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Freut sich auf die Aufführung am Mittwoch: Claus Steigenberger, hier am Sebastianisteg in Wolfratshausen, spielt in dem Western den Totengräber, der zu allem Möglichen seinen Kommentar abgibt. 

Claus Steigenberger beim Singspiel dabei

High Noon am Nockherberg

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Nur noch wenige Tage, und am Nockherberg wird wieder nach Kräften derbleckt. Mit dabei: Claus Steigenberger aus Beuerberg. Er wird in dem Western „Die glorreiche 7“ einen Totengräber mimen.

Beuerberg/München – Es war irgendwann im Dezember, da klingelte daheim bei Schauspieler und Kabarettist Claus Steigenberger (59) das Telefon. Dran waren alte Bekannte. Den einen, Stefan Betz, kannte er aus gemeinsamen Tagen bei der BR-Satire-Sendung „Spezlwirtschaft“. Der andere, Richard Oehmann, war einst in einer von seinen Revuen aufgetreten. Den beiden ging es aber nicht darum, in Erinnerungen zu schwelgen. Sie wollte mit ihm über etwas Aktuelles reden. Den Nockherberg. Den Gipfel des bayerischen Kabaretts.

Das hatte damit zu tun, dass Betz und Oehmann neuerdings verantwortlich für das Singspiel sind, der eine als Regisseur, der andere als Autor. „Sie haben einen hageren, ausgemergelten Typen gesucht“, erzählt Steigenberger. „Und da haben sie sich halt an mich erinnert.“ In der Folge war es zwar nicht ganz einfach, sich aus der Verpflichtung als Sprech-Coach für „Dahoam is dahoam“ einen Monat auszuklinken. Doch am Ende überzeugte er seinen Arbeitgeber. „Man hat dann schon akzeptiert, dass ich da unbedingt hinwill.“

Was es auf dem Nockherberg Spektakuläres zu hören und zu sehen gibt, ist Jahr für Jahr ein gut gehütetes Geheimnis. Da macht Claus Steigenberger keine Ausnahme. Nachdem am Freitag während einer Pressekonferenz immerhin öffentlich geworden war, dass die Handlung einen Western zum Vorbild hat, gibt er immerhin preis, wen er mimen wird: einen Totengräber. „Er tritt immer wieder auf und gibt seinen Senf dazu“, erzählt er. Also einen Wutbürger? „Ja, in die Richtung geht es schon.“ Wer mehr erfahren will, muss am kommenden Mittwoch den Fernseher einschalten.

So viel Erfahrung Steigenberger auch auf der Bühne und im Fernsehen gesammelt hat – ein bisschen nervös war er doch, dass er als Neuling zu einer eingespielten Truppe gestoßen ist. Stephan Zinner gibt schon ewig den Söder, Christoph Zrenner schon ewig den Seehofer, Angela Ascher schon ewig die Ilse Aigner. „Da muss man sich als Neuling immer erst einmal einfinden“, sagt er. Das ging ganz unkompliziert. „Es war und ist eine ganz tolle gemeinsame Arbeit.“

Mit skurrilen Rollen hat Steigenberger – zwischen Isar und Loisach als Mitglied der legendären „Narrenschaukel“ bekannt – durchaus schon Erfahrung gesammelt. So stellte er einst in der Pasinger „Fabrik“ in der bayerischen Übersetzung einer altgriechischen Komödie das Geld dar. Ja, das Geld. Es erging ihm in Person so, wie es dem Geld eben ergeht: Jeder wollte ihn zum Freund, aber er wusste nicht, wem er trauen soll. Am Schluss wurde er aus irgendwelchen Gründen sogar geblendet. „Das war ähnlich abseitig wie die Rolle am Nockherberg.“

Den Umgang mit Politikern, die im Publikum sitzen, ist er als Kabarettist gewöhnt. So kann sich Steigenberger gut daran erinnern, wie er einst den ehemaligen Bürgermeister Erich Brockard durch den Kakao gezogen hat. Als die Nummer gerade vorbei war, trat der Rathauschef persönlich ein. Das Gejohle deutete der Politiker falsch und verbeugte sich. Die Folge: Das Publikum lachte noch mehr. Das Ganze nahm Brockard keineswegs übel. Stattdessen erschien am nächsten Tag pünktlich zur Aufführung, um mit eigenen Augen zu sehen, wie er verulkt wird. Danach lud er die Künstler zum Essen ein. „Das war sehr sympathisch und sehr souverän von ihm“, erinnert sich der Beuerberger.

Inzwischen steigt bei Steigenberger die Nervosität, sind ja schließlich nur noch ein paar Tage bis High Noon, um in der Sprache des Westerns zu bleiben. Im Saal werden deutlich über 500 gespannte Zuschauer sitzen. „Und wie viele am Fernseher dabei sind, daran will ich lieber gar nicht denken“, so Steigenberger. Fest steht: Es werden sehr, sehr viele sein. 2017 wollten fast drei Millionen das große Derblecken sehen. Der Nockherberg ist eben der Nockherberg.

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