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Barocke Pracht: Der Kirchengang, der sich fast noch im Originalzustand befindet.

Tag des offenen Denkmals

Kloster Beuerberg: Wo die frommen Schwestern wohnten

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Beim Tag des offenen Denkmals waren erstmals die oberen Etagen des Klosters Beuerberg zu sehen. Dort wohnten bis vor wenigen Jahren Salesianer-Schwestern. 

Beuerberg – Seit im Frühjahr 2016 die erste Ausstellung in Beuerberg eröffnet wurde, ist das ehemalige Salesianerinnenkloster ein Besuchermagnet. Besonders groß ist der Andrang jedes Jahr beim Tag des offenen Denkmals. Denn nur dann ist es möglich, auch einen Blick in die oberen Stockwerke des Klausurklosters zu werfen. Dort befinden sich die Zimmer, in denen die Schwestern wohnten, sowie weitere Gemeinschaftsräume. „Das Interesse, zu sehen, wie die Schwestern gelebt haben, ist noch immer riesig“, sagt Volkskundlerin Anastasia Czerny.

Wichtiger Ort: Im Kapitelsaal wurden weitreichende Entscheidungen getroffen.

Eine knarrende Holztreppe führt hinauf zum Kapitelsaal. „Hier wurden alle wichtigen Entscheidungen getroffen“, erzählt Czerny. In diesem „Konferenzzimmer“ hat die Wahl der Oberinnen stattgefunden, hier wurde über die Aufnahme von neuen Schwester in den Orden beraten. Bevor die Salesianerinnen einzogen, war Beuerberg ein Augustiner-Chorherrenstift (1121 bis 1803), davon zeugt noch die kleine Hauskapelle des Priors im ersten Stock. „Der Chef hatte seine eigene Kapelle“, weiß die Führerin. Außerdem erfährt der Besucher, dass die Augustiner in kleinen Apartments lebten. Solcher Luxus hätte zu den Hochzeiten der Salesianerinnen, die 1835 nach Beuerberg kamen, jeden Rahmen gesprengt. „Augustiner lebten hier vielleicht acht oder neun gleichzeitig“, verrät Czerny. Bei den Salesianerinnen seien es geschätzt bis zu 120 Frauen und Mädchen gewesen.

Zu den Sehenswürdigkeiten in den oberen Etagen, die bisher vor allem wegen Brandschutzauflagen nicht für die Allgemeinheit zugänglich gemacht werden konnten, zählt der barocke Kirchengang, der sich noch nahezu im Urzustand befindet. Irgendwann soll auch dieser Gang, in dem Schattierungen an den Wänden auf die ursprünglichen Altäre und Kreuzwegstationen hinweisen, gründlich restauriert werden – wie nach und nach die gesamte Anlage.

Insgesamt präsentiert sich das obere Stockwerk ziemlich unaufgeräumt. Das hat seinen Grund unter anderem in der Sammelleidenschaft der Schwestern. Es steht unglaublich viel herum – wie ein Bücherschrank im Flur, in dem sich Tolstojs „Anna Karenina“ und Erzählungen von Hermann Hesse neben Büchern wie „Große Gestalten des Glaubens“ von Bruno Moser. „Sie hatten den Drang, alles zu sammeln“, sagt Anastasia Czerny. „Deshalb können wir auch die Zeit der Augustiner Chorherren gut rekonstruieren.“ Nachteil: Irgendwo muss das Zeug hin, und dazu werden die ehemaligen Zimmer der Schwestern verwendet. Nur in das „schöne Zimmer“ können wir einen Blick werfen: Ein Polstersofa, ein eckiger Tisch, zwei Stühle, ein Bett, ein Sekretär bilden die Ausstattung in diesem Gästezimmer für hohen Besuch.

Lesen Sie auch: So verbrachten die Schwestern ihre Zeit

Ein Highlight des Rundgangs durch die verborgenen Flure ist der Festsaal der Augustiner Chorherren direkt über dem Kapitelsaal, der auch von den Schwestern genutzt wurde. Etwa bei Professjubiläen, wenn die Familie der jeweiligen Schwester eingeladen war, mitzufeiern. „Und der Blick aus dem Fenster geht weit in die Berge“, sagt Czerny. Etwas Besonderes für die Schwestern, die ihr Kloster so gut wie nie verlassen haben.

Einen Einblick in den Tagesablauf der Salesianerinnen bekommt der Besucher in der „Gemeinde“, dem Aufenthaltsraum direkt über dem Refektorium. Die „Tagesordnung“, die noch immer auf einem DIN-A-4-Blatt in einer Nische hängt, sah vor, dass die Schwestern zwischen „Betrachtung“ (ab 6 Uhr in der Früh) und dem „großen Stillschweigen“ (ab 20.30 Uhr) nachmittags auch zum Gespräch und zu Spielen in der „Gemeinde“ zusammenkamen. Freigestellt war es den Schwestern, ob sie um 20 Uhr die Nachrichten im Fernsehen schauten. „Aber danach wurde ausgeschaltet“, weiß Anastasia Czerny und ergänzt lachend: „Den Tatort haben sie nicht mehr geschaut.“

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