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Das Züchten von Hasen liegt bei der Eurasburger Familie Hartmann – hier der neunjährige Enkel Sebastian – im Blut.

Nur ein Hobby für alte Hasen?

Frohe Ostern! Haben Sie Lust, Kaninchen zu züchten?

Bad Tölz-Wolfratshausen – Schlechte Zeiten für Deutsche Widder, Chinchillas und Zwergschecken. Kaum mehr junge Leute könnten sich für das Hobby der Kaninchenzucht begeistern, klagen die Vereine.

„Na, da bin ich wieder“, sagt Albin Hartmann laut und deutlich, bevor er sich den Hasenställen nähert. Es sei wichtig, sich schon von Weitem bemerkbar zu machen, sonst würden die Tiere erschrecken und wie wild umherhoppeln, weiß der 70-jährige Eurasburger. Er ist seit 30 Jahren Kreiszuchtwart für 22 Vereine zwischen München und Penzberg sowie Vorsitzender des Kaninchenzuchtvereins B 33 Schäftlarn.

In Hartmanns 90 mal 1,20 Meter großen Käfigen tummeln sich 50 Deutsche, schneeweiße Riesen. Zwei Europameister, einen Rammler und eine Häsin sowie vier bayerische Clubsieger nennt der Rentner stolz sein Eigen. Eine Häsin hat gerade geworfen, der putzige Nachwuchs einer anderen schaut neugierig durchs Gitter. Hinter dem idyllischen Bild steckt viel Arbeit. Morgens und abends verbringt Albin Hartmann je eine Dreiviertelstunde mit Füttern. Streicheleinheiten und ein paar nette Worte für seine Lieblinge dürfen dabei nicht fehlen. Einmal in der Woche mistet er aus. „Das ergibt einen ganzen Hänger voll schmutzigem Stroh“, sagt er. Hinzu kommt die Zeit fürs Bürsten, vor allem während des Fellwechsels, fürs regelmäßige Krallenschneiden und für Gesundheitschecks.

„Die Jüngeren schreckt dieses verantwortungsvolle Hobby ab. Die wollen ihre Freizeit, ihren Urlaub haben“, stellt der Rentner fest. Im Schäftlarner Zuchtverein würden nur noch drei von 50 Mitgliedern aktiv züchten. Die Hoffnungen ruhen auf der Jugendgruppe. Laut dem Vorsitzenden sind viele Kinder und Jugendliche anfangs mit Begeisterung dabei. Wegen der Schule und anderen Interessen würden die meisten aber bald wieder austreten. Hartmann würde sich wünschen, dass sein neunjähriger Enkel einmal in seine Fußstapfen tritt. „Das Hasenzüchten liegt unserer Familie im Blut“, sagt er. Hartmanns Ehefrau, seine beiden Söhne – sie alle helfen mit und aus, wenn der 70-Jährige einmal krank ist, was allerdings selten vorkommt. Denn: „Die Beschäftigung mit diesen braven Tieren hält mich fit.“

Nicht viel besser um den – menschlichen wie tierischen – Nachwuchs bestellt ist es beim Kaninchenzuchtverein B 32 Wolfratshausen. Die Vorsitzende Inge Pauli aus Ebenhausen hält Zwergwidder perlfehfarbig und Rexzwerge. Damit gehört sie zu den fünf der 22 Vereinsmitglieder, die noch züchten. Immerhin: Ein 17-Jähriger ist darunter. „Er ist Feuer und Flamme“, freut sich Pauli. Abgesehen von dem jungen Mann liege der Altersdurchschnitt im Verein aber eher um die 65 Jahre. Inge Pauli und ihr Ehemann sind jeweils über 70.

Die Ebenhauserin nennt die Vorteile einer Mitgliedschaft: Erfahrene Zuchtwarte und Preisrichter, die regelmäßig Schulungen besuchten, würden Neulinge optimal beraten bei der Anschaffung der ersten Tiere, beim Stallbau, bei der Pflege und Vermehrung. Ein Karnickel kostet laut der ehemaligen Preisrichterin zwischen 35 und 200 Euro, je nach Rasse. Ausgaben und Einnahmen würden sich ungefähr die Waage halten, wenn man die Jungen erfolgreich verkaufe, sagt Pauli. Die Arbeitszeit dürfe man aber nicht in diese Kalkulation einbeziehen.

Inge Paulis persönlicher Beweggrund zu züchten ist seit 35 Jahren „die Liebe zum Tier, die Freude am Wachsen und Gedeihen“. Wenn jetzt im Frühling die kleinen Häschen auf die Welt kommen, sei das „die glücklichste Zeit“, sagt die Ebenhauserin.

tal

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