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Hanfanbau im großen Stil – in Sachsen ist dies Realität: Walter Mauk hält viel von der vielseitig verwendbaren Pflanze und wünscht sich auch hier mehr Mut zum Anbau.

Landwirtschaft

Warum Walter Mauk mehr Hanf wachsen sehen will

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Er bezeichnet es als „meinen Auftrag“: Der ehemalige Landwirt Walter Mauk möchte hiesige Bauern dazu bewegen, wieder mehr Hanf anzubauen.

Beuerberg– Walter Mauk ist ein Mann der Gegensätze. Er ist dickköpfig, aber auch wohltätig. Er kann streitbar sein, auf der anderen Seite auch liebenswürdig und humorvoll. Kurz vor der Europawahl, als die Wolfratshauser CSU Besuch von ihrer Europaparlamentarierin Angelika Niebler bekam, offenbarte der Beuerberger wieder mal ein paar dieser Facetten. Niebler, der Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber und MdB Alexander Radwan wollten über Europa diskutieren, Mauklieber über Hanf. „Das war lustig“, sagt der 85-Jährige: „Ich habe ihnen gesagt, ich hab’ heute ein Massel. Ich treffe einen vom Landtag, einen aus dem Bundestag und jemanden aus dem Europäischen Parlament. Diese Chance muss ich nutzen.“

Mauk legte Niebler die Lektüre eines Buchs ans Herz, das er mitgebracht hatte. Das solle sie lesen, es dann an Radwan weitergeben, der es im Anschluss an Bachhuber, „und von ihm hole ich es mir in ein paar Wochen wieder“. Die Reaktion? „Frau Niebler war noch die Netteste. Die anderen beiden waren etwas pikiert.“ Mauk grinst wieder: „Das sieht man auch auf dem Foto“, sagt er und deutet auf einen Zeitungsbericht über diese Veranstaltung. Mauk macht inzwischen viel über den Humor. „In meinem Alter, ich werde 86, kann ich mir das ein bisserl mehr erlauben als als junger Spund. Nennen wir es Narrenfreiheit.“

Mit dem Thema Hanf, mit dem Mauk nun auch in der Redaktion unserer Zeitung aufschlug, ist es ihm aber sehr ernst. Durch Zufall sei er vor ein paar Monaten darauf gestoßen, sagt der ehemalige Landwirt. Daraufhin besorgte er sich besagtes Buch von Jack Herer mit dem Titel „Die Wiederentdeckung der Naturpflanze Hanf“ – und war „begeistert“. Der Autor, ein 2010 verstorbener US-amerikanischer Öko-Aktivist, beziehe sich in seinem Buch, mittlerweile ein Standardwerk für Hanfbauern, auf Amerika, sagt Mauk, „aber das kann man eins zu eins übertragen auf uns“. Nebenbei bemerkt, sagt der 85-Jährige und grinst wieder verschmitzt, „übernehmen wir ja sonst jeden Schmarrn von drüben“. Warum also nicht auch etwas Gutes?

Der Gesellschaft hier die Vorzüge der Nutzpflanze Hanf näherzubringen, empfindet Maul als „Auftrag“, vielleicht seinen letzten. Er sei gläubig, wenn auch nicht „mit dem ganzen Summs“ der Kirche einverstanden, erzählt er. „Ich glaube, dass es da oben einen gibt, der mich lenkt und mir hilft.“ Ihm danke er, dass er – mit einigen körperlichen Zipperlein, aber bei klarem Verstand – so alt geworden ist. Dieser eine, „wie er heißt, ist mir wurscht“, habe ihm etwas aufgetragen. „Und ich brauche auch eine Aufgabe, denn nur mit Kreuzworträtseln möchte ich mich nicht beschäftigen.“

Konkret geht es dem Beuerberger darum, den Landwirten den Anbau von Hanf schmackhaft zu machen. Warum? „Mit dem Hanf lässt sich der Boden verbessern. Nach dem Hanf kann man Weizen anbauen, ohne spritzen zu müssen, weil der Hanf das Unkraut unterdrückt.“ Dieser Vorteil falle hier allerdings nicht so ins Gewicht, „weil wir hauptsächlich Grünland haben“. Zweiter Vorteil: Dem Hanf werden diverse medizinische Wirksamkeiten zugeschrieben. Mauks Enkelin – ihr hatten Ärzte aufgrund einer Augenkrankheit prognostiziert, mit 40 blind zu sein – geht es immer noch gut, dank medizinischen Cannabis’. „Drittens“, so Mauk, „kann Hanf vieles ersetzen, was heute aus Kunststoff ist“ – und als Mikroplastik in den Meeren landet. „Hanf dagegen verrottet rückstandsfrei.“

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Mauks Tochter hat seine Landwirtschaft – 110 Hektar, die Hälfte davon Golfplatz – längst übernommen. „Sie ist über die Möglichkeiten von Hanf ebenfalls begeistert und überlegt derzeit, wie sie das Thema auf unserem Grünland umsetzt“, sagt Walter Mauk. Zunächst sei aber eine Röste in der Nähe notwendig. Aktuell steht die nächste in Schrobenhausen.

Einst war Mauk unter anderem Gemeinderat, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft für sechs Landkreise. Jetzt hat er kein Amt mehr, darüber ist er froh. „Früher, wenn ich eine Idee hatte, musste die in einem Verband oder in einem Verein erst diskutiert werden – bis sie am Ende zerredet war. Jetzt spreche ich für mich. Wenn ich nichts erreiche, habe ich halt versagt.“

peb

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