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„Die Liebe war schuld“: Vor einigen Jahren zog die gebürtige Sächsin Katarina Sultzer zu ihrem Lebensgefährten nach Eurasburg. Sie trat der örtlichen Feuerwehr bei – und ist mittlerweile Vize-Kommandantin der Eurasburger Wehr.

Erste weibliche Führungskraft bei den Feuerwehren im Landkreis 

Alle Herren hören auf ihr Kommando

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Die Feuerwehr ist angeblich eine Männerdomäne. Stimmt nicht: In Eurasburg hat Katarina Sultzer das Kommando.

Eurasburg– Nein, gedacht hätte Katarina Sultzer aus Naunhof bei Leipzig nicht, dass sie einmal Zweite Kommandantin im 500 Kilometer entfernten Eurasburg werden würde. Doch genau das ist passiert – und zudem ist sie die erste weibliche Führungskraft bei den Feuerwehren im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

„In Sachsen darf man schon mit zehn Jahren zur Feuerwehr“, berichtet Sultzer. Und da sowohl ihre beiden älteren Geschwister als auch ihr Zwillingsbruder diesen Weg gegangen sind, „und ich eh schon immer das Bedürfnis hatte, anderen zu helfen“, war dies für die 33-Jährige die einzig logische Entscheidung.

An ihren ersten Einsatz kann sich Sultzer noch gut erinnern: „Ein schwerer Verkehrsunfall mit einem Todesopfer.“ Doch die damals 18-Jährige hat ihre Lehren daraus gezogen: „Es war ein Schock, gleichzeitig aber half mir das Wissen, dass ein Netzwerk hinter mir steht, das mich im Notfall auffängt.“ Eine Erfahrung, die Sultzer auch heute noch Sicherheit gibt und das sie an ihre Kameraden vermittelt.

In die Voralpenland-Gemeinde kam Sultzer aus einem klassischem Grund: „Die Liebe war schuld“, sagt sie. Die Feuerwehren aus Eurasburg und Naunhof verbindet eine langjährige Freundschaft. „Und bei einem Besuch der Eurasburger 2003 kam ein gewisser Mathias Petito mit mir ins Gespräch. Eigentlich wollte er mich mit einem Freund verkuppeln“, erzählt Sultzer und lacht. „Das wurde dann zum Eigentor.“ Man tauschte Telefonnummern und nach einem Jahr beschloss die gelernte Physiotherapeutin, ihre Koffer zu packen und nach Eurasburg zu ziehen. Heute arbeitet sie als Elektronikerin für Energie- und Gebäudetechnik in der Firma ihres Lebensgefährten. Der Partner als Chef? „Es klappt hervorragend“, sagt Sultzer im Gespräch mit unserer Zeitung. „Und jetzt ist ja der Ausgleich da: Er ist mein Vorgesetzter in der Firma, ich seine Chefin bei der Feuerwehr.“

Für die Eurasburgerin war von Anfang an klar, sich auch in der neuen Heimat in diesem Ehrenamt zu engagieren. Im Laufe der Zeit folgten, fast schon im Zweijahresabstand, Fortbildungen, darunter Absturzsicherung, Gruppenführung, Atemschutz. Dass sie zur Vize-Kommandantin gewählt wurde, kam für die 33-Jährige nicht überraschend. „Unsere beiden bisherigen Führungskräfte, Dirk Winterhalter und Alfred Hittaler, hatten frühzeitig angekündigt, nicht mehr kandidieren zu wollen. Also konnten wir uns in der Mannschaft rechtzeitig Gedanken um die Nachfolge machen.“ Das hieß für Sultzer, dass sie genug Zeit bekam, in ihre neue Aufgabe hineinzuwachsen. „Ein Punkt, für den ich dankbar bin. Der neue Erste Kommandant Hans Rammelmaier und ich bilden ein wirklich gutes Team.“

Die Verantwortung, die sie trägt, ist groß. „Man liest nach der Alarmierung das Einsatzfax und versucht sich auf dem Weg zum Einsatzort alle Möglichkeiten, die einen erwarten könnten, vorzustellen. Das hilft, um schneller handeln zu können.“ Auch welche Kameraden mit zum Einsatzort fahren, spielt eine Rolle. „Wir haben Neulinge, Quereinsteiger und erfahrene Hasen – dementsprechend werden die Konstellationen gebildet und die Aufgaben verteilt.“ Angst, bei Einsätzen eine falsche Entscheidung zu treffen, hat Sultzer nicht. „Aber Respekt.“ Oberste Priorität: „Dass alle Kameraden wieder gesund nach Hause kommen.“

Die Reaktionen aus den anderen Wehren auf ihre Wahl waren „durchweg positiv“, berichtet. Überhaupt hatte sie nie das Gefühl, anders als ihre männlichen Kollegen behandelt zu werden. Den Wahltag hat Sultzer als etwas Besonderes in Erinnerung. „Ich war aufgeregt. Riesig gefreut hat mich vor allem, dass wir anschließend alle zusammen gesessen sind und geratscht haben. Das hat mir gezeigt, dass die ganze Mannschaft hinter mir steht, ich bin richtig erleichtert nach Hause gefahren.“

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