Eine Hecke.
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Streitpunkt: Die gestutzte Feldhecke in Eurasburg.

Umweltschützer schlugen Alarm

Gemeinde ließ Feldhecke in Eurasburg stutzen: Das sagt die Naturschutzbehörde dazu

  • vonRudi Stallein
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Eine gestutzte Feldhecke in Eurasburg brachte Naturschützer auf die Palme. Die Naturschutzbehörde hat allerdings „fachlich wenig einzuwenden“.

Eurasburg – Die Entrüstung war groß. Eine mehrere 100 Meter lange Feldhecke, Teil des sogenannten „Ökokontos“ der Gemeinde Eurasburg, war zur Hälfte radikal gestutzt worden. Naturschützer beklagten die „Rodung“ des sensiblen Biotops (wir berichteten). Inzwischen hat sich die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamts Bad Tölz-Wolfratshausen ein Bild von der Hecke am Windbichl zwischen den Ortsteilen Happerg und Haidach gemacht und kommt zu dem Ergebnis: Aus fachlicher Sicht ist wenig einzuwenden. Bei der Maßnahme handele es sich nicht, wie in der Presse zu lesen war, um eine „Rodung“. Diese setze laut Artikel 9 des Bayerischen Waldgesetzes eine Änderung der Bodennutzungsart voraus. „Dies ist hier nicht der Fall, da die Sträucher an Ort und Stelle wieder austreiben können und nicht entfernt wurden“, zitiert Bürgermeister Moritz Sappl aus dem Untersuchungsbericht der Behörde.

Nach Artikel 16 des Bayerischen Naturschutzgesetzes sei es verboten in der freien Natur „Hecken (…) zu roden, abzuschneiden, zu fällen oder auf sonstige Weise erheblich zu beeinträchtigen.“ Dies gelte jedoch nicht „für die ordnungsgemäße Nutzung und Pflege im Zeitraum zwischen dem 1. Oktober und dem 28. Februar, die den Bestand erhält, schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses, sowie Maßnahmen, die zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit erforderlich sind.“

Das Empfinden sollte da sein, dass man das nicht so rasiert, dass die Hecke ihren Nutzen verliert. Das wollten wir zum Ausdruck bringen und ich denke, es ist angekommen.“

Wolfgang Neuerburg, Sprecher der Agenda 21

Vor allem Letzteres führt der Bürgermeister als Grund dafür an, weshalb die Gemeinde einen „Landschafts- und Gartenbau-Dienstleister“ damit beauftragt hatte, den parallel verlaufenden Wirtschaftsweg freizuschneiden. „Es hätte nicht so heftig ausfallen müssen“, räumte Sappl ein. Was auch nicht nötig gewesen wäre, wenn die Hecke etwa alle fünf Meter abschnittsweise zurückgeschnitten worden wäre.

Im nächsten Herbst will man sich ein Bild machen

„Man hätte sie pflegen können und müssen“, moniert Wolfgang Neuerburg. Der Sprecher der Eurasburger Agenda 21 hatte sich in dieser Woche mit den weiteren Agenda-Mitgliedern Josef Baur und Sibylle Tauchmann sowie der Umweltbeauftragten Carola Belloni (alle vier waren vor 17 Jahren bei der Pflanzung der Hecke dabei) zum Gespräch mit dem Bürgermeister getroffen. Auch wenn die Naturschutzbehörde der Meinung sei, der Beschnitt sei „zwar ein bisschen grob ausgefallen, aber insgesamt okay“, sehe er das „ein bisschen anders“, sagte Neuerburg. Ihm und seinen Mitstreitern war vor allem die Art und Weise ziemlich aufgestoßen. „Das Empfinden sollte da sein, dass man das nicht so rasiert, dass die Hecke ihren Nutzen verliert. Das wollten wir zum Ausdruck bringen und ich denke, es ist angekommen“, betonte der Agenda-Sprecher. „Es ist hier einiges schiefgelaufen, aber wir haben eine Linie gefunden, wie künftig verfahren werden soll.“

Wie weit Bestand und Nutzen der Hecke trotz des radikalen Eingriffs erhalten geblieben sind, davon wolle man sich im nächsten Herbst ein Bild machen. „Am Jahresende wollen wir uns die Fläche anschauen und sehen, was ausgetrieben ist, oder ob man was tun muss“, fasst Bürgermeister Moritz Sappl das Fazit der Gesprächsrunde zusammen. „Im Augenblick besteht kein Handlungsbedarf.“ (rst)

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