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Die Medailleingewinnerin und ihr Trainer: Johanna Hagn mit dem verstorbenen Kurt Polzer.

Hagns unvergessliche Medaille

Ex-Olympioniken erinnern sich an ihre Medaillenhoffnung

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Olympia lässt kaum jemanden kalt. Erst recht nicht die ehemaligen Teilnehmer wie Florian Wanner und Johanna Hagn. Die beiden Ex-Judokas des SC Beuerberg schwelgen noch heute in Erinnerungen.

Hagn und Wanner haben vieles gemeinsam: Die beiden Judo-Ausnahmetalente sind in Wolfratshausen geboren, sie kämpften unter Trainer Kurt Polzer für den SC Beuerberg, wurden Weltmeister und starteten bei den Olympischen Spielen.

Hagn hat sich mit dem Gewinn des Weltmeister-Titels und der olympischen Bronzemedaille ein Denkmal gesetzt. Dies spürt die 43-Jährige immer, wenn sportliche Großereignisse anstehen. Dann nämlich häufen sich die Autogramm-Anfragen von Fans – auch wenn ihre größten Erfolge schon zwei Jahrzehnte zurückliegen. Hagn erfüllt solche Wünsche mit Vergnügen. Sie sagt: „Wer so etwas als lästig empfindet, muss schon eine eigene Art Mensch sein. Ohne Fans, ohne Leute, die hinter einem stehen, ist doch alles nur halb so schön.“ Gerne erinnert sie sich zum Beispiel daran, wie sie nach den olympischen Sommerspielen 1996 von über 100 Fans und einer Blaskapelle am Münchner Flughafen empfangen wurde: „Ein Riesen-Ding.“

Medaillen sind das eine, die Erlebnisse das andere. Wenn Hagn an Olympia 1996 in Atlanta denkt, kommt ihr als erstes der Moment in Erinnerung, an dem sie erfuhr, dass sie nominiert ist: „Das war ein Riesen-Glücksgefühl.“ Jahrelang hatte sie diesem Moment entgegengefiebert, sieben Mal wöchentlich bis zu dreimal täglich trainiert. „Man denkt da schon zurück, was man dafür alles auf sich genommen hat.“

Ebenso unvergesslich wie der Moment der Nominierung ist für sie das Leben im olympischen Dorf: „Plötzlich steht man neben Leuten, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt.“ Hagn hat kein Verständnis für Sportler, die sich abkapseln: „Da geht doch das ganze olympische Feeling verloren.“

Florian Wanner, Ex-Judoka aus Königsdorf

Auch Florian Wanner freute sich über die Begegnungen mit anderen Sportlern. Darunter waren einige Promis. Beispielsweise die Jahrhundert-Schwimmerin Franziska van Almsick, der Wunderläufer Haile Gebrselassie oder der Radfahrer Jan Ulrich, zweifacher Medaillengewinner in Sidney. Noch beeindruckender als die Begegnungen mit den Superstars war für Wanner jedoch der Einmarsch der Athleten bei der Eröffnungsfeier: „Die Atmosphäre in Sidney – das war eine einmalige Geschichte.“

Dass es mit der erträumten Medaille nicht geklappt hat, ist für Wanner nicht mehr als eine Randnotiz: „Es ist nicht so, dass ich deswegen heute noch unglücklich bin“, sagt der 37-Jährige und lacht. „Die Plätze neun und sieben sind ja auch keine schlechten Platzierungen.“

Nach den Olympischen Spielen 2004 in Athen verabschiedete sich Florian Wanner von der Nationalmannschaft, kämpfte noch ein Jahr in der Bundesliga und wurde Deutscher Vize-Meister. In einen Judo-Anzug schlüpfte er nur noch ein einziges Mal: Im Jahr 2010 während seines Studiums in Cambridge kämpfte er gegen die Erzrivalen von der Universität Oxford beim ältesten Judo-Mannschafts-Wettkampf Europas. Cambridge verlor mit 2:6, doch Wanner ging in seinem letzten Kampf als Sieger von der Matte.

Heute wohnt Florian Wanner in Bamberg und arbeitet im Vertrieb eines Verpackungs-Unternehmens. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, gibt er sein Wissen als Stützpunkt-Trainer weiter. „Wenn es zeitlich klappt, werde ich mir die Olympischen Spiele in Rio im Fernsehen anschauen“, sagt er. „Aber nicht mehr so verrückt wie früher. Jetzt gibt es doch eine gewisse Distanz.“

Hagn fiebert wie eh und je mit den deutschen Athleten mit, und das aus gutem Grund: Sie leitet eine der 15 Sport-Fördergruppen der Bundeswehr und hat 16 Olympia-Starter unter ihren Fittichen.

von Patrick Staar

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