sorte: Zwei 21-jährige Burschen wurden vom Wolfratshauser Amtsgericht wegen Volksverhetzung verurteilt. Für beide ist es nicht die erste Vorstrafe.

Eurasburg/Wolfratshausen – Erst leerten sie am Ufer der Loisach einen Kasten Bier, dann zogen zwei 21-jährige Burschen Naziparolen grölend durch Eurasburg: Nun wurden ein Eurasburger und ein Geretsrieder wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Volksverhetzung vom Amtsgericht Wolfratshausen jeweils zu mehrmonatigen Haftstrafen auf Bewährung verurteilt.

Das gehört sich unter allen Umständen nicht. Ich schäme mich dafür“

Der Angeklagte aus Geretsried

Den jungen Männern war der Auftritt, den sie am Abend des 30. Oktobers vorigen Jahres abgeliefert hatten, sichtlich peinlich. „Das gehört sich unter allen Umständen nicht. Ich schäme mich dafür“, ließ der Geretsrieder seinen Verteidiger in einer gemeinsam verfassten Erklärung verlesen. Wahrscheinlich, da waren sich beide einig, hätten sie sich durch den Alkohol (bei dem Eurasburger war später ein Wert von knapp zwei Promille festgestellt worden) und die Musik von Rammstein und Böhse Onkelz hochgeschaukelt.

Beide versichern vor Gericht, nicht gegen Ausländer zu haben

Auf dem Weg von der Loisach zum Sportplatz riefen sie laut „Heil Hitler“ und zeigten den Hitler-Gruß. Und sie schrien Sprüche wie „Schwarze und Juden raus aus Deutschland“ und „Alle Neger und Juden gehören vergast“. „Gefühlsmäßig waren wir wie im Stadion unterwegs – wir hätten alles schreien können“, sagte der Geretsrieder. Beide versicherten, nichts gegen Ausländer zu haben, sondern mit vielen Ausländern zusammenzuarbeiten.

Angeklagte wurden schon mehrfach verurteilt

Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden: Sie hatten bereits wegen unterschiedlicher Delikte Kontakt mit dem Jugendgericht. Der Eurasburger brachte vier Einträge mit, drei davon wegen Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz, einen wegen Sachbeschädigung, außerdem hatte er bereits Jugendarreste verbüßen müssen. „Daraus habe ich gelernt, dass man eigentlich keinen Schwachsinn mehr macht“, sagte er kleinlaut.

Eine Verurteilung weniger, dafür aber außer Arresterfahrung auch eine offene Jugendstrafe zur Bewährung, belasteten den Geretsrieder. „Deshalb ärgere ich mich selbst am meisten“, beteuerte er. Ihm sei sehr schnell bewusst geworden, dass er mit seiner Grölerei die Bewährung aufs Spiel gesetzt hatte. „Aber wer so etwas macht, der muss mit den Konsequenzen leben“, zeigte er sich einsichtig. Er war bereits in „Vorleistung“ getreten, hatte nach dem peinlichen Vorfall insgesamt 1800 Euro an „EXIT-Deutschland“ gespendet. Das ist eine Initiative, die Menschen hilft, die mit dem Rechtsextremismus brechen und sich ein neues Leben aufbauen wollen.

Beide erhalten Bewährungsstrafen

Richter Helmut Berger verurteilte den Geretsrieder zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten, die er entgegen dem Antrag der Staatsanwältin noch einmal zur Bewährung aussetzte. Als Auflage muss der Verurteilte noch 500 Euro an den Verein Arbeit für Jugend zahlen. Sein Freund kam mit sechs Monaten davon, deren Vollstreckung ebenfalls für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Eurasburger muss zudem 1500 Euro in monatlichen Raten von 250 Euro an die Nachbarschaftshilfe Bürger für Bürger zahlen.

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