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Eurasburg ist bunt: Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer feierten im Beuerberger Pfarrheim ein gemeinsames Fest – fernab von Ämtern und Behörden.

Karaoke auf Afghanisch

Beuerberger Flüchtlinge und Helfer feiern ein Fest

Eurasburg – Die Asylbewerber und Flüchtlingshelfer in Eurasburg haben gemeinsam ein Fest gefeiert. Besonders gut kamen spontane Einlagen an.

Sechs junge Asylbewerber sitzen am Rand der kleinen Bühne und trommeln vergnügt auf den Bongos, die sie zwischen ihre Knie geklemmt haben. Einer von ihnen – Hassan steht auf dem handgeschriebenen Namensschildchen, das an seinem Pulli klebt – nimmt das Mikrofon. Er singt Lieder aus seiner Heimat zu den Grooves der kleinen Trommeln.

Das Publikum im Saal klatscht begeistert mit, plötzlich braust Beifall auf. Ein Mann hat angefangen zu tanzen. Andere machen es ihm nach. Ein junger Bursche nach dem anderen wagt sich aufs Parkett vor der Bühne, ausgelassen, mit Stolz und Freude im Blick. Am Schluss ziehen auch zwei Männer aus dem Helferkreis ihre Sakkos aus und tanzen vergnügt mit ausgebreiteten Armen zum Rhythmus der Bongos.

Die spontane, improvisierte Einlage war so etwas wie der emotionale Höhepunkt eines gemütlichen Festes im Saal des Pfarrheims Beuerberg am vergangenen Freitag Nachmittag. „Wir wollten die Möglichkeit zu einer unterhaltsamen Begegnung geben“, sagt Organisatorin Anke Müllejans. „Die Leute sollten einfach mal gemütlich zusammenkommen, anstatt sich immer nur auf den Ämtern zu treffen.“

Rund 150 Eurasburger nutzten die Gelegenheit. Etliche Mitarbeiter aus den Helferkreisen sowie zahlreiche der derzeit in Eurasburg und Beuerberg untergebrachten Flüchtlinge – darunter auch viele Kinder. Einige hatten etwas zum Essen mitgebracht. Kaffee und Kuchen statt Papierkram und Behördengänge war die Devise. Und dazu gab’s viel Musik.

Dafür war in erster Linie Pentti Turpeinen verantwortlich. Der gebürtige Finne, ein pensionierter Gitarrenlehrer, musiziert seit einiger Zeit mit Asylbewerbern. „Ich mag Musik und Lieder aus aller Welt“, sagt Turpeinen zu seiner Motivation, die jungen Fremden ehrenamtlich zu unterrichten. Sie trommeln und singen, und einer hat angefangen Gitarre zu lernen. „Es ist eine ehrliche Musik, mit so viel Gefühl drin“, schwärmt der Finne. „Wenn Yusef singt, kann ich mir das kleine Dorf vorstellen aus dem er kommt, mit 150 Einwohnern, zwei Stunden vom nächsten Ort entfernt.“

Eine kleine Kostprobe gaben Turpeinens Schüler mit emotionalen Volksweisen beim Fest. In der Pause wagten sich weitere Männer spontan ans Mikrofon: Karaoke auf Afghanisch. Dem Publikum gefiel’s. Es gab viel Applaus, auch für das selbst komponierte und mit dem monotonen Klang einer indischen „Schrufibox“ untermalten „Deutsch-Lernlied“ von Turpeinens Freund und Kollege Dazze Kammerl aus Farchach.

Das musikalische Kontrastprogramm lieferten der Chor der Grundschule unter Leitung von Lehrerin Christiane Fußy sowie die Musikkapelle Beuerberg, die zum Abschluss des fröhlichen Festes den Gästen ordentlich den Marsch blies.

von Rudi Stallein

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