Feiner Pinsel: Pawel Michalowski aus Königsdorf restauriert einen barocken Bilderzyklus.

Rundgang durchs Kloster

Kloster Beuerberg: Das geheime Leben der Salesianer

Eurasburg – Sie lebten nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit, die Schwestern im Kloster Beuerberg. Nur wenige Menschen hatten dort Zutritt. Unser Mitarbeiter Rudi Stallein bekam einen Baustellenrundgang.

Eine hölzerne Stecktafel hängt an der weißen Wand hinter der Eingangstür. Mutter Lioba steht darauf, Schwester Paula, Schwester Gonzaga, Schwester Adelaidis. Insgesamt 19 Namen, neben jedem stehen Ziffern, mal nur eine, mal zwei, mal drei. Neben der Tafel baumelt ein Seil von der Decke, befestigt an einer kleinen Glocke. „Jede Schwester hatte ein eigenes Glockenzeichen, mit dem sie gerufen wurde“, erklärt Dr. Christoph Kürzeder. „Heute nutzen wir die Glocke genauso, anders ist es kaum möglich, sich hier zu finden.“

Eine Stecktafel nennt die Namen der Schwestern.

In den Gängen des Klosters herrscht ein emsiges Gewusel. Es wird gehämmert, geklopft, gebohrt. Elektriker schließen Kabel an, Gärtner bepflanzen die Beete im Klostergarten. Auf dem Flur im ersten Stock frischt ein Restaurator mit feinen Pinselstrichen antike Schätze auf. „Das ist ein barocker Bilderzyklus“, erläutert Pawel Michalowski aus Königsdorf. Elf Motive aus dem Leben der Hl. Johanna Franziska von Chantal, die im Jahr 1610 mit dem Bischof Franz von Sales den Orden der Schwestern der Heimsuchung Mariens gründete, heute auch Salesianerinnen genannt.
 
Das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen hat der vom Eurasburger Gemeinderat beschlossenen Nutzungsänderung zugestimmt. Damit ist die letzte bürokratische Hürde genommen, die der Ausstellung „Klausur – Vom Leben im Kloster“ hätte im Wege stehen können. Ab Pfingstsamstag sollen die Besucher durch die Flure der 900 Jahre alten Klosteranlage spazieren können.

Dr. Christoph Kürzeder, Leiter des Diözesanmuseums in Freising.

Ein ehrgeiziges Ziel und angesichts der derzeitigen Großbaustelle kaum vorstellbar, aber der Chef wischt Zweifel lächelnd beiseite. „Es braucht keinen Optimismus: Es wird am 14. Mai eröffnet“, versichert Dr. Christoph Kürzeder, Leiter des Diözesanmuseums in Freising. Weil das bis auf Weiteres wegen Modernisierungsarbeiten geschlossen ist, stecken der promovierte Theologe und Volkskundler und seine Mitarbeiter ihre Energie ins Kloster Beuerberg.
 
„In der Klausur zogen die Schwestern sich zurück – keine durfte raus, aber es durfte auch keiner rein“, erzählt der Direktor beim Rundgang. Auch Besuche von Freunden und Verwandten waren nur selten für kurze Zeit gestattet. Das Zimmer soll in wenigen Wochen vermitteln, wie die Schwestern Besucher empfingen: in einem kleinen Raum, durch Gitterstäbe vom Besucher getrennt.

Ans Sprechzimmer schließt ein kleiner Salon an, das Wartezimmer, bestückt mit antiken Intarsienschränken und -kommoden. Ein halbes Jahr lang haben seine Mitarbeiterinnen Anastasia Czerny und Anna-Laura de la Iglesia y Nicolaus sämtliche Gegenstände inventarisiert.

In der Klosterapotheke wurden die modernen Schränke aus den 1960er Jahren entfernt und die historische Einrichtung aus dem 19. Jahrhundert, welche die Schwestern im ersten Stock gelagert hatten, wieder zurückgebracht. „Heilkunst hat im Kloster schon immer ihren Platz“, sagt Kürzeder. „Medizinhistorisch ist das Kloster sehr interessant.“

Im Flur steht ein Schrank, darin Vase an Vase. „Wir zeigen hier große barocke Kästen, überquellend voll.“ In der Sakristei öffnet Kürzeder ein Sideboard, gefüllt mit Kelchtüchern, jedes einzelne akkurat gefaltet und geordnet. „Die Schwestern sind unglaublich sorgfältig mit allen Sachen umgegangen.“

Bauchige Behälter: Im Keller werden die Ballonflaschen aufbewahrt, in die die Schwestern ihren berühmten Likör füllten, die "Beuerberger Naturkraft".

Im Refektorium, wo die Salesianerinnen schweigend ihre Malzeiten einnahmen, stehen die Tische in klassischer U-Form, am Kopfende saß die Schwester Oberin. Künftig werden hier die Ausstellungsbesucher speisen. Dafür werde die üppig ausgestattete Klosterküche „wieder angeworfen“, verrät Kürzeder. „Gekocht wird mit Kräutern aus dem Klostergarten und Produkten von Bauern und Betrieben aus der Umgebung“, ergänzen Stella Igl und Maxie Denk. Unter einer Pergola im Kreuzhof können ihre Gäste „mediterrane Abende“ und den „Beuerberger Spritz“ genießen – eine Cocktail-Kreation der neuen Klosterküchen-Chefinnen.
 
An die „Kloster Beuerberger Naturkraft“, den legendären Löwenzahnlikör der Schwestern, erinnern große bauchige Ballonflaschen im Likörkeller. Am Ende des Ganges, der auf den kleinen Friedhof hinausführt, stapeln sich drei Schubläden, aus denen diverse Gegenstände herauslugen. Bei dem Anblick bekommt Kürzeder leuchtende Augen. „Das ist hier ein goldener Topf“, schwärmt er. „Überall, wo man einen Schrank aufmacht, findet man wieder irgendwas in den Schubläden.“ Der Reichtum des Klosters Beuerberg, er lässt sich kaum ausschöpfen.

von Rudi Stallein

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