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Landschaftsbauer Sigfried Manhart (li.) hat mit Mitarbeitern viele neue Bäumchen gepflanzt.

Kloster Beuerberg: Spielerisch Heilpflanzen entdecken

Neu konzipierte Ausstellung eröffnet bald

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Am 20. Mai öffnet die neu konzipierte Ausstellung im Kloster Beuerberg. Motto dieses Mal: „Das Spiel beginnt! Spielend Leben lernen.“ Das können Besucher auch bei spannenden Kräuterführungen durch den Klostergarten.

Beuerberg Ein Quartett ist etwas Feines. Wie anders hätten angehende Autofans sich früher, ohne Google und Wikipedia, ihr Wissen über PS, Hubräume und Höchstgeschwindigkeiten aneignen sollen, als durch die beliebten Spielkarten. Aber auch medizinisches Wissen konnte man sich in den 1960er-Jahren mittels solcher Quartette anlesen. Beispielsweise mit Karten, auf denen die Heilpflanzen gezeichnet waren, die einst der Pfarrer und Naturheilkundler Sebastian Kneipp einsetzte. Im Kloster Beuerberg zeigt die Apothekerin Sibylle Reinicke anhand alter Quartette bei speziellen Führungen, welche Heilpflanzen im Klostergarten wachsen und von den Salesianerinnen einst auf vielfältige Weise verwendet wurden. Die Führungen durch den Garten sind Teil der neuen Ausstellung, die dieses Jahr unter dem Motto „Das Spiel beginnt! Spielend Leben lernen“ steht. Derzeit wird dafür noch hinter verschlossenen Türen geräumt und gewerkelt. 

Entdeckungsland Klostergarten: Apothekerin Sibylle Reinicke macht Führungen.

Und im Garten, der bereits seit der ersten Ausstellung vor zwei Jahren vom Restaurant in der Klosterküche wieder intensiv genutzt wird, grünt und blüht es wie zu besten Zeiten. Vor allem der Obstgarten wird in diesem Jahr neu belebt und „richtig durchgepflegt“, erklärt Rosi Manhart. Ihr Mann Sigfried, die beiden führen einen Garten- und Landschaftsbaubetrieb gleich neben dem Kloster und sind mit der Anlage bestens vertraut, hat mit seinen Mitarbeitern zahlreiche Bäumchen neu gepflanzt. Zwei Walnuss- ersetzen die alten Kirschbäume, dazu gesellen sich Apfel-, Quitten-, Birnen-, Zwetschgen- und Aprikosenbäume. Wenn Sibylle Reinicke ihre Gruppen demnächst durch den Nutzgarten führt und mit ihnen in die spannende Welt der Heilkräuter eintaucht, „müssen die Pflanzen natürlich da sein, von denen ich erzähle“, sagt die Apothekerin. Das ist eine Herausforderung für Rosi Manhart, die auch einen speziellen „Giftgarten“ angelegt hat. Hinter einem abgesperrten Holzzaun wachsen in einem kleinen Beet Tollkirsche und Stechapfel, Schöllkraut, Maiglöckchen, Eibe, Alraune, ein Rizinusbaum – und Petersilie. Die Samen des beliebten Würzkrauts sind giftig und wurden früher für Schwangerschaftsabbrüche verwendet.

Solches Wissen wurde schon im neunten Jahrhundert in den Klöstern den Mönchen und Klosterschülern mittels Gedichten, die auswendig zu lernen waren, vermittelt. Einer der ersten, der ein solches Lehrgedicht verfasste, war der Abt des Klosters Reichenau, Walahfrid Strabo. Er schrieb um 840 den „Liber de cultura hortorum“, das „Buch über die Kulturen der Gärten“ – eines der bedeutendsten botanischen Werke des Mittelalters. In Versform sind darin 24 Heilpflanzen beschrieben. Auch Reinicke erzählt mittels alter Gedichte von der Wirkung der Kräuter und Heilpflanzen. „Petersiel und Suppenkraut, wächst in unserm Garten. Jungfer Lieschen ist die Braut, kann nicht länger warten. Roter Wein und weißer Wein, morgen wird die Hochzeit sein“, zitiert die Apothekerin und klärt über die tragische Geschichte hinter dem scheinbar harmlosen Kinderreim auf. Der Wein symbolisiert Blut und andere Körperflüssigkeit, mit der Petersilie treibt die unverheiratete Frau ihr Kind ab. Apothekerin Reinicke: „Das ist alles in so einem Vers versteckt.“

Info

Die Ausstellung im Kloster Beuerberg öffnet am 20. Mai und dauert bis zum 7. Oktober. Die Kräuterführungen finden jeweils an einem Samstag im Monat statt. An einem Termin können die Teilnehmer Sportsalbe, Sportgel und Minzöl selbst herstellen. Weitere Informationen unter www.dimu-freising.de

Rudi Stallein

Lesen Sie auch: Kloster Beuerberg: Ausstellungseröffnung am Ostermontag

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